Die besten Bilder vom ABB FIA Formula E Finale in Berlin

Formel-E-Teamchefin Susie Wolff im Interview

„Müssen mehr Mädchen inspirieren“

Venturi-Teamchefin Susie Wolff über Frauen im Motorsport, E-Mobilität und ihren Ehemann Toto Wolff
Sie ist die erste und einzige Teamchefin in der Formel E: Susie Wolff (37). In Berlin fährt die Elektroserie der Mittwoch und Donnerstag (jeweils ab 19 Uhr live auf Eurosport) ihre finalen Rennen aus. Die Schottin sitzt am Kommandostand von Venturi. Ihr Ziel: Erfolg haben, Frauen inspirieren, die Umwelt schonen. Das verrät sie im exklusiven Interview.
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Susie Wolff, Sie sind seit zwei Jahren Teamchefin von Venturi. Was ist für Sie das Besondere an der Formel E?
Ich bin begeistert von der Serie! Ich habe immer gewusst, und deswegen bin ich auch hier, dass diese Plattform etwas ganz Spezielles ist. Viele Leute behaupten, die Formel E könne mit der Formel 1 nicht konkurrieren. Das will sie doch auch gar nicht. Für mich setzt die Formel E auf eine ganz andere Plattform als die Formel 1 und beide können wunderbar koexistieren. Die Formel E setzt auf Stadtrennen und Ein-Tages-Format. Ein kleiner Fehler oder ein kleines Problem kann dein Ergebnis ruinieren. Das ist eine riesige Herausforderung.
Außerdem müssen Sie keinen großen Hersteller im Rücken haben, um Erfolg zu haben.
Genau. Wir sind nur ein kleines Privatteam aus Monaco, können es aber trotzdem aufs Podest schaffen. Diese Unberechenbarkeit in der Formel E ist manchmal schwierig, manchmal ganz toll. In der Formel E hat jeder – wenn er einen guten Job macht – die Chance auf Erfolg.

Susie Wolff ist die erste und einzige Teamchefin in der Formel E

In Ihrer aktiven Karriere als Rennfahrerin sind Sie Verbrennungsmotoren gefahren. Sind Sie immer noch ein Petrol-Head oder schon ein Elektro-Nerd?

Ich bin begeistert von der neuen Technologie, aber die Technik in den Autos ist wirklich kompliziert. Der Fahrer muss im Rennen viel mehr Kapazitäten haben, um das Auto zu managen und auch noch schnell zu fahren. In der Formel 1 war es zu meiner Testfahrerzeit schon ähnlich, aber die Formel E ist noch mal auf einem anderen Niveau.
Wie stehen Sie privat zur E-Mobilität?
Soweit, dass ich nur elektrisch fahre, bin ich noch nicht. Die Reichweite ist mir noch zu gering. Einmal wollte ich Toto (Susies Ehemann und Mercedes-Motorsportchef; d. Red.) vom Flughafen abholen und plötzlich drohte mir der Strom auszugehen. Zum Glück konnte ich noch bergab rollen. Das Gefühl war nicht so angenehm (lacht). Aber wenn ich in die Stadt fahre, bin mittlerweile natürlich elektrisch unterwegs und das auch sehr gerne. Die Formel E zeigt, was die Zukunft bringt. Sie ist wie die Formel 1 die Spitze der Entwicklung, deswegen sind auch so viele Hersteller vertreten. Was wir hier sehen, kommt in zwei drei Jahren im Straßenverkehr an und das ist sehr spannend.
Die Formel E steht auch für Klimawandel. Was tun Sie für die Umwelt?
Man sollte sich fragen: Welchen Unterschied macht eine Plastikflasche? Wenn neun Milliarden Menschen so denken, einen großen! Wir haben kein Plastik mehr im Haus, nur Glas. Wir haben Wasserfilter, damit wir keine Flaschen mehr kaufen müssen. Wir achten auf viele Kleinigkeiten. Für mich ist es wichtig, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln. Auch wenn ich mir einen Kaffee zum Mitnehmen kaufe, habe ich immer meine Flasche dabei. Diese kleinen Änderungen machen vielleicht keinen großen Unterschied, aber sie geben mir ein gutes Gefühl und ein reines Gewissen, dass ich meinen Beitrag leiste. Ich habe einen kleinen Sohn und ich will schauen, dass die Welt für ihn besser wird.
Hat Sie auch Corona zum Nachdenken angeregt?
Ja. Durch die Pandemie habe ich viel gelernt. Ich war früher sehr oft unterwegs. Durch die erzwungenen Videokonferenzen merkt man, dass es auch funktioniert, ohne so zu viel reisen. So kann man viel effizienter leben. Diese Erfahrung werde ich sicher in die Zeit nach Corona mitnehmen.
Welche Rolle spielen Autos in Ihrem Leben?
Auf Rennen habe ich keine Lust mehr. Ich habe jetzt einen anderen 24-Stunden-Job. Auf der Straße fahre ich nicht besonders schnell. Ich habe keine Lust, dass es teuer wird – oder dass ich im Stau stehe. Was mir Freude bereitet: klassische Autos zu fahren.
Sie sind jetzt aber der Frage ausgewichen, wer bei Ihnen Familien-intern Auto fährt, Toto oder Sie?
Ich lass ihn fahren, denn er beschwert sich immer, ich sei zu schnell oder zu langsam. Für mich ist es sehr gemütlich auf dem Beifahrersitz. Toto kann die Rolle des Fahrers ruhig übernehmen (lacht)
Das Kommando haben Sie in der Formel E. Sie sind die erste und einzige TeamchefIN. Was bedeutet Ihnen das?
Wenn ich ein Vorbild sein kann, ist das für mich sehr positiv. Wenn ICH das Erreichen kann, können andere Frauen das auch schaffen. Wir brauchen starke Vorbilder für die nächste Generation, um für Vielfalt in unserem Sport zu sorgen. Das Wichtigste ist, dass wir nicht nur für mehr Frauen auf der Rennstrecke kämpfen. Es gibt 24 Fahrer auf der Rennstrecke, aber es gibt 1000 Personen, die hier sind, um das Event durchzuziehen. Journalisten, Ingenieure, Mechaniker, Physiotherapeuten – wir müssen schauen das der ganze Sport vielfältiger wird.
Wurden Sie in ihrer aktiven Karriere als Frau diskriminiert?
Ja. Ich bin im Rennsport, seit ich acht Jahre alt bin. Viele sagen es, ist eine Männerwelt. Aber es ist auch meine Welt und ich habe immer gewusst, dass ich eine Herausforderung vor mir habe. Aber ich habe immer auch gesagt: Ich bin hier, um erfolgreich zu sein und nicht nur um zu zeigen, was eine Frau erreichen kann.
Ich hatte das Glück, dass ich im Auto meinem Helm aufsetzen konnte. Dann ist das Mann-Frau-Thema nicht mehr so sichtbar. Aber jetzt als Teamchefin merke ich, dass es noch immer eine gewisse Erwartungshaltung gibt. Hier in Berlin bin ich zum Beispiel sehr oft gefragt worden, wer auf meinen Sohn aufpasst und ob es nicht schwer sei, als Mutter so lange von zuhause weg zu sein. Solche Fragen werden den anderen Teamchefs nicht gestellt. Wir haben also noch einen weiten Weg vor uns. Wir müssen weiter für mehr Vielfalt auf dem Gas bleiben.
Warum können Frauen auf der Rennstrecke genauso schnell sein wie Männer? 
Für mich ist es eigentlich nur eine Statistik-Frage. Wir haben unter fünf Prozent Frauen mit einer Motorsport-Lizenz. Das heißt: Wenn du 5000 kleine Jungs im Kart hast, schafft es der Beste es nach oben. Wenn du nur 50 Mädels hast, ist es viel schwieriger. Ich bin ganz sicher, dass Frauen auf hohem Niveau mitfahren können. Wir müssen versuchen, mehr Mädchen zu inspirieren. Vielleicht brauchen wir dafür wirklich Meisterschaften wie die W-Series oder die neue Extreme E, wo 50 Prozent der Fahrer weiblich sein müssen, um Frauen zu zeigen dass es Möglichkeiten im Motorsport gibt. Am Ende zählt aber nur die Performance. Man muss schnell genug sein. Ich würde sehr gerne eine Frau in meinem Auto haben, weil ich gerne andere Frauen unterstütze. Aber ich weiß auch, dass sie schnell genug sein müsste. Am Ende bin ich verantwortlich für die Leistung des Teams.
Der aktuell erfolgreichste Teamchef der Formel 1 ist Ihr Ehemann, Mercedes-Boss Toto Wolff. Was schauen Sie sich von ihm ab?
Ich bin sehr stolz auf ihn. Nicht nur in den letzten zwei, sondern in den letzten sieben Jahren habe ich sehr viel von ihm gelernt. Er inspiriert mich sehr, wie toll es das Team aufgebaut und die richtige Energie eingebracht hat. Ich sehe, dass er auch heute noch so motiviert und engagiert ist wie zu Beginn. Man darf nie selbstzufrieden sein. Aber ich bin ein anderer Mensch und muss meine eigenen Fehler machen, auf meinen eigenen Beinen stehen.

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Fotos: Formel E

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