Gebrauchtwagen-Test Honda CR-V II
Gute Wahl

Dieser Japaner ist eigentlich keiner, denn er wurde in England gebaut. Dennoch ist er auch als Gebrauchter ein Japaner im besten Sinne. Der von Honda konstruierte Turbodiesel ist kraftvoll, sparsam und überraschend kultiviert.
- Martin Braun
Glauben Sie uns bitte: Wir haben keinerlei Freude daran, an dieser Stelle immer und immer wieder über den Niedergang der Qualität von heutigen Autos zu berichten. Pannen, Defekte, Ärger – all das sollten uns heutige Autos eigentlich ersparen. In Wahrheit machen nicht selten die teuren Fahrzeuge selbsternannter Premiummarken besonders viel Ärger. Umso erfreulicher, wenn wir mal wieder über ein zuverlässiges, problemloses, langlebiges Auto berichten können. Die zweite Generation des Honda CR-V gehört mit Sicherheit dazu. Das CReational-Vehicle (engl. für Freizeit-Fahrzeug) kam 1995 als geräumigere Antwort auf den gut ein Jahr älteren Toyota RAV4 – Japaner unter sich, könnte man sagen. Die zweite Generation des Honda CR-V wies mehrere Besonderheiten auf: mehr Platz, mehr Komfort, erstmals einen Diesel als Motorenalternative sowie die Produktion der Europaversion in Großbritannien.
Egal ob Motor, Getriebe, Generator, Anlasser, Elektrik – alles hält

Bild: Toni Bader
Tür-Tücken: Die zweiteilige Heckklappe hat ihre Eigenheiten

Bild: Toni Bader
Eine echte Schwachstelle ist der Honda-eigene Allradantrieb. Er hat auch Vorteile, denn sein rein mechanisch-hydraulisch arbeitendes System für die Kraftzuteilung an der Hinterachse kommt komplett ohne im Alter womöglich störanfällige Elektrik und Elektronik aus. Allerdings teilt er in Extremsituationen wie Tiefschnee oder im Gelände den sekundär angetriebenen Hinterrädern einfach zu wenig Kraft zu. Ergebnis in der Praxis: Die Vorderräder neigen zum Durchdrehen, die Hinterräder helfen zu wenig mit, der CR-V steckt fest, wo die Konkurrenz mit anders konstruierten Allradantrieben noch anfahren kann. Für einen Winterurlaub in den tief verschneiten Alpen reicht es wohl – auch dank genug Bodenfreiheit. Man sollte jedoch zurückhaltend sein, wenn am Liftparkplatz eine freie Stellfläche an entlegener Position im Tiefschnee lockt, wo ein entschlossen zupackender Allradantrieb gefragt ist.
Zu schwächlich: Die Anhängelast ist dürftig

Bild: Toni Bader
Ein ähnlich gutes Ergebnis erzielen auch die Honda-Werkstätten. Sensationelle 95 Prozent der CR-V-Besitzer sind mit der Arbeitsleistung der Vertragshändler zufrieden, nicht einmal drei Prozent haben etwas auszusetzen. Als Rechnungsbetrag für eine große Inspektion werden durchschnittlich 350 Euro genannt. Die Zufriedenheit mit Marke und Fahrzeugtyp lässt sich auch am Kaufverhalten festmachen. Bereits vor dem jetzigen CR-V fuhren 38 Prozent einen Honda. Umsteiger kamen zumeist von deutschen Marken wie VW (16 Prozent), Mercedes (9 Prozent), BMW (8 Prozent) und Opel (7 Prozent). Insgesamt 28 Prozent besaßen bereits zuvor ein Allradfahrzeug. Viel Markentreue lässt sich auch bei der Frage nach der Wahl des nächsten Fahrzeugs ablesen. Immerhin 43 Prozent wollen später auf den nun aktuellen CR-V III umsteigen. Weitere 5 Prozent bleiben ebenfalls bei Honda, wollen aber dann einen kleineren Pkw. Satte 34 Prozent sind noch völlig unentschlossen. Und die restlichen 18 Prozent? Auch über die sollte sich Honda Gedanken machen. Denn die haben bereits entschieden, die Marke zu wechseln. Und hier lockt offensichtlich ein ganz neues Auto in dieser Klasse, ein deutsches: der Tiguan von Volkswagen.
Schwachstellen/ Zuverlässigkeit

Bild: Toni Bader
Reparaturkosten: halten sich in Grenzen
Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines CR-V 2.0 Schaltgetriebe, Baujahr 2003. Keine großen Auffälligkeiten. Ausnahmen: Anlasser und Wasserpumpe fallen besonders preisgünstig aus. Für den Benzinmotor gibt es Block und Kopf einzeln.
Technik: Antrieb, Aufbauweise, Verbrauch, Höchstgeschwindigkeit

Bild: Toni Bader
Urteil von AUTO BILD-Allrad-Experte Martin Braun
Ein Traumauto für unbedarfte Gebrauchtkäufer. Den geräumigen CR-V können auch technische Laien als Gebrauchten wählen – fast ohne Risiko, selbst beim Diesel. Einfach nur Bremsen und Kupplung prüfen, dann zuschlagen. Nur der wenig wirksame Allradantrieb und die geringe Anhängelast (1500 kg) dürfen nicht stören.
Service-Links