So langsam erwacht der Motorsport aus dem Winterschlaf. Am Wochenende startet die Formel-E-Weltmeisterschaft in die neue Saison – am Freitag und Samstag jeweils um 18 Uhr werden die Rennen in Deutschland von Pro Sieben übertragen.
Trotz der Ankündigung, dass Maserati 2023 in die E-WM einsteigen wird, ist der Formel-E-Boom vorerst vorbei. Statt zwölf Teams sind 2022 nur noch elf Rennställe am Start, statt 24 Fahrer nur noch 22, zwei Hersteller sind ausgestiegen. Und es trifft vor allem Deutschland: Audi und BMW haben ihr Werks-Engagement beendet, René Rast ist ebenfalls nach einer vollen Saison wieder in die DTM gewechselt – und Mercedes geht in die letzte Saison.
Trotzdem ist mit den deutschen Teilnehmern auch 2022 zu rechnen. Der erfolgreichste deutsche Formel-E-Fahrer ist mit drei Siegen der erst 24-jährige Maximilian Günther. Er wechselt von BMW-Andretti zu Nissan e.dams, hat es dort mit Sébastien Buemi zu tun und damit dem Fahrer, der bisher die meisten Siege einfahren konnte (13).

Günther wechselt zu Nissan

Maximilian Günther wechselt von BMW-Andretti zu Nissan e.dams.
„Ich bin froh, dass ich wieder einen großen Hersteller vertreten darf“, sagt der Oberstdorfer vor seiner vierten Formel-E-Saison.
Er trifft unter anderem auf das deutsche Porsche-Duo Pascal Wehrlein und André Lotterer. Porsche bekennt sich weiterhin zur Formel E, stellt 2022 mit dem Porsche Taycan Turbo 5 sogar das Safety-Car. „Wir unterstreichen damit auch die Bedeutung der Formel E für Porsche Motorsport“, kommentiert der neue Porsche-Motorsportchef Thomas Laudenbach.
Pascal Wehrlein ist vor der Saison 2022 heiß. Bisher steht er noch ohne Sieg da, auch wenn er in Mexiko als Erster die Ziellinie kreuzte, dann aber disqualifiziert wurde. Wehrlein: „Dieses Jahr werde ich mein erstes Rennen gewinnen. Ich hoffe, dass es schon in Saudi-Arabien so weit sein wird.“

Deutsches Porsche-Duo will ersten Sieg

Porsche bekennt sich weiterhin zur Formel E.
Auch Lotterer bekommt bei Porsche noch eine weitere Chance – trotz eines enttäuschenden WM-Rangs 17 im Vorjahr. Laudenbach aber weiß: „André ist schnell – und er hat Biss.“ Mit 40 Jahren ist er der älteste Fahrer im Formel-E-Feld. Mit sieben Podestplätzen hat er sich aber auch etabliert.
Das Mercedes-Werksteam geht derweil zwar in die letzte Formel-E-Saison – ist aber auch Titelverteidiger. Nyck de Vries, der 2022 fast bei Williams in der Formel 1 gelandet wäre, will den Titel verteidigen: „Ich denke nur noch an das neue Jahr. Der Titelgewinn war letzten August. Jetzt zählt nur noch, was vor uns liegt.“
Auch Audi und BMW sind noch nicht vollkommen aus der Formel E verschwunden. Die 340 PS starken E-Maschinen kommen noch in Kundenteams zum Einsatz. Das Virgin-Team von Robin Frijns und Nick Cassidy wird von Audi-E-Power angetrieben, Andretti setzt mit Jake Dennis und Oliver Askew noch auf BMW-Power.

Audi und BMW bleiben halb dabei

Die Favoritenlage vor dem Auftakt ist undurchsichtig. Bei den Testfahrten in Valencia lagen an drei Tagen drei verschiedene Fahrer an der Spitze – Robin Frijns, Stoffel Vandoorne im zweiten Mercedes sowie Edoardo Mortara aus dem Mercedes-Kundenteam Venturi.
Immerhin: Durch das neue Qualifying-Format dürfte es nicht mehr ganz so unberechenbar werden wie 2021, als in 15 Rennen elf verschiedene Fahrer gewinnen konnten. Das Qualifying ist nämlich fairer gestaltet: Gefahren wird jetzt nur noch in zwei Gruppen und einer anschließenden K.O.-Runde. Die ersten Fahrer in der Tabelle werden daher nicht mehr durch die schlechtesten Streckenbedingungen benachteiligt.

Von

Michael Zeitler