Los! Schmeißt die Elektromotoren an, zieht unschuldsweiße Westen über und stürzt alle Tankwarte dieser Welt in tiefe Sinnkrisen. Gesucht wird: der wahre Prius, Entschuldigung, Primus natürlich. Denn auch, wenn es Toyota geschafft hat, den Namen Prius als Sinnbild des teilelektrischen Fahrens zu etablieren, gibt es harte Konkurrenz im Segment der Antriebs-Zwitter. Auch der Honda Insight flirtet mit grünen Gutmenschen auf dem blauen Planeten. Im April 2009 führte er als erster Hybrid überhaupt die Zulassungen in Japan an. Aber nur, bis im Mai der Prius startete. Hase? Igel? Einer von beiden ist immer da, wo der andere erst hinwill. In Deutschland hat Honda dank des frühen Marktdebüts (18. April) schon 700 Insight verkauft. Der Prius folgt jetzt, setzt aber auf ein etwas anderes Rezept.

Nur das Prius-Hybridsystem beherrscht auch den rein elektrischen Vortrieb

Toyota Prius III
Unter den aerodynamisch geduckten Karosserien steckt höchst unterschiedliche Technik. Klar, beide kombinieren Elektro- und Benzinmotor, aber mit unterschiedlicher Stärke. Während der Prius ein Elektroaggregat mit 60 kW besitzt, stark wie ein Espresso, gleicht die Antriebsscheibe (10 kW) des Insight einem entkoffeinierten Kaffee. Ein mildes System, das die meiste Zeit nicht in der Lage ist, dem Modell aus eigener Kraft Beine zu machen. Leise, aber mit der Energie des 1,3-Liter-Vierzylinders (88 PS) rollt der Insight los, der Elektromotor schiebt an. Zarte Pflänzchen blühen im zentralen Display, die spielerisch einen ökonomischen Fahrstil belohnen. Fleißkärtchen, die der Prius-Fahrer im Audio-Format bezieht. Hört er nichts, ist das das höchste Lob. Diese Stille – in Momenten vollkommener Ruhe fährt die 4,46-Meter-Flunder emissionsfrei im Elektro-Modus. Was dem Durchschnittsverbrauch zugute kommt. 3,9 Liter Werksangabe? Erst nach Absolvieren eines Eco-Trainings scheint das realistisch. 4,5 Liter im Schnitt sind aber immer drin. Selbst dann, wenn der Gasfuß aufs Pedal hämmert.

Der Insight genehmigt sich einen Extraschluck Superbenzin

Davon können Honda-Fahrer nur träumen – 5,9 Liter Super laut Bordcomputer, 1,5 Liter über Werksverbrauch. Vielleicht fließt ein Teil des Saftes in den nölenden Motorsound. Ruhig rollt der Insight nur bei Stadttempo, über 120 km/h wird’s nervig laut. Wie ein kretisches Klageweib, wenn der Insight an Drehzahlen gewinnt, ohne spürbar an Tempo zuzulegen. Der Gummibandeffekt des stufenlosen CVT-Getriebes von Honda bleibt erhalten, auch die Lenkung wirkt gefühllos. Davon ist auch der Prius nicht frei. Obwohl er in der dritten Generation fahraktiver über den Asphalt rollt als je zuvor. Trotz etwas staksiger Federung legte er beim Fahrkomfort zu, die Lenkung spielt nicht mehr im "Second Life", sondern spürt die Straße. Und das alles, ohne die weiße Weste abzulegen.

Technische Daten Honda Insight: Vierzylinder, vorn quer • Hubraum 1339 cm³ • Leistung 65 kW (88 PS) bei 5800/min • max. Drehmoment 121 Nm bei 4500/min • Systemleistung 98 PS • Vorderradantrieb • stufenlose Automatik • 0–100 km/h 12,4 s • Tankinhalt 40 l • EU-Mix 4,4 l S/100 km • CO2 101 g/km • Spitze 182 km/h • Preis: ab 19.550 Euro.

Technische Daten Toyota Prius: Vierzylinder, vorn quer • Hubraum 1798 cm³ • Leistung 73 kW (99 PS) bei 5200/min • max. Drehmoment 142 Nm bei 4000/min • Systemleistung 136 PS • Vorderradantrieb • stufenlose Automatik • 0–100 km/h 10,4 s • Tankinhalt 45 l • EU-Mix 3,9 l S/100 km • CO2 89 g/km • Spitze 180 km/h • Preis: ab 24.950 Euro.

Von

Margret Hucko