CO2 kann man weder sehen noch riechen. Trotzdem kommt uns das Gas in Zukunft teuer zu stehen. Schon 2009 droht die neue, CO2-basierte Kfz-Steuer. Leider wissen derzeit nicht mal die Politiker, wie teuer sie für den einzelnen Autofahrer wird. Dafür einigte sich die EU gerade auf einen richtig dicken Brocken: die CO2-Strafsteuer. Sie gilt ab 2012, wird in Stufen bis 2020 immer schärfer, muss von den Autoherstellern bezahlt werden. Berechnungsgrundlage ist der sogenannte Flotten-CO2-Ausstoß (alle zugelassenen Neuwagen/Jahr). Liegt der im Schnitt pro Auto über 120 Gramm, kassiert der Fiskus. Beispiel VW: derzeitiger Flotten-CO2-Ausstoß 166 Gramm. Dafür müsste VW einige Millarden Euro überweisen. Wollen wir an dieser Stelle wetten, wer die Zeche zahlen muss?
AUTO BILD beantwortet Fragen rund um die Strafteuer – und zeigt in der Bildergalerie die aktuelle Hitliste der CO2-Sparer! Typen, die wir uns in Zukunft noch leisten können.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum CO2-Ausstoß

CO2 Ausstoß
Giftiges Kuchenstück: 2004 gingen 13 Prozent der bundesweiten CO2-Emissionen auf die Kappe des Pkw-Verkehrs.
Bild: AUTOBILD
1. Wie verteilt sich der CO2-Ausstoß in Deutschland? Nur 13 Prozent des CO2-Ausstoßes kommen aus dem Auspuff unserer Autos. Den größten Teil – 43 Prozent – pusten Kraftwerke in die Luft. Die heimischen Heizungen steuern rund 20 Prozent zum Kuchen bei.
2. Sind die CO2-Abgase beim Einatmen schädlich? Bei den geringen Mengen, in denen CO2 aus dem Auspuff kommt, können wir Entwarnung geben. Gefährlich wird es erst, wenn sich mehr als fünf Prozent in der Atemluft sammeln. Das kann z. B. durch Gärprozesse in Weinkellern passieren.
3. Was ist CO2? Die Summenformel für Kohlenstoffdioxid, umgangssprachlich auch Kohlendioxid genannt. Die chemische Verbindung aus Kohlenstoff (C) und Sauerstoff (O) ist ein farb- und geruchloses Gas. Es entsteht bei der Verbrennung von Kohlenstoff und auch bei der Atmung.
Gas-Produzent Kuh
Da guckt Kuh: Unser liebes Milchvieh atmet jede Menge CO2 aus und pupst hinten auch noch Methangas in die Atmosphäre.
Bild: Andreas Lindlahr
4. Wo kommt CO2 zum Einsatz? Kohlenstoffdioxid wird auch absichtlich hergestellt, findet dann Anwendung in Feuerlöschern, als Kohlensäure in Getränken, als Kältemittel in Klimaanlagen, als Trockeneispellet in Strahlgeräten oder als Düngemittel in Gewächshäusern.
5. Wie hoch ist der Anteil von CO2 am Treibhauseffekt? Die schädlichsten Treibhausgase sind Wasserdampf, CO2, Methan und Ozon. Das CO2 liegt hier mit neun bis 26 Volumen-Prozent auf Platz zwei, gleich hinter dem Wasserdampf. CO2 zu verteufeln wäre aber falsch. Wir verdanken ihm eigentlich unser Leben. Entstanden ist es in grauer Vorzeit durch viele Vulkanausbrüche, die das CO2 in die Atmosphäre schleuderten. Nur durch CO2 und den sogenannten positiven Treibhauseffekt konnte sich die Erde erwärmen. Ohne CO2 hätten wir durchschnittlich minus 18 Grad Celsius auf der Erde. Bibber!
6. Wo entsteht Kohlenstoffdioxid? Der größte Anteil an Kohlenstoffdioxid in unserer Atmosphäre ist natürlichen Ursprungs, entsteht zum Beispiel bei einem Vulkanausbruch und bei der Atmung von Lebewesen. Atmen wir ein, sind etwa 0,03 Prozent CO2 in der Luft, beim Ausatmen sind es dann vier Prozent. Neben den Effekten auf die Temperatur ist CO2 für Pflanzen wichtig. Die bilden daraus zusammen mit Wasser und Licht durch die sogenannte Fotosynthese Biomasse in Form von Kohlehydraten (Glucose).

7. Wie kann ich den CO2-Ausstoß bei meinem alten Gebrauchtwagen berechnen? Wenn sie den Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometern für Ihren Wagen kennen, lässt sich der CO2-Ausstoß ganz einfach ausrechnen. Bei Benzinern wird der Verbrauch mit 23,69 multipliziert, für Diesel gilt der Multiplikator 26,58. Das Rechenbeispiel für ein Auto mit einem Benzinverbrauch von sieben Litern: 7,0 l/100 km multipliziert mit 23,69 ergeben einen CO2-Ausstoß von 166 g/km.
Kavalierstart? Macht Laune. Aber: Auch durch die Fahrweise lässt sich der CO2-Ausstoß verringern.
Kavalierstart? Macht Laune, klar. Aber: Auch durch die Fahrweise lässt sich der CO2-Ausstoß beeinflussen.
8. Gibt es einen Trick, den CO2-Ausstoß des eigenen Autos zu verringern? Ja, denn er hängt direkt vom Verbrauch ab und lässt sich durch Benzinsparen deutlich reduzieren. Das größte Einsparpotenzial bietet dabei eine angepasste Fahrweise. Wer vorausschauend fährt, auf hohe Drehzahlen verzichtet, reduziert so den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid um bis zu 30 Prozent. Einen Filter oder Katalysator, der den CO2-Ausstoß vermeidet oder CO2 auffängt und sammelt, gibt es leider nicht.
9. Welcher Antrieb erzeugt am wenigsten CO2? Der Elektroantrieb. Während der Fahrt versorgen Batterien den Elektromotor mit Energie. Dabei entstehen keine Abgase, also auch kein CO2. Allerdings müssen die Akkus an einer Steckdose geladen werden. Hier ist entscheidend, wie der Strom produziert wird. Kommt er aus Wind- oder Sonnenenergie, fährt das Elektroauto nicht nur sauber, sondern rein.
Vulkan in Chile
Ganz ohne CO2 wär's aber auch doof: Die Gas-speienden Vulkane haben einst dafür gesorgt, dass unser Planet bewohnbar wird.
Bild: Klaus Därr
10. Welche Autos werden durch die Strafsteuer teurer? Theoretisch alle Fahrzeuge mit einem Ausstoß über 120 g/km. Allerdings wird mit der Strafsteuer nicht ein einzelnes Auto bestraft. Entscheidend ist der Flottenausstoß eines Herstellers. Liegt der über 120 g/km, wird die Steuer fällig. Wie und ob der Autobauer die Kosten auf die einzelnen Fahrzeuge umlegt, bleibt ihm überlassen.
11. Wie wird der Flottenausstoß ermittelt? Dieser Wert errechnet sich aus dem CO2-Ausstoß aller in der EU verkauften Autos eines Herstellers pro Jahr. Dabei müssen ab 2012 erst 65 Prozent der Autos die Grenze von 120 Gramm erfüllen. Dieser Wert lässt sich noch durch umweltfreundliches Zubehör leicht erhöhen. 2013 müssen 75 Prozent die 120 Gramm erfüllen, 2014 sind es 80 Prozent, 2015 dann alle Autos. 2020 wird der Wert auf 95 g/km gesenkt.
12. Wie berechnet sich die Strafsteuer? Für das erste Gramm werden fünf Euro fällig, das zweite Gramm kostet 15 Euro, das dritte Gramm 25 Euro Strafe. Ab vier wird es mit 95 Euro pro Gramm richtig teuer. Ab 2018 gilt die höchste Strafe ab dem ersten Gramm.

13. Was ist mit der geplanten CO2-basierten Kfz-Steuer? Zurzeit tagt eine Arbeitsgruppe aus Bundestagsabgeordneten mit dem Ziel, die unterschiedlichen Modelle einer CO2-basierten Kfz-Steuer zusammenzuführen. Geplant ist eine möglichst schnelle Umsetzung bis Mitte 2009. Wie die Kfz-Steuer genau aussehen wird, ist noch nicht klar, mit Sicherheit werden aber ein hoher Verbrauch und damit ein hoher CO2-Ausstoß teuer.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Bernd Volkens

Öko-Autos sind im Trend. Wirklich? Fakt ist: Gekauft werden sie bisher nicht. Woran es liegt? Die Extrem-Spardosen sind einfach nicht sexy. Bei Freunden und Nachbarn punktet eher das schicke und teure SUV als der schlichte CO2-Zwerg. Schwindende Ölreserven und steigende Erderwärmung machen aber ein Umdenken nötig. Die Strafsteuer für CO2-Sünder ist ein Anstoß. Ob es der richtige ist? Oder führt er uns gar erst recht in die Absatzkrise? Risiko. Da scheint mir die Berechnung der Kfz-Steuer nach CO2-Ausstoß erfolgversprechender. Denn nur wenn der Autofahrer im Alltag direkt belohnt wird, kauft er Spardosen. Aber diese Steuer muss schnell kommen. Damit wir alle wissen, was uns der Spaß am Autofahren in Zukunft kostet.