Ford Focus RS, Audi RS 3, BMW M2, AMG A 45, Honda Type R: Gebraucht-Check
Kompakt, brutal, begehrenswert – gebrauchte Hot Hatches im Check

Diese fünf Kompaktsportler bieten völlig unterschiedliche Fahrerlebnisse. Doch beim Gebrauchtwagenkauf lauern teure Fallen.
Bild: Uwe Fischer
Auf dem Papier liegen diese fünf Kompaktsportler dicht beieinander. Auf der Straße trennen sie Welten. Reihensechser gegen Fünfzylinder, Hinterrad- gegen Front- und Allradantrieb – jeder Kandidat verkörpert eine eigene technische Philosophie und entwickelt daraus einen unverwechselbaren Charakter. Genau das macht ihren Reiz als Gebrauchtwagen bis heute aus.
Ein Schnäppchen sind sie allerdings selten: Mit Ford Focus RS und AMG A 45 gibt es immerhin zwei vergleichsweise günstige Einstiege bei den Kompaktsportlern. Der Rest bleibt ziemlich wertstabil, was auch daran liegen dürfte, dass sie für Enthusiasten genau das verkörpern, was modernen Sportmodellen zunehmend verloren geht. Authentische Mechanik wird heute durch digitale Inszenierungen wie Soundgeneratoren oder simulierte Gangwechsel ersetzt.
Wir zeigen, was BMW M2, Audi RS 3, Mercedes-AMG A 45, Honda Civic Type R und Ford Focus RS so besonders macht, wo ihre technischen Stärken liegen, welche Schwachstellen Kaufinteressenten kennen sollten und welche Reparaturen richtig ins Geld gehen können.
BMW M2 (1. Gen): die Fahrmaschine der Kompaktklasse
- Bauzeitraum: 2015 bis 2018
- Leistung: 370 PS
- Preise: ab 35.000 Euro
Für Quartett-Spieler ist der M2 kein Trumpf, wer die erste Version jedoch auf der Rennstrecke erlebt hat, weiß: Den sticht keiner aus. Gegenüber dem damaligen M240i legte die Leistung zwar nur moderat zu, entscheidender ist jedoch das komplett andere Fahrgefühl. Lenkung, Vorderachse und Hinterachse arbeiten deutlich präziser zusammen, das Fahrwerk baut kaum Wankbewegungen auf und vermittelt genau die Direktheit, für die BMW M jahrzehntelang stand. Dazu kommt ein Reihensechser, der nicht nur kräftig anschiebt, sondern auch akustisch zu den Highlights seiner Generation zählt.

Der BMW M2 der Baureihe F87 gilt für viele Fans als letzter kompakter M alter Schule – mit Reihensechszylinder, Hinterradantrieb und viel Fahrspaß.
Bild: Uwe Fischer
Schwachstellen: Der N55 zählt zu den besonders standfesten Motoren, sorgfältige Wartung ist dennoch Pflicht. Besser kürzere Ölwechselintervalle wählen, als BMW vorgibt. Wichtig ist außerdem ein Blick auf Undichtigkeiten an Ventildeckel und Ölfiltergehäuse, die mit zunehmendem Alter häufig auftreten. Auch die elektrische Wasserpumpe gehört zu den bekannten Verschleißteilen. Bei leistungsgesteigerten Fahrzeugen gilt die serienmäßige Kunststoff-Charge-Pipe als Schwachpunkt und sollte deshalb durch eine Aluminium-Ausführung ersetzt werden.

370 PS, Hinterradantrieb und eine ausgewogene Fahrwerksabstimmung machen den ersten M2 bis heute zu einem begehrten Gebrauchtwagen.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Das wird teuer: Das Ölfiltergehäuse gehört zu den bekanntesten Schwachpunkten des N55. Mit den Jahren werden Gehäuse und Dichtungen häufig undicht, austretendes Öl gelangt dann auf den Keilrippenriemen. Im schlimmsten Fall kann dessen Material in den Motor eingezogen werden – ein teurer Folgeschaden. Viele BMW-Spezialisten tauschen deshalb nicht nur die Dichtungen, sondern rüsten gleich auf verstärkte Aluminium-Gehäuse aus dem Zubehör um. Wer ohnehin am Motor arbeitet, sollte den Bereich vorbeugend instand setzen.
Audi RS 3 (2. Gen.): ein Mythos, der süchtig macht
- Bauzeitraum: 2017 bis 2020
- Leistung: 400 PS
- Preise: ab 31.000 Euro
Dieses 400-PS-Kraftpaket strahlt auf die ganze Baureihe ab. Sein Klang genießt Kultstatus, und der deutlich vernehmbare, plötzlich einsetzende Punch des dicken Turboladers förderte die Legendenbildung des DAZA-Motors. Gleiches gilt für den quattro-Antrieb, der die Leistung auch bei Nässe und Schnee ziemlich effektiv in Vortrieb umwandelt. Im Grenzbereich wirkt der RS 3 jedoch alles andere als perfekt ausbalanciert. Dazu enttäuscht die Bremsanlage auf der Rennstrecke. Doch seine Mischung aus klangvollem Fünfzylinder, brachialer Traktion und hoher Alltagstauglichkeit macht den Audi RS 3 zu einem begehrten Kompaktsportler der besonderen Art.

Der 400 PS starke RS 3 begeistert mit seinem charakterstarken Fünfzylinder.
Bild: Uli_Sonntag
Schwachstellen: Der Fünfzylinder ist selten das Problem. Das hohe Vorderachsgewicht fordert jedoch Bremsen und Fahrwerk, die Serienbremse stößt bei harter Gangart oder auf der Rennstrecke früh an ihre Grenzen. Viele RS 3 wurden fachgerecht leistungsgesteigert, getunte Modelle sind nicht generell zu verteufeln. Wichtiger: Haldex-Kupplung und Hinterachsgetriebe benötigen Ölwechsel.

Dank quattro-Antrieb bringt der Audi RS 3 seine Leistung selbst bei schwierigen Bedingungen souverän auf die Straße.
Bild: ULI_SONNTAG
Das wird teuer: Das Siebengang-DSG DQ500 ist sehr robust. Vernachlässigte Ölwechsel und exzessive Launch-Control-Starts können dennoch teure Schäden verursachen. Eine Instandsetzung mit Haltbarkeits-Upgrade für Tuning kostet über 6000 Euro.
Ford Focus RS (3. Gen.): Allrad-Rebell
- Bauzeitraum: 2026 bis 2018
- Leistung: 350 PS
- Preise: ab 22.000 Euro
Seine wilde Seite trägt der Focus RS herrlich offen zur Schau. Dazu passt der bullig hochdrehende 2,3-Liter-EcoBoost, der zwar etwas künstlich, aber viel satter als im Mustang klingt und im kompakten Kölner für deftigen Vortrieb sorgt. Dank Ladeluftkühler und Twin-Scroll-Lader hat der RS 350 statt 317 PS (im Mustang). Besonderer Clou ist der spektakuläre Drift Mode. Der machte anno 2016 erstmals Dinge möglich, die man einem serienmäßigen Allradler kaum zugetraut hätte. Doch darin liegt auch die Gefahr: Per Knopfdruck lässt sich der Ford quer bewegen, was Reifen, Kupplungen und Antriebsstrang in kürzester Zeit viel abverlangt.

Dank Drift Mode und Allradantrieb nahm der Focus RS unter den Kompaktsportlern schon bei seiner Vorstellung eine Sonderrolle ein.
Bild: AUTO BILD/Toni Bader
Schwachstellen: Die Rückrufaktion zur Zylinderkopfdichtung (Anfangs verbaute Ford eine falsche Dichtung) sollte erledigt und dokumentiert sein. Viele Focus RS wurden leistungsgesteigert. Größere Ladeluftkühler sowie stand- festere Bremsen und Kühlung für die Hinterachs-Einheit sind sinnvolle Upgrades. Kritisch sind dagegen Lücken in der Service-Historie.

Bild: AUTO BILD/Toni Bader
Das wird teuer: Der GKN-Twinster-Antrieb ermöglicht den berühmten Drift Mode. Vernachlässigte Ölwechsel oder Defekte an Kupplungen und Steuerung der "Rear Drive Unit" können zum teuren Problem werden: Bis zu 7000 Euro kostet der Tausch mit Einbau.
Honda Civic Type R (5. Gen.): der GT3 der Kompaktklasse
- Bauzeitraum: 2017 bis 2022
- Leistung: 320 PS
- Preis: ab 26.000 Euro
Schon optisch ist der Civic Type R ein Außenseiter. Und gerade wegen des grenzwertigen Looks mit großem Heckspoiler wird der Japaner bis heute verkannt – bis man das erste Mal hinter dem Steuer sitzt. Sein ganzes Potenzial offenbart der extrem präzise Civic aber erst auf der Rennstrecke. Dort war und ist der Type R die Offenbarung der Kompaktklasse. Doch auch den Alltag bewältigt der 320-PS-Fronttriebler ordentlich, solange einem die Sportsitze nicht zu eng anliegen. Und die vermutlich aufregendste Handschaltung (Automatikversion gab es nie) im gesamten Segment.

Bild: AUTO BILD/Olaf Itrich
Schwachstellen: Der K20C1 gilt als sehr standfest. Eher beschäftigen Besitzer hakelige Gangwechsel vom ersten in den zweiten Gang. Auf Trackdays geraten Kühl- und Bremssystem an ihre Grenzen. Auch die Kupplung leidet unter häufigen Rennstreckeneinsätzen oder Leistungssteigerungen.

Bild: AUTO BILD/Olaf Itrich
Das wird teuer: Muss einer der adaptiven Dämpfer (Serie) getauscht werden, wird es schnell vierstellig. Deshalb vor dem Kauf kontrollieren, inklusive fehlerfreier Regelung.
Mercedes-AMG A 45 (1. Gen.): Geladen bis zum Anschlag
- Bauzeitraum: 2015 bis 2018
- Leistung: 381 PS
- Preise: ab 24.000 Euro
Doch, Hubraum ist sehr wohl durch Ladedruck ersetzbar, dachte man sich bei AMG und presste aus zwei Litern Hubraum rekordverdächtige 381 PS. Dazu ein zackig schaltendes Doppelkupplungsgetriebe und ein ziemlich gekonnt abgestimmtes Fahrwerk. Letzteres ist beim schweren und kopflastigen Mini-AMG auch notwendig. Umso beeindruckender, wie ambitioniert und gleichzeitig gelassen der kompakte Sport-Benz durch die Kurven geht.

Bild: AUTO BILD Ton i Bader
Schwachstellen: Der M133 gilt als erstaunlich standfest. Beim 381-PS-Facelift spielen die Turboprobleme früherer 360-PS-Modelle kaum noch eine Rolle. Bekannte Schwachpunkte sind eher Undichtigkeiten an Thermostat- und Ölfiltergehäuse.

Bild: AUTO BILD/Toni Bader
Das wird teuer: Das AMG-Speedshift-DCT gilt als robust, sollte aber sauber schalten. Vernachlässigte Wartung oder exzessive Launch-Control-Starts? Überholungen starten ab 3000 Euro.
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