Fahrbericht Halcón Falcarto

Halcón Falcarto: Exklusiv-Test

Ein Exot für die besonderen Momente

Der Halcón Falcarto feierte 2015 auf der IAA Premiere. AUTO BILD SPORTSCARS ist endlich einen Prototyp gefahren – und ist beeindruckt!
Man kann sich sicher malerischere Orte der Inspiration für den Bau eines eigenen Sportwagens vorstellen als die Bankenmetropole Frankfurt am Main: Stellen wir uns also lieber vor, Halcón SuperSport-Gründer Rick Damm sei die Eingebung zum Bau seines Falcarto hinter dem Ortsausgangsschild gekommen. Vielleicht auf der unlimitierten A5 in Richtung Darmstadt, während vor ihm ein Airbus im Landeanflug zum Greifen nah über die achtspurige Autobahn geschwebt kam? Oder auf den gewundenen Landstraßen des nahen Taunus? Es würde irgendwie besser zu dem Exoten passen, den wir als erstes Fachmagazin selbst fahren durften.

Die technische Basis liefert der Nissan 370Z

Fette Pellen: Die riesig wirkenden 21-Zoll-Räder scheinen die Radhäuser des Falcarto zu sprengen.

Der Name Falcarto lehnt sich an das englische Wort Falcon (Falke) an. Klingt etwas sperrig, passt aber zum Auftritt: Die grimmig dreinblickenden, schlitzartigen Scheinwerfer und der schnabelartige Lufteinlass in der Frontmaske des Halcón wecken auf den ersten Blick tatsächlich Assoziationen an einen Greifvogel. Das seitliche Profil erinnert dagegen an ein überbereiftes Matchbox-Modell: Die riesig wirkenden 21-Zoll-Räder scheinen die Radhäuser förmlich zu sprengen, während die kompakte Coupé-Silhouette mit flach abfallender Dachlinie die technische Basis, den Nissan 370Z, verrät. Britische Designanleihen wiederum am Heck, das mit seinen hoch positionierten Leuchten verdächtig an einen Aston Martin V8 Vantage erinnert. Die schwarzen, von einem Carbondiffusor eingerahmten Auspuffblenden kennen wir dagegen vom Mercedes-AMG A 45. So richtig in sich stimmig wirkt das Design zwar nicht, zieht dafür aber jede Menge neugierige Blicke auf sich.

Auf Kundenwunsch wären bis zu 700 PS möglich

Starker Muskel: Den V6 des Technikspenders 370Z hat Halcón auf 528 PS und 645 Nm aufgeblasen.

Bislang ist der Falcarto ein Prototyp, der noch einigen Feinschliff bis zur endgültigen Serienreife benötigt. 50 Exemplare (jeweils 25 Coupés und 25 Cabrios) will Halcón weltweit verkaufen. Der Preis: 380.000 Euro in Vollausstattung. Heftig, aber die komplette Karosserie besteht aus Kohlefaser, die der Hersteller mit sehr hohem Aufwand selbst fertigt. In der Tat wirken die klarlackierten Carbonteile penibel verarbeitet, und die Spaltmaße der Karosserie verlaufen sauber. Dass es zum zehnfachen Preis des Basisfahrzeugs nicht nur ein neues Kleid, sondern auch eine weitreichend veränderte Antriebstechnik gibt, darf selbstredend erwartet werden. So erhält der V6-Sauger des 370Z zwei Turbolader und eine Hubraumerweiterung mit geänderten Zylinderlaufbuchsen, Pleueln und Schmiedekolben; auch die Zylinderköpfe wurden optimiert. So sollen auf Kundenwunsch bis zu 700 PS möglich sein, die auf das verstärkte Sechsgang-Handschaltgetriebe einwirken. In der aktuellen Abstimmung weist das Leistungsdiagramm des Prototyps kerngesunde 528 PS und 645 Nm Drehmoment nach.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Den Innenraum wertet Halcón mit allerhand Leder, Alcantara und Carbonblenden aus der eigenen Fertigung auf. Auffällig: die riesigen Lautsprecher der Audioanlage hinter den Sitzen. Trotz der aufwendigen und bis ins kleinste Detail hochwertigen Veredelung bleiben Design und das in der Höhe beengte Raumgefühl aber weitestgehend identisch mit der Basis Nissan 370Z. Das aufgepolsterte Lenkrad und der kühle Aluschaltknauf versprechen dafür schon im Stand handfesten Fahrspaß.

Das Auto macht einen rundum soliden Eindruck

Ordentlich unterwegs: Das Vorserienmodell wirkt für den Einsatz auf normalen Straßen harmonisch abgeschmeckt.

Per Startknopf erwacht der Biturbo, um sofort in einen sonor brabbelnden Leerlauf zu verfallen. Die stramme Kupplung rückt präzise ein, und der Falcarto rollt gutmütig auf seine ersten Erkundungskilometer entlang des Chiemsees. Straff, aber nicht unkomfortabel agiert das speziell abgestimmte KW-Fahrwerk und erweckt im Schulterschluss mit der straffen, zielgenauen Lenkung ein angenehmes Gefühl von Überdimensioniertheit und Solidität. Knarzen oder Knackgeräusche bleiben auch auf groben Unebenheiten aus. Der V6 befeuert mit klassischem Turbocharakter und dennoch ordentlichem Schub schon aus dem Drehzahlkeller: Erst Hubraumschmalz, dann anschwellender Ladereinsatz ab 3500/min, dessen Druck bis über 6000 Touren anhält. Ein echtes Urviech, das mit jedem Gaslupfer herrlich durch sein Blow-off-Ventil schnaubt. Unterlegt vom rauen Fauchen des V6, entsteht eine aufreizend voluminöse Akustik, die sonor, aber nie aufdringlich klingt. Dazu passt die manuelle Schaltung, deren Führung nur bei sehr schnellen Schaltvorgängen noch präziser sein dürfte, um nicht ungewollt zwischen zweitem und drittem Gang zu stochern. Die Überbereifung in 21 Zoll mit 325er-Contis an der Hinterachse bestimmt das Kurvengefühl: Traktionsprobleme kennt der Kraftprotz dank seiner enormen Heckwalzen nicht. Auch bei hartem Gaseinsatz bleibt die Hinterhand am Kurvenausgang unbeirrt in der Spur.
Die Rotora-Bremsen verzögern auf den Punkt und mit gutem Pedalgefühl. Gemessen an seiner Ausrichtung als Ausflugssportler und Café-Racer wirkt das Vorserienexemplar für den Einsatz auf normalen Straßen bereits erstaunlich harmonisch abgeschmeckt. Ein Sportwagenexot für die besonderen Momente also, dem wir nach seiner endgültigen Fertigstellung auf abgesperrter Strecke einmal richtig auf den Zahn fühlen werden.

Fahrzeugdaten* Halcón Falcarto
Motorbauart V6
Aufladung/Ladedruck Biturbo/1,05 bar
Einbaulage vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4
Hubraum 3799 cm³
Bohrung x Hub 95,5 x 88,4 mm
Verdichtung 10,0:1
Leistung kW (PS) b. 1/min 388 (528)/6350
Literleistung 139 PS/l
Drehmoment Nm b. 1/min 645/4860
Antrieb Hinterrad
Getriebe 6-Gang manuell
Bremsen vorn 380 mm/innenbel./gelocht
Bremsen hinten 380 mm/innenbel./gelocht
Bremsscheibenmaterial Stahl
Radgröße vorn – hinten 10 x 21 – 12 x 21
Reifengröße vorn – hinten 265/30 R 21 – 325/25 R 21
Reifentyp Continental Sport Contact 5P
Länge/Breite/Höhe 4420/2040/1230 mm
Radstand 2550 mm
Leergewicht 1590 kg (trocken)
Leistungsgewicht 3,0 kg/PS (trocken)
Tankvolumen 72 l
Beschleunigung 0-100 km/h 3,6 s
Beschleunigung 0-200 km/h 11,8 s
Vmax 300 km/h (abgeregelt)
ECE-Normverbrauch
Ø auf 100 km 12,5 l Super Plus
Reichweite 580 km
Kofferraumvolumen 240 l
Grundpreis 380.000 Euro
*Herstellerangaben

Guido Komp

Fazit

Die günstige Nissan-Basis und der hohe Preis des Halcón scheinen auf den ersten Blick in eklatantem Missverhältnis zu stehen. Wer den Falcarto aber einmal im Detail betrachten und sein kerniges Fahrgefühl auf einer Landstraße auskosten durfte, dem geht der Frankfurter so schnell nicht mehr aus dem Kopf: Der Sound des urwüchsigen Turbo-V6 und die solide Fahrwerksarchitektur passen zum stämmigen Auftritt. Hut ab vor diesem ersten Entwurf!

Stichworte:

Supersportwagen

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