Genesis GV60 AWD: Test
Premium-Kompakter im Test: Wie gut ist der Genesis GV60 AWD?

Hübsch verpackt und potent motorisiert, versteht sich der Genesis GV60 als Kompakter für Feinschmecker. Was er Premium-Kunden bieten kann, klärt der AUTO BILD-Test.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Wenn es morgens auf dem Weg zur Arbeit "Aber bitte mit Sahne" trällert, macht das im GV60 besonders viel Spaß. Denn erstens schallt Udo hier aus einer überaus kräftigen Bang-&-Olufsen-Anlage mit 17 Lautsprechern, die gerade bei älteren Live-Alben zu überzeugen weiß.
Zweitens strahlt der Genesis – ebenfalls wie Udo – kiloweise altmodische Klasse aus. Wir erklären Ihnen mal, was wir meinen: Er ist schon ein pfundiger Kerl, der GV60. In Zeiten von Simplifizierung und Kostenoptimierung haben seine Macher erfrischend wenig Gleichteile, dafür aber umso mehr neue Ideen implementiert.

Herausragend: In Sachen Materialauswahl und Verarbeitung zeigt sich der GV60 piekfein. Nur an den Seitenwänden des Kofferraums gibt es Hartplastik.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dazu zählen zum Beispiel die Kristallkugel, die sich beim Einschalten der Zündung in einen Gangwahlschalter verwandelt, sowie die Spiegelverstellung im Türgriff. Vor allem aber stechen Materialauswahl und Verarbeitung positiv hervor. Ob Nähte in Nappaleder, Türtafeln oder Zierleisten – alles wirkt piekfein verarbeitet und bombenfest montiert. Ausnahme: Hartplastik an den Seitenwänden des 432 Liter großen Kofferraums.

Nicht wirklich sinnvoll: Die Navikarte lässt sich auch quer über den gesamten 27-Zoll-Screen legen – die eigene Position ist dann aber schwer zu finden.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Gimmickhafte Features wie das durchgängige 27-Zoll-Display überzeugen nicht wirklich mit echtem Mehrwert. Letzteres ermöglicht zwar, die Navi-Karte quer über den gesamten Screen zu legen, man findet die eigene Position dann aber nicht hinter dem Lenkrad, sondern irgendwo in der Mitte wieder, was irritieren kann. Auch der 3D-Showroom, in dem der GV60 in all seiner Funktionsvielfalt aus allen Richtungen bewundert werden kann, gehört für uns eher in Mark Zuckerbergs Metaverse.
Fahrzeugdaten
Modell | Genesis GV60 AWD |
|---|---|
Motor | zwei E-Motoren, vorn/hinten |
Leistung | 234 kW (318 PS) |
max. Drehmoment | 605 Nm |
Getriebe | 1-Gang-Getriebe |
0-100 km/h* | 5,5 s |
Vmax | 200 km/h |
Testverbrauch | 26,1 kWh/100 km |
Test-CO2 | 0 g/km |
Akkugröße | 85 kWh (brutto) |
Ladeleistung AC/DC | 11/240 kW |
Länge/Breite/Höhe | 4545/1890-2150**/1580 mm |
Radstand | 2900 mm |
Sitzhöhe | 620 mm |
Kofferraumvolumen | 432 l |
Leergewicht | 2163 kg |
Zuladung | 467 kg |
Anhängelast | 750/1600 kg |
Garantie | 5 Jahre |
Preis | ab 64.580 Euro |
Praktisch: Der GV60 kann auch mit dem sogenannten Digital Key entriegelt werden. Er funktioniert per Ultrabreitband und ist im Grunde nichts anderes als Keyless Go per Handy – oder per Smartwatch. Annäherung entriegelt die Türen auch ohne physischen Schlüssel.
Mittlere Motorenvariante mit viel Kraft
Die drei unterschiedlichen Ausstattungsvarianten sind beim GV60 an drei verschiedene Motorisierungen gekoppelt. Wir fahren die mittlere. So mobilisiert der Genesis bis zu 318 PS – 218 hinten, 100 vorne – und 605 Newtonmeter.

Absolut ausreichend: Mit 318 PS beschleunigt die mittlere von drei Motorenvarianten den GV60 in 5,5 Sekunden auf Tempo 100.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Auf der Straße verhält sich der Genesis druckvoll und unaufgeregt, beschleunigt in 5,5 Sekunden auf Tempo 100 und rennt immerhin 200 km/h. Die Ladeperformance ist über jeden Zweifel erhaben, der GV60 lädt mit bis zu 240 kW. So ist der Akku in 18 Minuten wieder von 10 auf 80 Prozent gefüllt. Noch bei winterlichen Temperaturen gemessene 26,1 kWh auf 100 Kilometer (inklusive Ladeverlusten) ergeben 370 Kilometer Testreichweite (84-kWh-Akku). Ein One-Pedal-Modus ist verfügbar.

Etwas zu straff: Der GV60 federt etwas störrisch an, ist selbst auf glattem Asphalt etwas zittrig. Und die Lenkung ist recht gefühllos.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Kleine Abstriche muss man beim Fahrwerk machen – der straff abgestimmte GV60 federt etwas störrisch an, zeigt sich selbst auf glattem Asphalt ein wenig zittrig und bringt eine recht gefühllose Lenkung mit. Dazu sorgt der 2,90 Meter lange Radstand zwar für Fahrstabilität, aber mit zwölf Meter Wendekreis auch für Sperrigkeit.
Preisliste beginnt bei 64.580 Euro
Ab 64.580 Euro kostet der GV60 in der getesteten Variante, also mit mittelgroßem Antrieb und mittelguter Ausstattung. Dazu lassen sich Extras vor allem in Form einiger Pakete ergänzen. Damit kostet der GV60 etwas über Mercedes-CLA-Niveau, allerdings mit mehr Serienausstattung.

Für unseren Testwagen mit mittelguter Ausstattung verlangt Genesis mindestens 64.580 Euro – inklusive Garantie und Wartung für fünf Jahre.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Auch die weiteren Leistungen fallen deutlich großzügiger aus als bei der deutschen Konkurrenz. Genesis bietet Garantie und Wartung für fünf Jahre (Letztere nur bis 75.000 km) ohne Aufpreis, inklusive Hol-und-Bring-Service.
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