Kastenwagen boomen. Ein Trend, bei dem nun auch Frankia mitmischen möchte. Eigentlich bewegen sich die gewichtigen Modelle aus Marktschorgast (nördlich von Bayreuth) jenseits von 3,5 Tonnen. Doch mit dem Einstieg in das Kastenwagensegment gehen die Franken neue Wege. Das beginnt schon mit der Bezeichnung der neuen Camper-Reihe: Microliner. Das steht für kompakte Außenmaße einerseits und für ein großzügiges Raumgefühl wie in einem Integrierten andererseits. Auch das Interieur strahlt Modernität aus: Weit entfernt von Holzfurnier, zeigt sich der Möbelbau stattdessen schlicht und in Weiß. Das kennt man so nur vom VW Grand California. Ein mutiger Schritt. Aber auch bei den Grundrissen geht Frankia ganz bewusst neue Wege, so zum Beispiel verfügt der 7.0 Lounge über ein Längssofa im Heck. Alle Modelle basieren auf dem Mercedes Sprinter mit 114 PS serienmäßig. Der von uns getestete Yucon 6.0 startet mit einem Grundpreis von 66.900 Euro.

Ziel: Geräumigkeit trotz kurzer Fahrzeuglänge im Frankia Yucon 6.0

Frankia Yucon 6.0
Selten: Längsbetten auf nur sechs Meter Fahrzeuglänge. Zusätzliche Fächer unterm Bett sorgen für mehr Stauraum.
Das ist er: Ein konsequent für zwei Personen konzipierter Kastenwagen unter sechs Meter Fahrzeuglänge mit Längsbetten im Heck. Der Wunsch von Frankia, Geräumigkeit auf dieser knappen Außenlänge zu zaubern, mag zunächst als Quadratur des Kreises wirken. Doch die Umsetzung zeigt, dass es funktioniert. Die Entwickler fokussierten sich beim Ausbau auf lange Betten, luftiges Interieur und Stauraum im Heck. Ganz bewusst haben sie an anderen Stellen gespart. So zum Beispiel an einer Sitzgruppe mit fester Bank. Als Sitzmöglichkeit dienen in diesem Wohnmobil ausschließlich die drehbaren Fahrerhaussitze. Wobei angemerkt werden muss, dass das Drehen der Sitze im schmalen Sprinter durchaus fummelig ist.
Ein schmaler Tisch mit zusätzlicher Drehplatte befindet sich gegenüber an der Wand zum Bad. Der Tisch lässt sich aber auch einfach ausbauen und draußen bei geöffneter Schiebetür an den Küchenblock hängen. Highlight sind die Heck-Längsbetten, die mit 1,90 Meter Länge auch für groß gewachsene Menschen taugen. Die Kopfteile sind hochklappbar. Für die Unterlüftung sorgt ein Abstandsgewirke. Dank der Längsbetten braucht es keine Verbreiterungen der Karosserie.

Mercedes Sprinter als Basis mit serienmäßig 114 PS, optional 163 PS

Frankia Yucon 6.0
Komfortabel und sanft schaltet die optionale Siebenstufenautomatik.
Das hat er: Viel Stauraum und 400 Kilogramm Zuladung. Für zwei Personen und deren Gepäck ideal. Das passt in die sieben Dachstauschränke und die Heckgarage, die sich bis zu 1,47 Meter tief beladen lässt. Verzichten müssen die Reisenden lediglich auf einen klassischen Kleiderschrank mit Stange. Weiter punktet der Yucon beim Thema Autarkie. Die leistungsstarke Truma Combi D 6 E heizt wahlweise mit Diesel oder Landstrom. Für Unabhängigkeit sorgt die 100-Ah-LiFePo4-Batterie. Minuspunkte gibt es für nur zwei serienmäßige Steckdosen. Mehr gibt es nur als Sonderausstattungspaket für 350 Euro.

Bildergalerie

Frankia Yucon 6.0
Frankia Yucon 6.0
Frankia Yucon 6.0
Kamera
Wohnmobil-Test Frankia Yucon 6.0
So fährt er: So schick, wie er von außen aussieht, so komfortabel reist es sich mit der Sprinter-Basis. Serienmäßig sind 114 PS, aber mit den 9590 Euro teuren Chassis-Paketen sind unter anderem der 163-PS-Motor, Siebenstufen-Wandlerautomatik, Tempomat, 11,25-Zoll-Touchscreen des Infotainmentsystems MBUX, Multifunktionslenkrad, 93-Liter-Dieseltank, Lackierung in Tenoritgrau und Rückfahrkamera mit an Bord. Apropos Kamera: Durchaus eine Überlegung wert sein sollte das Parkpaket für 3990 Euro. Darin enthalten ist neben MBUX, elektrisch heranklappbaren Spiegeln und DAB-Radio auch eine 360- Grad-Kamera, die eine Vogelperspektive des Fahrzeugs zeigt. Das hilft beim Einparken enorm.

Fazit

von

Helene Schmidt
Der Yucon soll ganz bewusst kein Kastenwagen für die breite Masse sein. Das geschmackvolle Design wird für viele zu modern sein. Die ausgezeichnete Verarbeitungsqualität rechtfertigt den Preis. Nur an Kleinigkeiten fehlt noch der Feinschliff. Urteil: vier von fünf Punkten.

Von

Helene Schmidt