Strengere Exportvorschriften könnten ältere Gebrauchtwagen mittelfristig schwer verkäuflich machen. Aktuell plant die EU, die europaweit gültige Altfahrzeugrichtlinie zu überarbeiten. Diese sieht vor, Autos als Abfall einzustufen, wenn die Reparaturkosten den Fahrzeugwert überschreiten oder eine Reparatur als unmöglich anzusehen ist. Oldtimer sollen davon ausgenommen werden.
Ein Sargnagel für den Restwert von besonders außerhalb der EU gefragten, preiswerten Gebrauchten könnte ein Vorstoß der Grünen sein: Der irische Parlamentarier Ciarán Cuffe fordert, dass künftig ein EU-Exportverbot für Fahrzeuge greifen soll, die als nicht verkehrstauglich gelten und eine schlechtere Abgasnorm als Euro 5 haben. (Alle Infos: Verbrenner-Aus 2025 vom Tisch!) Ob das Verschrotten ökologisch sinnvoller sei als eine Weiternutzung in Schwellen- oder Entwicklungsländern mit schwächerer Kaufkraft, konnte die zuständige Sprecherin der Grünen nicht beantworten.
Hinweis
Gebrauchte mit Garantie im AUTO BILD-Gebrauchtwagenmarkt
Simon Schütz, Sprecher des Verbands der Automobilindustrie (VDA), betonte, der Entwurf solle keine neuen Hürden für die Ausfuhr von Gebrauchtfahrzeugen errichten. Zentrales Thema sei, die illegale Ausfuhr von Altfahrzeugen zu verhindern. Dies könne durch eine bessere Rückverfolgbarkeit und klarere Abgrenzungskriterien gelingen. Gegen den Export älterer Gebrauchter spricht sich der VDA nicht grundsätzlich aus. Ein Austausch alter Fahrzeuge durch neuere Modelle sei ökologisch sinnvoller als sie zu verschrotten. Professor Ferdinand Dudenhöffer vom CAR Center Automotive Research merkt kritisch an: "Die Umweltbemühungen der EU sind ehrenwert, doch sie verkennen klar die wirtschaftliche Realität in weiten Teilen Afrikas."
Altautos  droht ein Exportverbot - Golf 4 beim Autohändler
Etliche Gebrauchtwagen aus den frühen 2000ern sind langlebig, viele werden nach Afrika exportiert.

Exporteure fühlen sich in ihrer Existenz bedroht

Die Verkaufschancen für ältere Fahrzeuge mit veralteten Abgasnormen dürften sich zudem bei einem Aus für viele Aufkäufer und Exporteure deutlich verschlechtern. Teile der Auto-Exportbranche sehen sich durch strenge Brüsseler Exportauflagen sogar in ihrer Existenz bedroht. Der Geschäftsführer einer Hamburger Hafenspedition zeigt sich alarmiert: "Solch eine Regelung wäre für unsere Branche katastrophal." Wirtschaftliche Totalschäden dürften nicht ausgeführt werden, obwohl die Fahrzeuge funktionstüchtig seien und hierzulande nur hohe Lohnkosten eine Reparatur verhinderten. Bei aktuell in Afrika stark gefragten Fahrzeugen wie Kleinwagen aus Japan oder Korea reichten dafür schon "zwei verbeulte Türen". Siegfried Kohl von der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) weist auf die weiter fehlende Abgrenzung von Gebraucht- und Altfahrzeugen im Gesetz hin.

"Dann kommen die Autos aus China oder den USA"

2020 wurden laut Destatis aus Deutschland 341.560 Pkw und 37.170 Lkw in andere europäische Länder ausgeführt. Nach Afrika gingen 89.006 Pkw und 71.387 Lkw. Die Hauptzielländer sind Benin, Libyen, Ghana und Nigeria. Und wenn tatsächlich ein Exportstopp für Altfahrzeuge kommt? "Dann halten andere Länder Afrika mobil, die Fahrzeuge kommen dann aus den USA oder aus China", ist sich der Hamburger Spediteur sicher.