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Formel E: Vor Start in Saudi-Arabien

Audi und BMW rechtfertigen sich

Die Formel E bestreitet ihren Auftakt ausgerechnet im viel kritisierten Saudi-Arabien. Was sagen die deutschen Hersteller dazu? ABMS fragte nach:
Die Rennsport-Saison der Verbrennungsmotoren ist vorbei – dafür startet die Formel E am Samstag (ab 13 Uhr auf Eurosport und im Livestream auf zdf.de) in ihr fünftes Jahr. Und das wird spannender als je zuvor, die Serie ist so deutsch wie nie. Neben Teamchampion Audi Sport Abt Schaeffler sind jetzt auch BMW und das schwäbische Mercedes-Einsatzteam HWA dabei. ZF aus Friedrichshafen baut den Antriebsstrang für Venturi, wo Ex-Formel-1-Star Felipe Massa fährt.
Alle Termine hier: Rennkalender im Überblick
BMW-Motorsportchef Jens Marquardt: „Für uns war es immer wichtig, dass es keinen Autowechsel mehr gibt, um zu zeigen, dass Reichweite bei der E-Mobilität kein Problem mehr ist. Diese Voraussetzung ist jetzt gegeben, deshalb war der Einstieg für uns logisch.“ Wichtig für BMW: Die Batterie hat jetzt eine fast doppelt so hohe Kapazität, die Autos der neuen Generation leisten 340 PS (statt 272) und sind bis zu 280 km/h schnell (vorher 225).

Saudi-Arabien steht schwer in der Kritik

Mehr Premium-Automobilhersteller, das heißt aber auch mehr Verantwortung. Unglücklich deshalb, dass die Saison der innovativsten Rennserie ausgerechnet in Riad (Saudi-Arabien) startet. In einem erzkonservativen Land also, das wegen seiner Menschenrechtsverletzungen in der Kritik steht, das Frauen unterdrückt und wo die mögliche Verstrickung des Königshauses in den Mord am Regimekritiker Jamal Kaschoggi weltweit Empörung hervorruft.
Die beiden deutschen Premiummarken Audi und BMW sind trotzdem dabei. Dass sie sich dadurch vom Saudi-Regime instrumentalisieren lassen, wollen sie nicht wahrhaben. „Als eingeschriebener Hersteller und Titelverteidiger der Teamwertung haben wir uns zur Teilnahme an allen Rennen der Saison 2018/2019 verpflichtet“, sagt ein Audi-Sprecher zu AUTO BILD MOTORSPORT. „Dies gilt auch für den Saisonauftakt in Saudi-Arabien, sofern es keine offiziellen Sanktionen gegen das Land gibt, die zu einer generellen Absage des Rennens führen würden. Maßgeblich entscheidend für die Formel E ist hier die britische Regierung.“
 
Der Sprecher weiter: „Die Vorfälle und aktuellen Entwicklungen rund um Saudi-Arabien sind ohne Zweifel besorgniserregend und von besonderer Brisanz. Unabhängig davon vertreten wir als Sportler die Meinung, dass sich Sport immer dafür einsetzen sollte, Menschen zu verbinden. Eine politisch motivierte Instrumentalisierung des Sports lehnen wir ab – egal in welche Richtung.“ 

Formel-E-Gründer Alejandro Agag

BMW, dessen Autos bei den Testfahrten mit den schnellsten Zeiten glänzten, lässt auf ABMS-Anfrage ausrichten: „Die Formel E hat die Entscheidung getroffen, den Saisonauftakt in der Formel E in Ad Diriyah auszutragen. Wir sind als Rennteam in die Verhandlungen der Formel E mit potenziellen Veranstaltern nicht involviert. Wir bitten um Verständnis, dass sich die BMW Group nicht zu innerstaatlichen oder bilateralen Angelegenheiten äußert.“ Visier runter, Politik aus.
Schade, denn Seriengründer Alejandro Agag (48) tut sich so leicht, den Kritikern zu widersprechen. „Wir wollen mit dem Rennen unseren Beitrag zur Modernisierung des Landes leisten“, behauptet er. Wichtig für den cleveren Geschäftsmann und die Formel E ist dabei natürlich vor allem das millionenschwere Antrittsgeld. Die Rede ist von 260 Millionen Dollar für zehn Jahre. So einem Argument will und kann sich Agag offenbar nicht verschließen. 
Deshalb müssen positive Nachrichten her. Wie diese: Seit der Präsentation des Formel-E-Deals gibt sich Saudi-Arabien offener. Das Fahrverbot für Frauen wurde im Sommer aufgehoben, Kinos durften nach mehr als 35 Jahren wieder öffnen. Im Umfeld des Rennens sollen sogar Konzerte, u.a. von Enrique Iglesias, stattfinden.
Blöd: Die Frauen, die sich jahrelang für das Recht aufs Autofahren eingesetzt hat, sitzen seit Mai im Gefängnis. Begründung: Sie seien eine Gefahr für die soziale Stabilität des Landes. 
Die Formel E ist sich der Problematik, einem autokratischen Regime eine Plattform zu geben, durchaus bewusst. Seit Wochen kursiert ein Dokument mit Verhaltensregeln für die Teams. Kernaussage: Man solle sich auf den Sport konzentrieren und von lästigen Journalisten nicht in politische Debatten hineinziehen lassen.
Doch auch die Hersteller selbst haben Vorsichtsmaßnahmen ergriffen: Audi beispielsweise stellte weiblichen Teammitgliedern frei, die Reise in die Wüste anzutreten. Mehr als eine Dame nahm das Angebot dankend an und blieb zu Hause. Auch auf den üblichen Gästetross verzichtet man. Eine HWA-Pressesprecherin besorgte sich vorsichtshalber eine Burka. Als Zeichen der Modernisierung und Offenheit?  
Auch der deutsche Ex-Formel-1- und DTM-Pilot Pascal Wehrlein (24) ist nicht am Start. Er sollte eigentlich für das indische Team Mahindra fahren. Doch sein Ex-Arbeitgeber Mercedes/HWA hat ihm zu lange die Freigabe verweigert. Wehrlein ist deshalb erst ab dem zweiten Rennen am 12. Januar in Marrakesch dabei. Ganz unglücklich ist er darüber übrigens nicht…

Autor: Bianca Garloff

Fotos: Picture-Alliance

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