Dauertest Honda Civic Type R

Honda Civic Type R: Dauertest

Mit dem Civic Type R gab's leider nur ein kurzes Vergnügen

Nach 33.915 Kilometern und zwei unverschuldeten Unfällen endet der Dauertest des Honda Civic Type R abrupt. Schade, denn der rasante Kompakte hatte sehr viele Freunde.
Wenn zum fehlenden Glück auch noch Pech dazukommt – davon können der Honda Civic Type R und wir jetzt ein Lied singen. Nicht etwa, dass uns der exaltierte Japaner ein- oder mehrmals im Stich gelassen hätte. Das nicht. Aber offenbar besitzt der schnelle Honda eine sehr große Anziehungskraft. Die positiven Auswirkungen kann erleben, wer nur lange genug hinter dem Steuer sitzt, denn Daumen-hoch-Signale von Passanten oder anderen Autofahrern kommen durchaus vor. Die negative Ausprägung der Anziehungskraft bedeutet, dass unser Honda Civic Type R-Dauertester in der Ausstattungslinie GT auch Ungemach extrem anzieht, denn zwei kapitale (unverschuldete) Unfälle während rund 30.000 Testkilometern hatten wir bislang noch nicht. Besonders ärgerlich: Eine Schuld trifft den jeweiligen Fahrer weder beim ersten Crash noch beim zweiten, bei dem der Type R noch nicht einmal in Betrieb, sondern lediglich geparkt war. Großes Pech für uns und den Honda Civic Type R: Nach dem zweiten, teuren Schaden mussten wir den Dauertest abbrechen.
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Zum Testbeginn gab's noch Lob ohne Ende

Was sehr schade ist, denn der in "Rallyerot" lackierte Renner wurde von Anfang an mit Lobeshymnen überschüttet, wie ein Blick in das Dauertest-Tagebuch zeigt. Etwa der Eintrag von SPORTSCARS-Redaktionsleiter Alexander Bernt: "Mann, macht der Laune! Legitimer Nachfolger des alten Mégane R.S. – nur in chic verarbeitet. Bei der knackigen Handschaltung sind Autobahnfahrten fast schon eine Strafe, weil man ständig schalten will. Dazu perfekte Sitze mit Seitenhalt und top Sitzposition", urteilt der großgewachsene Chef und ergänzt: "Dass ein japanisches Auto einen 1,95-Meter-Europäer angenehm beherbergt, ist mehr als ungewöhnlich." 

Honda Civic Type R (2020): Neuvorstellung - Facelift - Sportwagen

So kommt der frische Civic Type R

Oder: "Die beste E-Servolenkung diesseits von Porsche", schrieb etwa Carl Nowak ins Büchlein und ermittelte gleich auch noch den Minimalverbrauch: "7,5 Liter Super Plus sind möglich, macht dann aber nicht allzu viel Spaß." Mit gehörigem Spaßanteil kam dagegen der Gesamtverbrauch zustande, der über die komplette Testdistanz von 33.543 km bei 9,5 Litern lag. Überschaubar war der Ölverbrauch: Nach dem kompletten Wechsel zur Jahreswartung bei km 15.595 wurde bis Testende ein knapper Liter (850 ml) nachgefüllt.

Der Type R-Tank offenbart zwei Probleme

Auch auf der Langstrecke konnte der flinke Kompakte prinzipiell überzeugen: "Habe die Geräuschkulisse auf der Langstrecke viel schlimmer erwartet", schrieb Marc Kaczmarek, "gutes Reiseauto, kann sogar gemütlich." Klar, schließlich stammt er von einem sehr beliebten Kompakten ab, der von Honda mit großem Aufwand und technischem Geschick zum Sportler umerzogen wurde. Austrainiert ist das fähige Tracktool in jedem Fall. 

Mit großem Aufwand und technischem Geschick wurde der Civic zum Sportler umerzogen.

©Lena Willgalis / AUTO BILD

Übertrainiert wirkt höchstens der optische Auftritt, aber das ist wie immer Geschmacksache. Doch es gab auch Schattenseiten. Bemängelt wurde der mit 46 Litern viel zu kleine Tank, der zudem noch für ein weiteres Ärgernis verantwortlich ist. Beim Conti-Tuning-Tag auf dem Contidrom bei Hannover wurde der Civic Type R zur Leserbespaßung eingesetzt und fuhr längere Zeit auf dem Handlingkurs. Nach einiger Zeit schlug die Motorwarnleuchte an – reproduzierbar und immer an gleicher Stelle in der Runde. Ein Mangel, der auch unserem Leser Martin Fehrmann auf der Nordschleife aufgefallen ist, und zwar bei Tankfüllungen unter einem Viertel in Verbindung mit starker Querbeschleunigung. Grund dafür: die Konstruktion des Tanks. Es fehlen ausreichend Schwallbleche, die genau das verhindern. Für den nächsten Modellwechsel hat Honda konstruktive Abhilfe in Aussicht gestellt. Die Werkstatt konnte hier natürlich auch nicht weiterhelfen. Der ausgelesene Fehlerspeicher meldete "überdreht", was aber nicht der Fall war. Vielmehr wird bei schneller Kurvenfahrt und niedrigem Kraftstoffstand Luft statt Sprit angesaugt, die Motorleuchte meldet sich; Leser Fehrmann berichtet gar von Notlauf-Erfahrungen. (Überblick: Alles zum Honda Civic Type R)

Wartungen und Reparaturen
7455 km Instandsetzung nach überfahrenem Gegenstand auf der Autobahn 5786,78 Euro
13.598 km Motoraussetzer/Warnleuchte auf Rennstrecke Garantie
15.595 km Jahreswartung 332,97 Euro
22.282 km Motorkontrolllampe leuchtet auf; Fehlerspreicher ausgelesen; Reifenwechsel auf Michelin, Luftfilter erneuert 138,46 Euro
29.832/ 30.360 km Ventilklappern, Surren aus dem hinteren Bereich; Bremsscheiben/-beläge erneuert 694,46 Euro
31.322 km Bremsbeläge erneuert 182,91 Euro
Nicht verlässlich reproduzierbar flackerte von Zeit zu Zeit der zentrale Bildschirm, meistens im Stand, aber niemals vorhersehbar, was laut Honda ein Einzelfall sein soll. Auch der gelegentliche Ausfall der Rev-Match-Funktion trat ohne ersichtlichen Grund auf; sie arbeitete nach einem Neustart wieder tadellos. Überhaupt war es vor allem die Bedienung, die eine kleine Eingewöhnungszeit braucht. Beispielhaft hierfür sei die Lage der USB-Steckdose erwähnt, die hinten unten in der Mittelkonsole zwar vor neugierigen Blicken geschützt ist, sich aber nur sehr fummelig mit einem Kabel bestücken lässt.

Zwei Unfälle brachten das traurige Aus

Nach 22.000 Kilometern stand der Austausch der hinteren Bremsbeläge an. 10.000 Kilometer später folgten die vorderen Beläge samt Bremsscheiben.

©Ronald Sassen / AUTO BILD

Ein Sirren von der Hinterachse machte schließlich einen Werkstattbesuch nötig. Das Sirren erwies sich als Verschleißanzeige für die hinteren Bremsbeläge, die nach gut 22.000 Kilometern einen baldigen Austausch anmahnte. Etwa 10.000 Kilometer später waren die vorderen Beläge samt Bremsscheiben fällig. Zum Schluss noch kurz zum unheilvollen Anfang und dem tragischen Ende unseres Honda Civic Type R GT-Dauertesters, der am 19. Februar 2019 in der Redaktion ankam und am 14. März den ersten kapitalen Unfall hatte: Ein "größerer Gegenstand" auf der A3 zwang Manuel Iglisch zum Ausweichen, trotzdem kam es anschließend zum Crash. Die Folge war ein kapitaler Frontschaden: 5787 Euro Reparaturkosten. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Type R 5772 km auf der Uhr. Am 16. Februar 2020 übersah ein A-Klasse-Fahrer den parkenden Type R und richtete so großen Schaden an, dass sich eine Reparatur nicht mehr gelohnt hätte – Ende des Dauertests mit 33.543 Kilometern. Schade, denn die Abschlussmessungen von Längs- und Querdynamik nach 100.000 Kilometern hätten gezeigt, wie sich der doch recht kräftig rangenommene Spaßsportler über die gesamte Distanz geschlagen hätte. Und schließlich bedauern wir den Verlust eines hoch emotionalen, äußerst beliebten Reisebegleiters mit sportlicher Kompetenz.

Dauertest Honda Civic Type R

Honda Civic Type R GTHonda Civic Type R GTHonda Civic Type R GT
Fazit von Ralf Kund: Trauriges Ende einer Dienstfahrt, die wir gern noch fortgeführt hätten. Schade, denn ab 30.000 km wird es erst interessant. Insgesamt hinterließ der Civic Type R einen guten Eindruck, sieht man vom Problem auf der Rennstrecke und kleineren Nicklichkeiten ab.

Honda Civic Type R GT
Technische Daten
Motorbauart / Einbaulage R4-Turbo / vorn quer
Ventile / Nockenwellen 4 pro Zylinder / 2
Hubraum 1996 cm³
Bohrung x Hub 86,0 x 85,9 mm
Verdichtung 9,8 : 1
Leistung kW (PS) b. 1/min 235 (320) / 6500
Literleistung 160 PS/l
Drehmoment Nm b. 1/min 400 / 2500-4500
Getriebe 6-Gang manuell
Antriebsart Vorderrad
Bremsen vorn 350 mm innenbelüftet / gelocht
Bremsen hinten 305 mm innenbelüftet
Radgröße 8,5 x 20
Reifengröße 245/30 R 20
Reifentyp Continental SportContact 6
Länge / Breite / Höhe 4557 / 1877 / 1434 mm
Radstand 2699 mm
Tank- / Kofferraumvolumen 46 / 420-1187 l
Normverbrauch • CO2-Ausstoß 7,8 l S+/100 km • 178 g/km
Abgasnorm Euro 6d-Temp
Messwerte (Dauertestbeginn)
Beschleunigung
0- 50 km/h 2,4 s
0- 80 km/h 4,3 s
0-100 km/h 5,7 s
0-130 km/h 8,2 s
0-160 km/h 11,6 s
0-200 km/h 18,6 s
0-402,34 m (Viertelmeile) 13,71 s
Elastizität
60-100 km/h (4./ 5. Gang) 3,9 / 5,8 s
80-120 km/h (5./ 6. Gang) 4,9 / 7,3 s
Bremsweg
100-0 km/h kalt 33,4 m (11,6 m/s2)
100-0 km/h warm 33,6 m (11,5 m/s2)
Testverbrauch
Ø auf 100 km / Reichweite 9,5 l Super Plus / 480 km
Ø auf 33 915 km 9,4 l Super Plus
Gewichte
Leergewicht / Zuladung 1398 / 362 kg
Gewichtsverteilung VA / HA 53 / 47 %
Leistungsgewicht 4,4 kg/PS
Höchstgeschwindigkeit
Werksangabe 272 km/h
Preise (inkl. MwSt.)
Grundpreis 41.90 Euro
Ausstattung GT (Auszug)
Abgasanlage / Sitze Serie / Serie
Radsatz / Diff-Sperre Serie / Serie
adaptives Fahrwerk Serie
Ext.-/Int.-Carbon-Paket 4990 Euro
Gesamtpreis 46.980 Euro


Autor:

Fotos: Lena Willgalis / AUTO BILD

Stichworte:

Kompaktsportler

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