Der Vergleich mit der Formel 1 drängt sich förmlich auf: Neun Rennen haben bislang sowohl die Formel 1 als auch die Formel E absolviert.
In der Formel 1 führt Max Verstappen die Weltmeisterschaft mit 32 Punkten vor Lewis Hamilton an. In der Formel E (mit sehr ähnlichem Punkteschema) liegt Pascal Wehrlein (Porsche) 32 Punkte hinter Tabellenführer Edoardo Mortara (Venturi-Mercedes). Doch Wehrlein ist anders als Hamilton nicht Zweiter in der WM, sondern Zwölfter! In der Formel 1 sind nach neun Rennen also die zwei besten Fahrer um 32 Punkte getrennt, in der Formel E die besten zwölf Piloten!
Heißt: Die Formel-E-WM ist so hart umkämpft, dass mehr als ein Dutzend Fahrer noch realistische Titelchancen haben. Gibt es also gar keinen Favoriten?

Mercedes mit den meisten Siegen

Wahrscheinlich doch. Zwar haben in den ersten neun Rennen acht verschiedene Fahrer und sechs unterschiedliche Rennställe Siege eingefahren. Doch zählt man die Erfolge der E-Motorenbauer, ist das Bild schon eindeutiger: Vier Mal siegte ein Fahrer mit Mercedes-Power, zwei Mal DS, einmal jeweils Jaguar, Audi und BMW.
Für Rast ist der Kurs in Brooklyn Neuland
Mercedes hat also den besten, weil effizientesten 340 PS starken E-Motor gebaut. Die Frage ist nur: Kann sich Toto Wolff mit seinem Werksteam Mercedes durchsetzen oder doch Ehefrau Susie Wolff, die als Teamchefin das Kundenteam Venturi leitet?
Derzeit führt Venturi-Pilot Mortara (72 Punkte) die WM nach seinem Sieg in Mexiko an, Nyck de Vries (59/Mercedes) ist Sechster, Stoffel Vandoorne (54/Mercedes) Siebter. Diese drei Fahrer haben wohl die besten Chancen auf den Titel – auch wenn die Formel E hart umkämpft ist und das Trio nur ein Viertel der Piloten mit realistischen Ambitionen stellt.

Rast als Neuling in New York

Die deutsche Speerspitze ist Audi-Star René Rast auf WM-Rang vier (60 Punkte). „Ein Blick auf die Tabelle zeigt, wie eng alles beisammen liegt – nach neun Rennen kann eigentlich jeder noch in den Titelkampf eingreifen“, sagt Teamchef Allan McNish, der 2018 mit Audi den Teamtitel in New York feiern durfte. „In dieser Saison zählt wortwörtlich jeder Punkt – und genau mit der Einstellung gehen wir in die beiden Rennen in New York.“
Mercedes hat den besten, weil effizientesten 340 PS starken E-Motor gebaut.
Allein: Für Rast ist der Kurs in Brooklyn Neuland – wie so viele Strecken in seiner ersten vollen Formel-E-Saison. „Ich war noch nie in New York, bin also sehr neugierig auf die Stadt und das ganze Flair“, sagt der dreimalige DTM-Champion. „Die Strecke kenne ich zwar nur aus dem Simulator, aber schon da fühlt sie sich sehr spannend an. Unser Ziel ist natürlich, jetzt nachzulegen.“

Mortara denkt nicht an WM-Titel

Die Formel E sucht also ihren Elektromeister. Aber welche Qualitäten braucht man, um den Titel zu holen? Audi-Pilot Lucas di Grassi gewann die Meisterschaft 2017 und ist mit elf Siegen zweiterfolgreichster Fahrer der Geschichte. Er weiß: „In der Formel E brauchst du die gleichen Fähigkeiten wie in jeder anderen Rennserie. Das heißt: Du musst die Maschine ans Limit peitschen. Aber das ist nur der eine Teil. Was hier so besonders ist: Im Rennen musst du am Limit fahren und trotzdem Energie sparen. Du brauchst also nicht nur Renntalent, sondern auch viel Wissen, Verständnis über das Auto, die Technik und die Strategie.“
WM-Leader Mortara will vom Titel noch nichts wissen. „Dafür ist es noch viel zu früh in der Saison“, begründet der Schweizer. Sechs Rennen stehen noch auf dem Programm, am Wochenende geht es mit dem Doppelschlag in New York vor der Kulisse Manhattans weiter. Sat.1 überträgt am Samstag um 22.30 Uhr das Rennen und am Sonntag um 19.30 Uhr.
Mitarbeit: André Theuerzeit

Von

Michael Zeitler
Bianca Garloff