Freizeit und Alltag gelungen zu vereinen, gelingt nur wenigen Wohnmobilen. Der kleine Camper aus dem Hause Hymer ist in der winzigen Nische zwischen VW California und Pössl zu Hause. Neu lockte das Hymer Car 302 mit Einstiegskursen ab 28.290 Euro. Dann war es allerdings auch ziemlich nackt. Unser Fotofahrzeug von der Wohnmobil-­Galerie in Hohenaspe verfügt über allerlei aufpreispflichtige Ausstattungspakete, die den Reisekomfort und den Preis deutlich erhöh(t)en.
Hinweis
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Das ist er: Ein Allrounder aus gutem Hause. Auf nur 4,99 Meter Länge versucht das Freizeitmobil aus Bad Waldsee einen optimalen Kompromiss aus Alltagsqualitäten und hohem Freizeitwert zu bieten. Als Basis dient, branchenuntypisch, die voll verglaste Busversion des Fiat Ducato. Äußerlich bemühen sich Dekorakzente um eine van-ähnliche Optik. Nach zehn Jahren und 55.000 Kilometern ist der Zustand erfreulich. Wir entdecken weder Rostprobleme noch Ölundichtigkeiten. Kleinere Macken im Innenraum sind bei stets eng bepackten, kleineren Reisemobilen hingegen typisch und kaum zu vermeiden.

Technische Daten Hymer Car 302

Technische Daten Hymer Car 302
Motorisierung 
Vierzylinder/vorn quer
Leistung 
88 kW (120 PS) bei 3600/min
Hubraum 
2287 cm3
Drehmoment 
320 Nm bei 2000/min
Höchstgeschwindigkeit 
155 km/h
Getriebe/Antrieb 
Sechsgang manuell/Frontantrieb
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 
120 l*/Diesel
Länge/Breite/Höhe 
4990/2050/2270 mm
Radstand/Bereifung 
3000 mm/215/70 R 15 C
Leergew. fahrbereit/Zuladung (Testmobil) 
2730/3300 kg
Anhängelast (gebremst/ungebremst) 
2500/750 kg
Material Wand/Dach/Boden 
Stahl/Stahl/Stahl
Liegefläche Mitte L x B 
1960 x 1350 mm
Kühlschrank inkl. Eisfach
50 l
Herd 
2 Flammen
Bordbatterie 
12 V/90 Ah
Frisch-/Abwassertank 
38/40 l
Gasvorrat/Heizung 
1 x 11 kg/Eberspächer
Normverbrauch 
7,8 Liter D/100 km
Grundpreis (2009, 100 PS M-Jet) 
28.290 Euro

Das Hymer Car 302 taugt auch als mobiles Büro oder Ersatz für den Familienkombi

Das hat er: Sinn für das Wesentliche. Hinter den drehbaren Vordersitzen schließt sich ein durchdacht gestalteter Wohn- und Schlafbereich mit hellen Furnieroberflächen und matten Alu-Akzenten an. Die in Fahrtrichtung montierte Vario-Sitzbank ist angenehm konturiert und verfügt über zwei Sitzplätze, Dreipunktgurte und einen Klapptisch. So kann der Hymer theoretisch auch als mobiles Büro oder Ersatz für einen Familienkombi genutzt werden. Die von uns getestete Ausführung bietet zwei Schlafplätze im Heck. Bis das Bett steht, ist jedoch ein wenig Übung vonnöten. Und selbst wer die hat, braucht einige Minuten: Neben dem Klappmechanismus der Sitzbank ergänzt ein absenkbarer Klapp­-Lattenrost im Kofferraumbereich die Konstruktion. Immerhin findet auch nach dem Umbau noch ein guter Teil der Zuladung unter der Liegefläche Platz. Die Zugänglichkeit des unteren Teils der Schrankzeile ist dann jedoch stark eingeschränkt, sodass kluges Packen vor Urlaubsantritt dringend empfehlenswert ist.
Hymer Car 302 Streetline
Willkommen an Bord: Sitzgruppe mit Plüsch, Schiebefenster und Klapptisch.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Für ein besseres Raumgefühl an Bord war auf Wunsch neu ein Hubdach lieferbar. Dazu gab es dann ein Maxi­-Dachbett mit einer zwei Meter langen und 1,50 Meter breiten Liegefläche. Und wie wird im Mini­-Hymer gekocht? Der kompakte Block steht auf der Beifahrerseite vor der Schiebetür. Kochfeld, Spüle und Kühlschrank sind von der platzsparenden Sorte. Dafür entschädigt die Möglichkeit, das Modul auch als Freiluftküche nutzen zu können. Mit dem einst ebenfalls aufpreispflichtigen Elektropaket haben die Passagiere Zugriff auf zwei 12­-Volt­-Steckdosen am Tisch, zwei zusätzliche 230­-Volt­-Steckdosen sowie eine 230-Volt-Landstrom-Einspeisung. Praktisch sind Extras wie die große Markise, der Fahrradträger an der Hecktür und die elektrisch ausfahrbare Einstiegsstufe. Sie erhöhen den Komfort und sparen mehrere Tausend Euro Nachrüstkosten.

Eine Spur breiter und höher als California und Marco Polo

Hymer Car 302 Streetline
Ein flaches Dach und 499 Zentimeter Länge sorgen für Handlichkeit.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
So fährt er: Für einen zehn Jahre alten Ducato unerwartet quirlig. Das vorn quer verbaute Herz ist ein 2,3 Liter großer MultiJet-Diesel mit 120 PS. Er hat, nicht zuletzt aufgrund einer moderaten Stirnfläche, mit dem maximal 3,3 Tonnen schweren Fahrzeug keine Mühe. Reisetempo 130 ist durch das gut gestufte Sechsganggetriebe leicht möglich. Steigungen sind dank 320 Newtonmeter Drehmoment kein Grund, auf die Lkw­-Spur zu wechseln. Seine moderate Außenlänge und der relativ kurze Radstand sorgen für verblüffende Handlichkeit, selbst wenn es in Innenstädte geht. Normparkplätze sind kein Problem. Einzig bei den meisten Tiefgaragen muss das Hymer Car 302 passen: Es ist eben eine Spur breiter und höher als California und Marco Polo. Durch das einst aufpreispflichtige Streetline­-Paket gibt es an Bord einen Airbag für den Beifahrer, Antriebsschlupfregelung (ASR), elektrische Außenspiegel, manuelle Klimaanlage und für enorme Reichweiten einen 120 Liter großen Dieseltank. Kein schlechtes Gesamtpaket, um mit dem erstaunlich ruhigen Hymer Car 302 auf große Touren zu gehen.

Bildergalerie

Hymer Car 302 Streetline
Hymer Car 302 Streetline
Hymer Car 302 Streetline
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Gebrauchtes Hymer Car 302 Streetline im Test

Unterhaltskosten Hymer Car 302

Unterhaltskosten Hymer Car 302
Testverbrauch 
9,0 Liter Diesel/100 km
CO2 
206 g/km
Inspektion 
300 bis 650 Euro
Haftpflicht*
557 Euro
Teilkasko*
296 Euro
Vollkasko*
1653 Euro
Kfz-Steuer (S4, Masse 3300 kg) 
230 Euro

Ersatzteilpreise

Ersatzteilpreise
Lichtmaschine (AT) 
638 Euro
Anlasser (AT) 
538 Euro
Zahnriemen 
598 Euro
Wasserpumpe 
676 Euro
Bremsscheiben und -klötze, vorn 
804 Euro
4 Sommerreifen 215/70 R 15 C 
500 Euro

Fazit

von

AUTO BILD
Ein Hymer Car 302 ist selten anzutreffen, aber durchaus spannend. Mit viel Nutzwert auf wenig Fläche spricht es Minimalisten an. Der heftige Gebrauchtpreis liegt an der gegenwärtig hohen Nachfrage am Markt.