Ganzjahresreifen-Test 2019: 235/55 R 19
SUV-Ganzjahresreifen im Test

Machen die aktuellen Ganzjahresreifen den saisonalen Reifenwechsel wirklich überflüssig? AUTO BILD hat sieben Ganzjahresreifen im Format 235/55 R 19 getestet.
Bild: AUTO BILD
- Dierk Möller
- Henning Klipp
- Martin Braun
So groß die Fortschritte bei der Reifentechnik gegenüber noch vor zehn Jahren sind, so klar ist zugleich, dass es auch heute den einen Reifen, der alles bestens kann, immer noch nicht gibt. Unser Test mit sieben Ganzjahresreifen zeigt dies deutlich auf, denn wir haben zusätzlich auch einen reinen Winterreifen und einen reinen Sommerreifen das genau gleiche Messprogramm durchfahren lassen. Da kommt vor allem eines sehr schnell ans Licht: Mit einem reinen Winterreifen kann man zwar mit erheblicher Kompromissbereitschaft das ganze Jahr durchfahren, aber nicht mit einem Sommerreifen. Denn der Grip eines Sommerreifens fällt auf Schnee und Eis derart drastisch ab, dass es richtig gefährlich wird. Beispiel Bremstest auf Schnee: Aus Tempo 50 braucht selbst der schlechteste Ganzjahresreifen, der Gripmax aus China, 28,5 Meter, um zum Stillstand zu kommen. Das unterbietet der hier beste Ganzjahresreifen, der finnische Nokian, um immerhin fünf Meter. Aber der Sommerreifen rutscht bereits bei Tempo 50 schier endlos weiter und kommt erst nach erschreckenden 62,5 Metern zum Stehen. Das ist im Alltag einfach katastrophal, außerdem inzwischen auch in Deutschland verboten.
Auch Ganzjahresreifen müssen das Alpine-Symbol tragen
Mit Sommerreifen darf man sich auch hierzulande bei Schnee nicht auf der Straße blicken lassen. In anderen Regionen wie Schweden und Südtirol gilt gar eine saisonale Winterreifenpflicht, die auch das Fahren mit Sommerreifen bei winterlichem Sonnenschein und staubtrockener Fahrbahn verbietet. So weit wollte der deutsche Gesetzgeber aber offenbar nicht gehen. Jedoch müssen alle jetzt neu gekauften Winterreifen nicht nur mit der alten und aussagelosen M+S-Kennzeichnung versehen sein, sondern auch mit dem Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke). Dieses Symbol darf ein Hersteller an seinen Reifen erst nach dem Ablegen einer Schneeprüfung anbringen, die ursprünglich von der US-amerikanischen Straßenverkehrsbehörde eingeführt worden ist und Wintertauglichkeit gewährleistet. Das Bestehen der Prüfung ist allerdings nicht allzu schwierig. Aber immerhin besser als gar keine Prüfung, so wie es viele Jahrzehnte bei der M+S-Kennzeichnung war, die jeder Reifenhersteller fast nach Belieben anbringen konnte und bis heute kann.
Nahe am Sommerreifen oder nahe am Winterreifen?
Alle getesteten Ganzjahresreifen führen dabei das Alpine-Symbol. Sie werden also als vollwertig wintertaugliche Reifen anerkannt. Und doch lassen sich im Test deutliche Unterschiede erkennen. Denn die Reifenhersteller suchen anscheinend bei ihren Kompromissreifen den in ihren Augen besten Kompromiss. Und da gehen die Ansichten offenbar auseinander. Besonders deutlich wird das beim Ganzjahresreifen von Michelin, dem CrossClimate. Die französischen Reifenentwickler wollten sichtlich einen Ganzjahresreifen, der sich auf trockener Fahrbahn nur wenig von einem Sommerreifen unterscheidet. Dafür büßt der Michelin ein wenig Schneetauglichkeit im Winter ein, bleibt aber auch dort immer auf der sicheren Seite. Andere Ganzjahresreifen sind auf Schnee besser. Vor allem Continental und Nokian nehmen es unter winterlichen Bedingungen locker mit einem echten Winterreifen auf. Dafür fahren sie sich aber auf trockenem Asphalt nicht ganz so flott und lenkpräzise wie der Michelin-Ganzjahresreifen.
Man muss sich also als Autofahrer entscheiden, was einem wichtiger ist: Wintertauglichkeit nahe am Winterreifen oder Sommerhaftung nahe am Sommerreifen. Oder man wählt den Kompromiss der Kompromisse. Und den stellt zumindest in der getesteten Dimension der Ganzjahresreifen von Vredestein dar. Er ist auf Schnee nicht ganz so gut wie Nokian und Continental, aber im Sommer besser als diese, doch dort wiederum nicht ganz so gut wie der Michelin.
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