Honda Civic Type R mit Michelin-Cup-2-Reifen im Test
Honda Civic Type R: neuer Reifenmix für mehr Straßenhalt

Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Was für eine Schmach! Mai 2023, der damals neue Honda Civic Type R tritt bei uns zum Supertest an. Und blamiert sich. 16.000 Euro teurer als sein Vorgänger und dennoch nur ein paar Hundertstel schneller als das FK8-Modell. Und das, obwohl man den japanischen Kompakt-Star rundum auf links gedreht hatte. Auch schwerer war er nicht geworden. Aber die Konkurrenz, zumindest die mit Allrad, war da schon über alle Berge.
Zur Einordnung: Der aktuelle Audi RS 3 ist am Lausitzring über drei Sekunden schneller. Das war einmal andersherum. Woran lag's?
Nun, zum einen hat man sich wahrscheinlich am Adaptiv-Fahrwerk und dessen Einstellung vertan. Denn im eigentlich für die Rennstrecke gedachten "R+"-Mode sind die Dämpfer wie zugedreht, 100 Prozent hart, da bewegt sich gefühlt nichts mehr. Alles geht über den Reifengrip. Und wenn dieser mit sehr alltagstauglichen Michelin Pilot Sport 4 S auch nicht optimal ist, dann wird das einfach nix.

In "R+" ist das Fahrwerk etwas zu straff, in "Sport" geht das ESP nicht ganz off.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Nimmt man den etwas softeren Fahrwerksmode "Sport", fährt sich der Civic schon deutlich feinfühliger und nutzt den mechanischen Grip viel besser. Doch am Limit stört dann wiederum das ESP, das in diesem Fahrmodus nicht gänzlich abschaltbar ist. Sie verstehen, was ich meine, da hat Honda das Thema nicht ganz zu Ende gedacht. Doch nun gibt es ein Reset bzw. Update zum Type R, oder warum tritt das Auto noch mal zum Test an?
Semislick Michelin Pilot Sport Cup 2 speziell für den Civic Type R
Nein, keine Nacharbeit, kein Feintuning – Honda hat einfach einen optionalen Semislick nachgeschoben, den Michelin Pilot Sport Cup 2 mit offizieller Honda-Kennung "NO". Eingefleischte Type-R-Fans wissen: Das gab es auch schon beim Vorgänger – mit der Erkenntnis, dass die französischen Gummis auch nicht so viel schneller waren als die ContiSportContact 6, die auf dem Auto entwickelt worden waren.

Das "HO" auf dem Reifen bedeutet Honda Original und ist speziell auf den Civic abgemixt.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Na ja, vielleicht hat man nun doch mehr Kautschuk oder Silica in den Cup 2 gemischt, und der Civic kann mit seinen harten Dämpfern trotzdem gut am Asphalt kleben. Vorher checken wir, wie bei jedem Test, das Gewicht, den Verbrauch und die Längsdynamik.
Auf der Waage ist dieser Type R im Vergleich zum Supertest-Auto unwesentliche acht Kilo schwerer. Großer Unterschied dagegen beim Verbrauch: Obwohl die Cup 2 sicher nicht auf Laufleistung und Rollwiderstand ausgelegt sind, schluckt der Honda auf unserer Runde 1,6 Liter weniger Super Plus auf 100 Kilometer. Verbesserungen auch beim Bremsen, das Auto steht aus Tempo 100 bereits 1,8 Meter früher. Noch deutlicher ist der Unterschied aus 200 km/h: Hier sind es fast sieben Meter.
Fahrzeugdaten | Honda Civic Type R |
|---|---|
Motorbauart | R4 |
Aufladung | Turbo |
Einbaulage | vorn quer |
Ventile / Nockenwellen | 4 pro Zylinder / 2 |
Hubraum | 1996 cm³ |
kW (PS) b. 1/min | 242 (329) /6500 |
Nm b. 1/min | 420 / 2600-4000 |
Getriebe | 6-Gang manuell |
Antriebsart | Vorderrad |
L / B / H | 4594 / 2082 / 1401 mm |
Radstand | 2734 mm |
Tank-/Kofferraumvolumen | 47 / 410-1212 l |
Normverbrauch • CO2 | 8,2 l/100 km • 186 g/km |
Grundpreis | 58.900 Euro |
Testwagenpreis | 60.500 Euro |
Kommen wir zur alles entscheidenden Querdynamik. Viel hat sich da nicht getan. So ist der Cup 2-bereifte Civic nur eine halbe Sekunde schneller als auf dem Pilot Sport 4 S. Er hat zwar den Renault Mégane RS Trophy R überholt und ist wieder neuer Spitzenreiter unter den Fronttrieblern. Doch der Abstand zu den schnellsten Kompakten ist immer noch immens. Gut, den VW Golf R, zumindest das 7er-Modell, hat man noch im Griff. Abwarten, demnächst bringen wir einen Test der schnellsten Gölfe, gefahren auch am Lausitzring.

Der Zweiliter geht gut, dennoch dreht ein 333-PS-Golf-Motor freier auf.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Doch zurück zum Civic. Warum nicht noch schneller? Eigentlich passt alles, subjektiv zumindest. Auf der Bremse biegt der Type R absolut spurstabil ab. Das Heck hebelt hauchsanft mit, die Vorderachse giert der Linie nun etwas besser hinterher, vor allem in den engeren, langsameren Kurven. Und über all dem Gebolze wacht eine deutlich schönere Rückmeldung. Doch wo sind die Sekunden? Meiner Meinung nach fehlen dem Type R dazu ein paar PS und vielleicht eine schnelle Automatik.
Service-Links










