Getunte Kompakte im Test
Drei wie der Wind

Dieses kompakte Trio entfacht kein laues Lüftchen, sondern Begeisterungsstürme. Optisch meilenweit voneinander entfernt, sind die getunten Golf, Octavia und Leon blutsverwandt – alle bedienen sich desselben Motors.
- Ben Arnold
Der Titel "Engine of the year 2007" kommt nicht von ungefähr: 639.587 Skoda, Seat, Audi und VW mit dem 2004 eingeführten Zweiliter-Turbo-Aggregat sind inzwischen auf den Straßen unterwegs. Die Flexibilität des Aggregats scheint grenzenlos, bieten die Hersteller den Motor doch in Leistungsstufen von 170 bis 265 PS an. Auch die Veredler tragen zur Vielfalt bei: Der fränkische Tuner Ascari macht aus den 200 PS des Octavia 235. Rieger holt aus identischem Aggregat 270 PS heraus – auf Basis des Golf GTI. JE Design sattelt auf die üppigen 240 Serien-PS im Leon Cupra 45 Extra-PS drauf. JE und Ascari gehen einen ähnlichen Weg: Sie erzielen ihre Mehrleistung über eine Optimierung der Elektronik. Rieger muss für seine 70 Zusatz-PS tiefer in die Trickkiste greifen. Er installiert eine aufwendige Auspuffanlage mit Krümmerrohr und Sportkat sowie eine BMC-Carbon-Airbox. Leider sind nicht alle Komponenten vom TÜV abgesegnet. Würde man alle drei Fahrzeuge Probe hören, käme man niemals auf die Idee, für dieses mannigfaltige Klangspektrum könnte ein und derselbe Motor verantwortlich sein.
Der Ascari-Octavia klingt wie ein kreuzbraver 120-PS-Hobel

Bild: T.Bader

Bild: T.Bader
Rieger lässt Tür Tür sein, ansonsten aber nichts anbrennen. Mehrteilige Anbauten und elegantes Radwerk künden vom Performance-Plus. Ein Rennsportfahrwerk ersetzt die Serienlösung. Metallstützlager und negativer Sturz optimieren die Straßenlage. An den Alltagsbetrieb hat der Tuner offensichtlich keinen Gedanken verschwendet. Zu hart, zu hypersensibel ist das Auto abgestimmt. Jede Querrille, jede Bodenwelle erzeugt massive Unruhe. Zudem schleift eine falsch montierte Fahrwerksschraube im Motorraum bei jedem Einfedern an der Karosserie. Die montierten Semi-Slicks versagen bei Nässe, bieten bei trockenem Asphalt aber grandiose Traktion – so sie denn warm sind. Der Seat macht auf der Straße eine bessere Figur: Das neue KW-Gewindefahrwerk namens "Street Comfort" verspricht nicht zu viel: Das Auto federt wegen des reduzierten Verstellbereichs (maximal 45 Millimeter) um Welten besser als der Rieger-Golf. Lediglich Spurrillen mag der Leon nicht.
Zu großer Form im täglichen Verkehr läuft der Skoda auf. Mit ihm reist man auch auf langen Etappen entspannt. Weder beim Komfort noch beim Geradeauslauf gibt er sich eine Blöße. Viel mehr überrascht, dass der Skoda auch auf der Rennstrecke nicht einknickt: Die Bremse, deren Papierform alles andere als überragend ist (siehe Messwerte), begeistert mit exaktem Druckpunkt und Standfestigkeit. Die Fahrwerksabstimmung gefällt: Auf Lastwechsel reagiert der Skoda verbindlich, hilft dem Fahrer bei deaktiviertem ESP mit sachtem Heckschwenk auf den richtigen Weg. Auch Rieger und JE Design legen diesen Charakterzug an den Tag.
Am Seat von JE Design kommen die Konkurrenten nicht vorbei
Den Golf trennen vom Skoda Welten. In der Motorsport Arena Oschersleben zahlen sich Extremfahrwerk und Sportreifen aus. Resultat: Bestzeit und ein Fahrverhalten jenseits von Gut und Böse. Das Einlenkverhalten ist bestechend, die Straßenhaftung phänomenal und das Fahrverhalten sehr lange neutral. Die Bremse funktioniert ähnlich gut wie beim Skoda. Der Seat kann mit dem Überflieger von Rieger nicht mithalten, schlägt sich aber tapfer: Das Auto fährt sich narrensicher und lenkt spontan ein. Leider stößt die Serienbremse an ihre Grenzen und Traktionsprobleme kosten wertvolle Zehntelsekunden. Trotzdem geht der Seat aus unserem 2.0-TFSI-Vergleich als Sieger hervor. Der famose Turbomotor wird auch weiterhin im Gespräch bleiben – der VW-Konzern plant sowohl eine 300-PS-Variante als auch eine Hybridlösung.
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