Formel E: Selbstversuch vor New York

Formel E für Anfänger

Unsere Redaktionsleiterin Bianca Garloff durfte exklusiv nach dem ePrix in Berlin ein aktuelles Auto testen. Eine Fahrt mit Stromschlägen und ganz viel Go-Kart-Feeling.
Der Wind pfeift laut bei Tempo 220 auf der Start-Ziel-Geraden der Formel-E-Rennstrecke in Berlin-Tempelhof, genau wie der Elektromotor in meinem Rücken. Ich sehe die Bremsschilder auf mich zufliegen. 200 Meter, 150, 100. Er würde bei 50 Metern in die Eisen steigen, hatte BMW-Pilot Alexander Sims (31) mir vorher noch verraten.
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Ich trete beim 100er-Schild mit meinem linken Fuß voll aufs Pedal. Doch das Auto verzögert nicht wie gewünscht. Die Räder, die ich unter ihrer Verkleidung kaum sehe, blockieren. Ich rutsche trotz Einlenkens geradeaus auf die Mauer zu …
Ein Fahrfehler, den ich aus den TV-Übertragungen nur zu gut kenne. Normalerweise passiert das den Formel-E-Piloten im Eifer des Gefechts. Mir, der AUTO-BILD-Motorsport-Reporterin, passiert es auch ohne Feind im Anflug. Und ich bin überrascht, wie konsequent das Auto weiter nach vorn schiebt. Gerade noch rechtzeitig komme ich zum Stehen, lenke ein und setze meine Fahrt nach einem kurzen Umweg zurück auf die Ideallinie fort. Klar ist aber: Dieser Renner hat mich elektrisiert. Der Fahrspaß ist so groß, dass ich mein Limit übertreffe.
Exklusiv darf ich als einzige deutsche Journalistin (das schließt auch männliche Kollegen ein) vorm Finale in New York (13./14. Juli, jeweils 21.45 Uhr auf Eurosport) ein aktuelles Gen2-Auto auf der deutschen Elektro-Strecke am Berliner Tempelhof ausprobieren. Mit 200 kW (272 PS) leistet der Flitzer genauso viel wie im Rennen der Formel E. Und obwohl der klassische Motorsound fehlt, begeistert er mich.

Unsere Redaktionsleiterin Bianca Garloff durfte exklusiv nach dem ePrix in Berlin ein aktuelles Formel-E-Auto testen.

Einsteigen, anschnallen, einschalten. Im Leerlauf heult der Motor wie eine Sirene, als ich testweise Gas gebe. 900 Volt umzingeln mich in den Kabeln unterhalb der Carbon-Hülle. Mit dem rechten Lenkradpaddel den Gang rein, dann geht‘s los. Frauenfreundlich, weil ohne Kupplung, dafür mit direktem Strom-Schub. Und obwohl ich im zweiten Gang anfahre, um den Beschleunigungsschock zu vermeiden – ein Elektromotor muss nicht erst auf Touren kommen wir ein Benziner – schiebt der Flitzer brutal nach vorne. Ein Raketenstart ohne Donnern. Faszinierend, weil ich mich statt auf den Sound auf meine restlichen Sinne konzentrieren kann. 
Alles fühlt sich direkt und roh an. Ich liege nur wenige Zentimeter über dem Asphalt, sehe beim ersten Einlenkmanöver die Kurve nicht. Die großen Verkleidungen über den Vorderrädern sind im Weg. Ich fahre blind um Kurve eins, zwei und drei, dann habe ich mich an die Dimensionen gewöhnt. Mein Eindruck jetzt: Ich habe ein großes und starkes Go-Kart unterm Hintern – und es macht genauso viel Spaß!
Gas geben, bremsen, lenken. Ich fahre im Zentimeterabstand an Banden entlang, bekomme auf den Bodenwellen immer wieder Schläge auf Po und Rücken. Mein Herz rast mit dem Auto um die Wette.
Die Lenkung ist direkter als alles, was ich bisher fahren durfte – und dazu gehört immerhin ein DTM-Audi. Die Linie ist enger, der Grip der Profilreifen überraschend groß. Sobald ich mit einem Druck von rund 40 Bar aufs linke Pedal trete, quietschen die hart zupackenden Bremsen – nur hörbar, weil das Gebrüll eines Verbrennungsmotors fehlt. Und beim Beschleunigen fließt der Strom nicht nur durch den Motor,  sondern auch durch meinen Magen …
Nach fünf Runden fordert die fehlende Servolenkung ihren Tribut. Meine Unterarme schmerzen, ich atme schwer. Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass die Piloten im Rennen Rad an Rad kämpfen und nebenbei am Lenkrad auch noch die Energie managen müssen, sage ich mir: Formel E ist Rennsport für echte Profis – und nichts für Anfänger!
TV-Zeiten New York:
Samstag: Qualifying 17.40 Uhr (Eurosport), Rennen 21.45 Uhr (Eurosport, ZDF Live-Stream)
Sonntag: Qualifying 21.00 Uhr (Eurosport), Rennen 21.45 Uhr (Eurosport, ZDF Live-Stream)

Fotos: Formel E

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