Hochwasser: was Autofahrer wissen sollten
Das müssen Autofahrer bei Hochwasser beachten

Wann ist ein überflutetes Auto noch zu retten? Zahlt die Versicherung? Wie tief darf ein Auto durchs Wasser fahren? Wo gibt es Infos zur Hochwasserlage? AUTO BILD liefert Antworten!
Bild: Michael Bihlmayer
- Lena Trautermann
- Stephanie Kriebel
Inhaltsverzeichnis
Land unter in Bayern, Baden-Würtemberg und Sachsen. Die extreme Wetterlage im Süden der Republik mit ergiebigem Dauerregen, Wasserhindernissen oder Rohrbrüchen in Tiefgaragen führte auch zu überfluteten Autos. Dabei sorgen die Wetterextreme für zum Teil sehr teure Wasserschäden an Fahrzeugen. Denn von Hochwasser geht ein besonders hohes Schadenrisiko aus, die schweren Fluten überschwemmen schnell ganze Straßenzüge und können dabei etlichen Autos einen Totalschaden zufügen.
Wie die aktuelle Lage in Süd-Deutschland beweist, schwankt die Wahrscheinlichkeit von Region zu Region, dass so ein Hochwasserereignis eintritt. Neben den großen Flutkatastrophen wie Anfang 2024 in Niedersachsen, 2021 im Ahrtal (Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz) oder 2013 in weiten Teilen Europas sind einige Gebiete immer wieder von Hochwasser bedroht. AUTO BILD fasst zusammen, was Autofahrer zum Thema Hochwasser wissen sollten!
Wer sein Auto mit Wasser vollgelaufen vorfindet, der informiert am besten umgehend seine Kfz-Versicherung. Wer einen Kasko-Tarif hat, der bekommt den Schaden in der Regel erstattet (siehe weiter unten). Außerdem sollten zur Dokumentation Fotos gemacht werden.
Wichtig: Niemals einen Motor starten, der zuvor überschwemmt war! Wasser in den Zylindern oder in der Ölwanne könnte für nachhaltigen Schaden sorgen. Auch wenn der Motor anspringt, ist die Gefahr noch nicht gebannt. Gelangt Wasser in den Ölkreislauf, drohen Kolbenfresser und Kurbelwellenschaden. In so einem Fall hilft nur der Abschleppdienst.
Sobald das Wasser den Innenraum erreicht hat, kommt es definitiv zu Schäden. Um die Trockenlegung sollte sich auf jeden Fall eine Werkstatt kümmern. Auch wenn das Fahrzeug auf den ersten Blick keine Funktionsstörungen aufweist, sind Schäden, zum Beispiel an der Sicherheitstechnik, nicht unwahrscheinlich.
Nach Wasserschäden drohen an E-Autos gefährliche Kurzschlüsse. Hier gelten schon bei der Bergung spezielle Regeln – keine Eigenbergung probieren, sondern ein Abschleppunternehmen verständigen. Wir haben das Abschleppunternehmen Reinsch aus Hamburg dazu befragt, das sich bei Elbhochwasser um das Umsetzen und Bergen von Fahrzeugen kümmert.

Vorsicht! Nach Wasserschäden drohen bei E-Autos gefährlich Kurzschlüsse. Und für die Bergung gelten spezielle Regeln
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Betriebsleiter Holger Gerken und sein Team bekommen es dabei immer häufiger auch mit abgesoffenen Elektroautos zu tun. Das sind spezielle und vor allem aufwendige Fälle, weiß Gerken. Denn die Versicherung schreibt vor, dass ein E-Auto für 72 Stunden nach einem Schaden – und dazu zählen auch Wasserschäden – auf einer freien, zehn mal zehn Meter großen Fläche gelagert wird, um die Gefahr von Brandübertragungen auf andere Fahrzeuge oder Gebäude zu minimieren.
Solche Flächen sind im Hamburger Stadtgebiet rar, daher schaffte sich die Firma Reinsch einen rund 130.000 Euro teuren mobilen Spezialcontainer an, auf dem beschädigte E-Fahrzeuge gelagert werden. Erkennen Sensoren einen Brand, senkt das bewegliche Plateau das Auto in das darunter befindliche Wasserbassin (bis sieben Kubikmeter), jedoch nur so weit, dass der Akku des Fahrzeugs in das Bad eingetaucht wird. Zusätzlich kühlt eine integrierte Sprinkleranlage.
Die gute Nachricht: Einem überschwemmten Auto droht nicht unweigerlich der Schrottplatz. So rät der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in Bonn, in jedem Fall den Rat einer Werkstatt einzuholen. Nur die kann wirklich klären, ob man es mit einem Totalschaden oder einer Sanierung zu tun hat.
Wichtig: Schon das Einschalten der Zündung oder anderer Verbraucher kann einen Kurzschluss verursachen. Die Batterie muss daher möglichst rasch abgeklemmt werden. Am besten schickt man den gefluteten Wagen also per Schlepper in die Werkstatt. Zeitwert des Autos, der Schweregrad der Überflutung und die Menge des Schmutzes, den das Hochwasser ins Auto gespült hat, entscheiden darüber, ob eine Trockenlegung sinnvoll ist. Auch Wasserschäden im Innenraum können erfolgreich beseitigt werden.
Allgemein kann man sagen, dass die voraussichtlichen Schäden am Auto davon abhängen, wie hoch das Wasser stand:
Wasser unter Türkante
Erreicht das Hochwasser in etwa die Radnaben oder die Mitte der Stoßfänger, sind Schäden zwar nicht auszuschließen, dennoch kann das Auto in solch einem Fall gestartet werden. Es empfiehlt sich ein Check in der Werkstatt, um zu überprüfen, ob Lenkung, Bremsen, Achsgelenke, Radlager oder Antriebswellen vom Wasser beschädigt oder verschmutzt wurden. Bei entsprechendem Verdacht sollte das Fahrzeug in der Werkstatt untersucht werden.
Doch spätestens wenn es in der Folge zu spinnenden Sensoren oder sich selbst aktivierenden Funktionen kommt, sind das mögliche Symptome für Schäden, die durch in Elektronikbauteile eingedrungenes Wasser entstanden sind. Ein Werkstattbesuch ist dann definitiv nötig.
Wasser über Türschwelle
Steht das Wasser oberhalb der Türunterkanten, dann ist es wahrscheinlich, dass es auch in den Innenraum eingedrungen ist und Schäden entstanden sind. Das Fahrzeug in diesem Fall nicht starten, denn es muss überprüft werden, ob Wasser ins Ansaugsystem gelangt ist. Kleine Mengen können bereits einen Wasserschlag verursachen
Eine gründliche Reinigung ersetzt eine Demontage der Boden- und Türverkleidungen nicht, denn Feuchtigkeit und Schmutz lassen sich nicht mehr einfach absaugen. Durchnässte Dämmstoffe unterhalb des Bodenteppichs sollten ausgetauscht werden. Ebenso Sicherheitstechnik wie Gurtstraffer/Gurtaufroller sowie Elektronikbauteile und Verkabelungen, die am Fahrzeugboden verlaufen, beispielsweise Anschlüsse für Sitzairbags und die Sitzheizung.
Wasser über Fensterkante
Reicht der Wasserstand über die Fensterunterkante des Fahrzeugs hinaus, ist das Auto unter Umständen nicht mehr zu retten. Fahrzeug auch nach erster Trockenlegung nicht starten, mit hoher Wahrscheinlichkeit befindet sich noch Wasser im Ansaugsystem des Motors. Die Reparaturkosten dürften den Zeitwert des Fahrzeugs in den meisten Fällen übersteigen, da das Wasser dann nicht nur in den Innenraum und Antrieb eindringt, sondern auch alle wesentlichen Kabelbäume beschädigt hat. Neben dem Infotainmentsystem ist die gesamte Elektronik hinter dem Armaturenbrett in solchen Fällen betroffen. Dennoch sollte eine Werkstatt konsultiert werden, um zu entscheiden, ob sich eine Reparatur hier noch lohnt.
Ist man in Hochwassergebieten mit dem Auto unterwegs, gilt: überschwemmte Straßen nur im Notfall und nicht zu schnell befahren. Reicht das Wasser knapp bis zur Radnabe, ist meist noch alles im grünen Bereich. Bei größerer Wassertiefe wird es schnell kritisch. Bei einem Wasserschlag kann Wasser über den Ansaugstutzen unter der vorderen Stoßstange in den Motor gelangen.

Achtung! Überschwemmte Straßen nur im Notfall befahren. Bei einem Wasserschlag kann es schnell teuer werden
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Gerät der Motor ganz oder teilweise unter die Wasseroberfläche, drohen Risse im Motorblock oder Zylinderkopf. Zudem könnte Wasser angesaugt werden. Wasser im Motorraum kann den Motor schnell zum Schweigen bringen. Dann gilt auch hier: Finger weg von der Zündung und den Abschleppdienst rufen.
Wann deckt die Kfz-Versicherung Schäden durch Hochwasser ab? Wir haben dazu Gunnar Stark befragt, Fachanwalt für Versicherungsrecht in Hamburg:
Wer zahlt bei Überschwemmungen die Schäden? Wenn Sie nur eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen haben, bleiben Sie auf den Kosten sitzen. Allein eine Teilkasko-Police übernimmt Wasserschäden am Auto. Und damit natürlich auch eine Vollkaskoversicherung, in der ist die Teilkasko enthalten. Die Teilkasko zahlt allerdings nur, wenn das Wasser dort fließt, wo es im Normalfall nicht zu erwarten war.
Wer jedoch sehenden Auges in ein Risikogebiet oder durch tiefes Wasser fährt oder das Auto in einem Gefahrenbereich abgestellt hat, obwohl die Überschwemmung angekündigt bzw. der Bereich wegen der kommenden Flut bereits abgesperrt war, kann leer ausgehen. Stichwort: grobe Fahrlässigkeit. Dann werden die Beträge, die die Versicherung ersetzt, im Verhältnis zum Verschulden berechnet.
Entscheidend ist immer, dass der Schaden durch eine "unmittelbare Einwirkung" der Naturgewalt, sprich eine plötzliche Überschwemmung, entstanden ist. (Ergänzung der Red.: Letzteres ist übrigens nicht der Fall, wenn der Motor durch Restwasser einen Schaden erleidet; hier greift nur die Vollkaskoversicherung. Daher ein überschwemmtes Auto niemals starten.)
Wer zahlt, wenn mein Auto in einer Tiefgarage steht, die vom Regen überflutet wurde? Auch hier gibt es Geld von der Teilkaskoversicherung. In diesem Fall liegt eine versicherte Überschwemmung vor. Hier greift der Grundsatz der "unmittelbaren Einwirkung" durch die unerwartet eingetretene Umweltkatastrophe.
Ersetzt die Kaskoversicherung den gesamten Schaden? Je nachdem, was im Versicherungsvertrag vereinbart wurde, bleibt der Versicherungsnehmer auf seiner Selbstbeteiligung sitzen. Die liegt die in der Regel zwischen 150 und 300 Euro. Kann ein Wagen repariert werden, übernimmt der Versicherer die Werkstattkosten.
Bei einem Totalschaden ersetzt die Versicherung allerdings nur den Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert. Bei neueren Autos oder Leasingfahrzeugen lohnt sich also eine sogenannte GAP-Police, die den Abstand (engl.: gap) zwischen Wiederbeschaffungswert und Finanzierungswert/Neupreis abdeckt, also den normalen Wertverlust eines Autos.
Wird die Teilkasko nach einer Schadensabwicklung teurer bzw. erfolgt eine Rückstufung in der Schadenfreiheitsklasse? Nein, in der Teilkasko erfolgt – anders als in der Vollkasko – keine Höherstufung. In der Teilkasko gibt es nämlich keine Schadenfreiheitsklassen.
Muss der Fahrzeughalter für die Kosten der Bergung durch zum Beispiel Feuerwehr oder THW aufkommen? Ja. Wenn Hochwasser angekündigt war und davor gewarnt wurde und dann das Fahrzeug entfernt werden musste, muss der Halter als sogenannter Störer die Kosten dafür übernehmen.
Gilt das auch, wenn Abschleppdienste proaktiv Autos entfernen? Wenn die Polizei die Abschlepper ruft, weil die Autos dort stehen, das Wasser näherkommt und der Halter nicht zu erreichen ist, sicher. Dann ist der Halter auch wieder "Störer", und das Fahrzeug muss zur Gefahrenabwehr entfernt werden. Insbesondere dann, wenn angekündigt wurde, dass dort Überschwemmungen drohen.
Wie rechnet die Versicherung ab, wenn das Auto ein wirtschaftlicher Totalschaden ist? Teil- und Vollkasko? Der Unterschied zwischen Teil- und Vollkasko ist nicht der Entschädigungsbetrag, sondern die Frage, für welche Ereignisse die Versicherung haften muss. Welche Höhen genau übernommen werden, regelt der Versicherungsvertrag. Die übliche Regelung sieht bei einem Totalschaden vor, dass der Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert gezahlt wird. Das kann übrigens bei Finanzierung oder Leasing auch wieder kompliziert werden, da dort manchmal anders definiert wird, wann ein Totalschaden vorliegt.
Es gibt ja immer mehr Versicherungen, die auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit explizit im Vertrag geregelt verzichten. Zahlt die Versicherung dann auch, wenn jemand in eine erkennbar metertiefe Überflutungsstelle fährt? Die Idee bei diesem Verzicht ist, die Schwierigkeiten der Abgrenzung zwischen einfacher und grober Fahrlässigkeit zu vereinfachen. Grobe Fahrlässigkeit ist gegeben, wenn jemand die im Verkehr erforderliche Sorgfalt in besonders hohem Maße nicht beachtet. Im hier konkreten Fall wird man eher fragen müssen, ob hier nicht sogar Vorsatz bei der Herbeiführung des Schadens vorliegt.
Schwere Gewitter, heftiger Starkregen, ergiebiger Dauerregen, starker Schneefall oder starkes Tauwetter - diese Wetterextreme können zu Hochwassersituationen mit starken Überschwemmungen und teuren Wasserschäden an Autos führen. Damit Sie für den Ernstfall gewappnet sind und als Betroffene frühzeitig reagieren können, gibt es im Internet spezialisierte Portale zum Thema "Hochwasser" sowie Apps fürs Smartphone, die frühzeitig vor extremen Wetterlagen warnen. Hier stellen wir Ihnen ein deutschlandweites Frühwarn-Portal sowie zwei praktische Apps vor:
Hochwasserzentralen
Die Homepage www.hochwasserzentrale.de ist ein länderübergreifendes Portal, das bundesweit Hochwasser-Warnungen ausgibt und die aktuelle Situation beschreibt. Über die interaktive Karte können gefährdete Regionen erkannt und die aktuellen Pegelstände sowie Warnungen und Prognosen abgerufen werden. Das glt auch für Hochwasserberichte und -lagen in den einzelnen Bundesländern. In den Kurzinformationen der Länder finden Sie auch die Hochwasserportale der einzelnen Bundesländer, die meist ein noch detaillierteres Bild der Lage beschreiben. Die Frühwarnkarte der Hochwasserzentrale wird stündlich aktualisiert und bezieht sich auf die Hochwassergefahr der nächsten beiden Tage. Ihre Verlässlichkeit hängt von der Qualität der Regenvorhersage ab. Sie nimmt für den zweiten Tag der Frühwarnung ab.
Hilfreiche Apps
Wer frühzeitig über das Smartphone informiert werden will, dem empfehlen wir die folgenden zwei Apps: Die DWD-App "Warn-Wetter" und die App "Meine Pegel" der Hochwasserzentralen.
WarnWetter-App
Mit der DWD-App "WarnWetter" bekommen Sie amtliche Hochwasser- und Unwetterwarnungen direkt auf Ihr Smartphone oder Tablet. Die App informiert außerdem über die erwartete Zugbahn von Gewittern. So wird sichtbar, welche Gebiete vielleicht von Starkregen betroffen sein werden.
Zudem veröffentlicht der Deutsche Wetterdienst (DWD) über die Interseite www.dwd.de Unwetterwarnungen und Wettervorhersagen für alle Regionen Deutschlands. Er warnt unter anderem vor schwerem Gewitter, heftigem Starkregen, ergiebigem Dauerregen, starkem Schneefall und starkem Tauwetter. Betroffene Regionen werden in der Warnkarte entsprechend eingefärbt. Einzelheiten zu den Warnkriterien und Farbskalen gibt es auf der Webseite des DWD zum Nachlesen.
Meine Pegel-App
Die App "Meine Pegel" der Hochwasserzentralen enthält dagegen konkrete Messdaten von rund 2.500 Pegeln aus ganz Deutschland. Sie geben Auskunft über den Abfluss und aktuellen Wasserstand von Flüssen. Per Push-Nachricht warnt die App, wenn bestimmte Grenzwerte bei Pegeln überschritten werden, die Sie zuvor ausgewählt haben.
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