Die Fake Malls in den U-Bahn-Stationen sind kleiner geworden, es gibt in der Mode immer mehr lokale Marken, und auch die chinesischen Autobauer haben längst ihre eigene Linie gefunden. Doch so ganz haben sie den Kopierer noch nicht abgeschaltet, und immer wieder spuckt der mal wieder ein mehr oder minder dreistes Plagiat aus.
Eines davon ist der Hyptec HT, mit dem der Staatskonzern GAC jetzt sogar seine europäische Exportflotte krönen und noch 2025 gen Westen fahren will. Denn nicht nur auf den ersten Blick sieht der 4,94-Meter-Kreuzer aus wie dem Tesla Model X aus dem Blech geschnitten – selbst die eben doch nicht ganz so einzigartigen Falcon Doors haben die Chinesen kopiert, auch wenn es die nur gegen Aufpreis gibt und der Zugang zur Rückbank damit mangels sensibler Sensoren ein bisschen holprig sein kann.

Hyptec HT – ein bisschen besser als Tesla

An dieser Stelle mögen sie ein bisschen gepatzt haben. Aber ansonsten machen sie ihre Sache mit viel Raum auf fünf Plätzen (kein Wunder, bei 2,94 Meter Radstand!), mit 670 bis 1802 Liter Kofferraum und noch mal 55 Liter Frunk in vielerlei Hinsicht richtig gut – und manches sogar ein bisschen besser als Tesla.
Hyptec HT
Der Hyptec HT ist dem Tesla Model X wie aus dem Blech geschnitten.
Bild: Hyptec
Vorne fährt man im Hyptec besser, weil das zentrale Display größer ist und vor dem Lenkrad noch ein zweiter Bildschirm prangt, auf dem man alles Wichtige direkt und ohne Ablenkung zu sehen bekommt, weil die Materialien mit echtem Leder und wirklicher Wolle vornehmer wirken und weil es am Lenkrad zwar genau wie bei Tesla kaum mehr Knöpfe gibt, sondern nur noch zwei Kugelwalzen. Und weil man aber dafür noch immer in einen runden Kranz greifen darf.
Ach ja, eigene Lautsprecher in den Sitzen haben die Chinesen auch, sodass sich der Fahrer zum Beispiel die Navigationskommandos dezent einflüstern lassen kann und jeder die Musik aus den insgesamt 22 Dolby-Boxen so hört, als würde sie einzig und allein für ihn gespielt.
Hyptec HT
Vor dem Lenkrad prangt noch ein zweiter Bildschirm, auf dem man alles Wichtige direkt und ohne Ablenkung zu sehen bekommt.
Bild: Hyptec
Vor allem aber die Hinterbänkler profitieren vom Wechsel. Weil bei den Amerikanern auf der Rückbank meist doch nur der Nachwuchs sitzt, bei den Chinesen dort öfter aber der Herr (oder die Dame) des Hauses, legen sie in Guangzhou mehr Wert auf die Finesse im Fond. Aus dem Fahrersitz lässt sich deshalb ein Schreibtisch herausklappen, und aus der Lehne des Beifahrers fällt auf Knopfdruck eine Fußraste. Wenn dann noch die Rückbank auf 143 Grad geneigt wird, lässt es sich hinten lässig lümmeln, und es darf auf der Autobahn am Ufer des Pearl Rivers daheim in Guangzhou ruhig mal wieder länger dauern.

Zehn Prozent mehr Reichweite als Tesla

Während sich die Chinesen bei Auftritt und Ambiente stark an Tesla orientieren, lassen sie sich unterm Blech nicht auf ein Wettrüsten ein. Haben sie auch nicht nötig, denn mit ihrer 800-Volt-Plattform können sie sich auch so sehen lassen: Batterien mit bis zu 100 kWh versprechen mit knapp 800 chinesischen Normkilometern zehn Prozent mehr Reichweite als Tesla, 280 kW Ladeleistung sind besser als bei vielen Europäern in dieser Liga.
Hyptec legt mehr Wert auf die Finesse im Fond.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Und im besten Falle 340 PS an der Hinterachse sowie 180 km/h beim Kickdown reichen allemal aus für ein Land, in dem man ohnehin nirgends schneller als 120 km/h fahren darf. Genau wie der Sprintwert, der je nach Konfiguration mal knapp unter oder über sechs Sekunden liegt. Außerdem denken sie ja schon über ein Dual-Motor-Modell nach. Nicht, um Tesla zu kontern. Sondern um im Norden Europas zu punkten, weil sie dort ohne Allradantrieb keinen Schnitt machen werden.
Preise gibt es zwar noch nicht, zumal die Chinesen noch nicht einmal entscheiden haben, in welchen EU-Ländern sie den HT überhaupt offiziell anbieten wollen. Doch bei einem Grundpreis von ungerechnet nicht mal 30.000 Euro für den HT in China und mindestens 97.990 Euro für das Model X in Europa ist die Lücke so groß, dass – Transportlogistik hin, Strafzölle her – die Kopie auch bei uns billiger wird als das Original. Und zwar deutlich.