Wenn die Tage länger und die Röcke kürzer werden, wenn die Luft beginnt zu flimmern und sich die Straßencafés in den Städten füllen, dann hebt das nicht nur den Hormonspiegel, sondern auch die Lust zu konsumieren. Das gilt auch für den Autokauf, für den es nach einem müden Jahr 2007 offenbar großen Nachholbedarf gibt. Zumindest lassen das die Zahlen für den Monat April vermuten, in dem sagenhafte 20 Prozent mehr Pkw neu zugelassen wurden als im selben Zeitraum des Vorjahres. Selbst wenn man die ersten vier Monate des Jahres zusammenrechnet, ergibt sich im Vergleich zu 2007 immer noch ein sattes Plus von 7,3 Prozent.
Was ist los in Auto-Deutschland? Haben die Leute plötzlich wieder Lust auf neues Blech? Ist die Unsicherheit der vergangenen Monate verflogen? Die Angst vor weiteren Öko-Restriktionen, vor den wild galoppierenden Kraftstoffkosten? Um etwas über die Stimmungslage zu erfahren, hat AUTO BILD sich auf der Straße willkürlich Autofahrer herausgepickt und nach ihren Kaufabsichten befragt (Antworten siehe unten oder in AUTO BILD 21/2008). Auch wenn die kleine Blitzumfrage natürlich nicht repräsentativ ist, so spiegelt sie doch in gewisser Weise die Straßen-Lage der Nation wider: Von Konsummüdigkeit oder gar Desinteressse am Auto war jedenfalls nichts zu spüren. Die Menschen beschäftigen sich mit neuen Modellen, machen Pläne für den Fahrzeugkauf und betrachten ihr Auto in der Regel nicht als reinen Gebrauchsgegenstand. Liegt es womöglich an den vielen neuen Modellen, am überaus breiten Angebot neuer Autos, dass die Verkäufe jetzt in den Himmel schießen? "Man muss die Dinge nüchtern betrachten", sagt Ulrich Winzen, Chefanalyst beim Essener Marktforschungs- und Beratungsunternehmen R. L. Polk. "Knapp 15 Prozent erklären sich aus den zusätzlichen drei Arbeitstagen, die im April 2007 wegen Ostern fehlten. Die restlichen fünf Prozent Plus relativieren sich durch das extrem schlechte Ergebnis des Vorjahres." So seien die ersten fünf Monate 2007 noch von der Mehrwertsteuererhöhung stark negativ beeinflusst gewesen. "Wir kommen aus einem tiefen Tal", sagt Winzen. Zusammengefasst heißt das: Der Kirchenkalender und die Steuerpolitik sind Schuld an dem Plus – das im Grunde nicht anderes ist als eine Rückkehr zum normalen Niveau. Kein Grund zum Feiern also auf dem Binnenmarkt. Doch beim Verband der Automobilindustrie (VDA) knallen bereits die Sektkorken. Dank boomenden Exports liefen in den ersten vier Monaten des Jahres 580.000 Pkw von den Bändern der deutschen Hersteller - mehr als je zuvor. Dass bei so viel Licht auch Schatten ist, versteht sich von selbst. Dass aber der erfolgsverwöhnte Gigant Toyota in Deutschland nicht nur blass bleibt, sondern sogar ein fettes Minus von 21,1 Prozent einfährt, hätten viele Experten nicht erwartet. Ob es wohl am Hormonspiegel liegt?

Umfrage: Das sagen die Autofahrer

• Yanina Heuer (18), Fotografin, Mitsubishi Pajero: "Ich fahre zur Zeit den Wagen meiner Mutter, und der ist mir eigentlich viel zu groß. Ein eigenes neues Auto, zum Beispiel ein Mini, das wär schon nett!" • Dusica Stalisavljec (27), Jura-Studentin, Fiat Cinquecento, Bj. 1998: "Konkret plane ich keinen Autokauf. Aber wenn, dann würde ich mir auf jeden Fall ein deutsches Fabrikat holen – am liebsten ein Smart Cabrio." • Martin Glogner (40), Diplom-Kaufmann, Mini Cabrio, Bj. 2004: "Mein Mini Cabrio ist zwar ein tolles Auto, aber auch schon vier Jahre alt. Nun warte ich sehnlichst auf den BMW 1er in der Oben-Ohne-Version." • Hauke Nagel (31), Tischlermeister, BMW 525i Touring, Bj. 1996: "Ich brauche einen Wagen mit viel Platz. Der VW Bus ist ein zwar Klassiker, aber viel zu teuer. Vielleicht schaffe ich mir einen Ford Transit oder Renault Master an." • Ulrike Deutschkämer (43), Kauffrau, Ford Focus, und Bernd Deutschkämer (52), Geschäftsführer, Mercedes E-Klasse: "Der Neuwagenmarkt ist heute viel bunter und interessanter als vor ein paar Jahren. Unsere nächsten Autos könnten ein Audi A4 Cabrio und ein Mercedes CLS sein."