Hyundai Elantra N: Fahrbericht
Elantra N – der M3 des kleinen Mannes
Bild: Thomas Geiger
Toyota Corolla, VW Jetta, Honda Civic, Hyundai Elantra – während bei uns der Zeitgeist die kompakten Limousinen fast alle längst vom Markt gefegt hat, stehen sie bei den Amerikanern noch immer hoch im Kurs. Und zwar nicht bei den Rentnern, sondern ausgerechnet bei den Studenten, die ihre schmalen Budgets lieber für Bücher schröpfen als für Blech. Ganz so schlimm wie in Stuttgart oder Paderborn ist das Streber- und Spießerimage der Stufenheck-Modelle in Seattle oder Pittsburgh deshalb nicht.
Erst recht nicht, wenn man ein Auto wie den Elantra N in die Finger bekommt. Denn die koreanische Sporttruppe aus Namjang und vom Nürburgring hat aus dem Stufenheck den perfekten Wolf im Schafspelz gemacht. Trotz Splittern und Spoilern und ein paar glutroten Dekorstreifen noch immer vergleichsweise dezent im Auftritt, braucht es nur einen Druck auf den Startknopf und der Puls beginnt zu rasen.
Hyundai Elantra N: 290 PS auf Knopfdruck
Denn unter dem mächtigen Getöse einer vierflutigen Auspuffanlage weckt der einen Zweiliter-Motor, dem ein Turbo stolze 280 PS abpresst. Für 20 Sekunden gibt's auf Knopfdruck sogar noch mal zehn PS Nachschlag, und man versteht schnell, warum sie den roten Knubbel im Lenkrad die Grinse-Taste nennen.

Kaum mehr als fünf Sekunden braucht der Elantra N, um auf Tempo 100 zu kommen.
Bild: Drew Phillips / Hyundai
Aber egal, ob jetzt 280 oder kurz mal 290 PS – die Lippen gehen in diesem Auto schon auf den ersten Metern in die Breite, und die Mundwinkel nisten sich dauerhaft bei den Ohrläppchen ein. Denn zum gewaltigen Vortrieb, der einen dank bestenfalls 391 Nm in kaum mehr als fünf Sekunden auf Tempo 100 katapultiert und bei Vollgas und maximal 280 km/h in Amerika ohne Umweg über Los direkt in den Knast bringen kann, kommen eine ausgefuchste Elektronik für Traktion und Stabilität, eine messerscharfe Lenkung und ein fein ausbalanciertes Fahrwerk.
Und weil Kalifornien mehr Kurven hat, als man im Land der bis zum Horizont gerade gezogenen Highways erwartet, kann man das zum Beispiel schon ein paar Meilen außerhalb von Los Angeles bestens genießen. Egal ob auf einer Bergstraße durch den Angels Crest Forest oder auf einem Handling-Kurs in der Mojave Wüste, wird der Elantra zur Spaßgranate: Während man sich an den Wippen hinterm Lenkrad durch die acht Gänge des Doppelkupplungsgetriebe klickert wie am Flipper-Automaten, sich am guten Seitenhalt der tiefer ausgeschnittenen Sitze freut und fest ins griffige Lenkrad krallt, wird die kleine Limo zum Wirbelwind und knallt durch die Kurven wie die silberne Kugel kurz vor dem Freispiel.

Auch im Innenraum mangelt es dem Hyundai Elantra N an nichts.
Bild: Drew Phillips / Hyundai
Und wenn dann noch einer auf einem großen Parkplatz einen Autocross-Kurs aussteckt, dann ist der Highscore auf der Glücksskala der Petrolheads schnell geknackt.
Seriöse und souveräne Sportlimousine
Aber so wild das Treiben auch sein mag, wirkt die Sportlimousine dabei immer seriös und souverän. Und man kommt aus dem Staunen kaum heraus, wie viel Haftkraft und Spurführung man einem Fronttriebler auf vergleichsweise schmalen 19-Zöllern abringen kann. Da zahlt es sich aus, dass die N-Truppe nicht einfach nur auf Power setzt, sondern auch auf Präzision und Perfektion. Denn statt nur die Leistung nach oben zu schrauben und irgendwelche imposanten Quartettwerte auf den Asphalt zu hämmern, haben sie mit viel Akribie und Aufwand ein dynamisches Gesamtpaket geschnürt, das sehr viel teureren Performance-Modellen aus dem deutschen Süden in Aufwand und Anspruch kaum nachsteht.

Selbst ein Spießer wie der Hyundai Elantra wird in der N-Version zur Spaßgranate.
Bild: Drew Phillips / Hyundai
Und dass sie dabei mit Blick auf die Generation Playstation mit ihrem digitalen Budenzauber im Cockpit und auf dem Touchscreen daneben, mit all den individuell konfigurierbaren Parametern und einem halben Dutzend Fahrprogrammen vielleicht ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen sind, sieht man ihnen gerne nach. Denn je schneller man unterwegs ist und je enger die Straße dabei wird, desto weniger lässt man sich von solchen Nebensächlichkeiten ablenken und desto fester heftet man den Blick stattdessen an die Ideallinie. Schließlich führt die bei diesem Auto nicht nur schnell um die Kurven, sondern direkt ins Herz.
Natürlich gibt es Sportlimousinen, die mehr hermachen, vor allem aus Deutschland. Und mehr Leistung haben die natürlich auch. Doch gemessen an einem M2 oder gar einem M3, einem Audi RS 3 oder einem AMG CLA ist der Elantra N für 33.950 US-Dollar oder umgerechnet 31.500 Euro ein Schnäppchen, das für sehr viel weniger Geld kaum weniger Spaß macht und damit die zwei wichtigsten Zielvorgaben der N-Division erfüllt: More Smiles per Miles und More Bang for the Buck.
Fazit
Amerika, du hast es besser! Nach dem Wahltag sehen das zwar viele selbst berufene Politikwissenschaftler sicher anders, doch die Petrolheads sind sich einig. Nirgends gibt es so viele leidenschaftliche Autos wie jenseits des Atlantiks, und selbst ein Spießer wie der Hyundai Elantra wird zur Spaßgranate. Und während die Koreaner die besten N-Modelle bei uns auf dem Altar der CO2-Bilanz geopfert haben, rasen sie bei euch unvermindert weiter.
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