Handlingvergleich, Teil 2
Schlüsselerlebnis

Drei Acht- und ein Zehnzylinder kämpfen um den Titel des Handlingmeisters. Leistung satt und fein abgestimmte Fahrwerke sind gefragt. Und am Ende wird zusammengerechnet.
Jetzt kommt’s dick und gewaltig: Nach den vier eher kompakten Sportlern im ersten Teil des Handling-Vergleichs, bei denen sich der KTM X-Bow R gegen den Artega GT, Porsche Cayman R und BMW 1er M Coupé durchsetzen konnte, geht es jetzt mit vier Supersportlern ins Finale. Am Ende wird es eine Rangliste aller acht Teilnehmer geben, an deren Spitze nur einer stehen kann: der beste Handlingkünstler dieses Vergleichs. Das Prozedere: In insgesamt zehn Kriterien (Rundenzeit: 20 Prozent; Kurvengeschwindigkeit: fünf Prozent; Vmax auf der langen Geraden: fünf Prozent; Slalom: fünf Prozent; 0-100 km/h: fünf Prozent; Bremsweg: fünf Prozent; Antriebskonzept: 15 Prozent; Preis pro PS: fünf Prozent; Fahrgefühl: 20 Prozent und Faszination: 15 Prozent) werden Schulnoten ermittelt. Am Ende entscheidet die beste Durchschnittsnote über den Klassen- und schließlich über den Gesamtsieg.
Handlingvergleich, Teil 1: Die kompakten Sportler
Und diese vier Supersportler treten gegeneinander und das Quartett der letzten Ausgabe an: Der Audi R8 GT, einziger Allradler im Vergleich, setzt auf einen leistungsgesteigerten Motor (von 525 auf 560 PS), eine im Vergleich zum R8 von der Stange um 100 Kilogramm erleichterte Karosserie und (optionale) Semislicks (Pirelli P Zero Corsa). Rein optisch teilt er sich mit großem Flügel, (optionalem) Käfig, Feuerlöscher und Vierpunktgurten inklusive Rennschalen die stärkste Rennsportanmutung mit dem X-Bow R von KTM.
Alle vier Boliden klingen phänomenal gut

Dampfhammer: Der 6,2-Liter-V8 in der Corvette schiebt mit 819 Newtonmetern an.
Bild: Toni Bader
Mit 4,5 Litern kommt der Ferrari 458 Italia mit dem kleinsten Brennraum aus und entwickelt sein Leistungsmaximum von 570 PS bei hohen 9000 Touren. So wie das klingt, fühlt sich das auch an: vehementer Schub und ein Mördersound, der bei geöffneter Auspuffklappe kurz stutzig macht. Wie schaffte der 458 Italia nur die Zulassungbestimmungen? Das alphabetische Schlusslicht bildet der Mercedes SLS AMG. Letztes Jahr zum Gewinner des Handlingvergleichs gekürt, muss sich der Benz mit dem 6,2-Liter-Saugmotor und den aufreizenden Flügeltüren abermals dem Vergleich stellen. Sein V8-Saugmotor entwickelt neben 571 PS Auspuffgeräusche zum Niederknien – aber das lässt sich wirklich über jeden dieser vier Boliden sagen und ist zudem eine Geschmacksfrage.
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Rassige Sportler: Ferrari und Audi setzen auf Mittelmotor. Das Gewicht ist bei beiden leicht hecklastig verteilt.
Bild: Toni Bader
Nimmt man im R8 GT Platz, fühlt man sich schnell wie im Rennauto. Enge Schalen, Vierpunktgurte und zentraler Ausschalter in der Mittelkonsole prägen die Atmosphäre, man sitzt sportlich tief, die Schaltpaddel des sequenziellen Sechsganggetriebes sind gut erreichbar. Auch in der Corvette sitzt man tief, aber die Schalensitze sind sehr weit und bieten wenig Seitenhalt, die Schaltung liegt nicht optimal. Vereinzelte Teile aus Sichtkarbon überstrahlen ein wenig die nicht sehr hochwertig wirkende Plastik-Instrumentenlandschaft – der Corvette fehlt es innen an Flair. Davon hat der Ferrari 458 Italia mehr als genug, allein der Blick auf den großen, mittig platzierten Drehzahlmesser macht Appetit auf schnelle Runden. Sitze und Sitzposition sind hervorragend, die Bedienung von Blinker oder Scheibenwischer (beides im Lenkrad) ist nur kurz gewöhnungsbedürftig.
Der SLS AMG leidet unter seinem hohen Gewicht

Trotz Übergewichts ist der Mercedes SLS AMG ein faszinierender Sportwagen. Sein V8-Sound ist betörend.
Bild: Toni Bader
Dennoch: Der Gewinner des Vorjahres ist ein durch und durch faszinierendes Auto, das allein schon durch seinen Auftritt begeistert (aber das tun die anderen drei natürlich auch), das hervorragend verarbeitet ist und sich im Rahmen der jeweiligen fahrerischen Möglichkeiten leicht und sicher sehr schnell fahren lässt. Wer die Fahrhilfen deaktiviert und auf letzter Rille einen Lastwechsel provoziert, sollte schon wissen, was er tut. Denn dann entdeckt der stoische Langschnauzer blitzschnell, dass er auch mit dem Hintern wackeln kann, und keilt recht forsch aus. Doch Gründe, das fein regelnde ESP abzuschalten, gibt es auf öffentlichen Straßen ohnehin nicht.
Den Slalomkurs beherrscht der Audi wie kein Zweiter
Mit Transaxle-Antrieb und grob ähnlichen Proportionen ist die ZR1 die nächste Verwandte des SLS in diesem Vergleich. Doch aus anderem Holz. Das beginnt bei der sperrigen und unglücklich positionierten Handschaltung und zeigt sich auch an den viel zu breiten Sitzen und der gefühllosen Lenkung: Die Corvette verlangt Kompromisse und ist ergonomisch nicht auf der Höhe. Doch dann tritt man das Biest, ist hin und weg von diesem Motor, der provozierend locker seine 647 PS in Beschleunigung – und einen feinen, harten und runden V8-Sound – umsetzt, und hat subjektiv das Gefühl, von 0 auf 100 müsste die ZR1 die Schnellste sein (sie ist die Langsamste), aber falsch: Sie erreicht die höchsten Kurvengeschwindigkeiten, umrundet den Slalom als Zweite und setzt sich ebenfalls auf Platz 2 bei der Rundenzeit. Dieses Ding ist kein Poser, sondern ein irre schnelles und oft maßlos unterschätztes Sportgerät, in dem sich mancher auf Anhieb zurechtfindet, während andere etwas Zeit brauchen, um sich dem Wesen der Corvette anzupassen.

Den R8 GT gibt es nur mit sequenzieller Sechsgangschaltung. Die Sportschalen kosten Aufpreis.
Bild: Toni Bader
Erster Fahrbericht: So fährt der neue Porsche 911

Der Ferrari-V8 produziert 570 PS bei 9000 Touren – und einen Mördersound.
Bild: Toni Bader
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