Hyundai i20 gegen VW Polo: Test
Kleine spielen groß auf: enges Rennen zwischen Hyundai i20 und VW Polo

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Klein ist nur ihre Statur, die inneren Werte sind dafür umso größer: Hyundai i20 und VW Polo gehören klar zu den Besten ihrer Klasse. Tonangebend bei Platz, Komfort, Ausstattung und Qualität.
Seit 1975, die Älteren unter uns werden sich vielleicht erinnern, gibt es den Polo tatsächlich schon, die aktuelle sechste Auflage seit 2017, 2021 kam ein Facelift. Verglichen damit ist der seit 2008 gebaute Hyundai i20 ein Teenager, die seit 2020 existierende dritte Generation hat Hyundai jetzt gerade überarbeitet.
Hyundai i20 kommt mit frischerem Design
Wie üblich gab es bei dieser Gelegenheit ein paar Retuschen an Stoßfänger, Grill und Rückleuchten. War gar nicht nötig, der i20 sieht mit seinem tief heruntergezogenen Kühler, der angespitzten Front, der zerfurchten Flanke und dem Heck mit den wild gezackten Rücklichtern sowieso schon jünger und fröhlicher aus als der VW.

Hübsch gemacht: Der Hyundai i20 präsentiert sich schon immer jünger als der Polo. Ein Facelift hätte er gar nicht nötig gehabt.
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Der Polo tritt ernster auf, kantig und klar. Einen relativ langen Radstand und kurze Überhänge hat er aber natürlich auch. Doch die durchgehende Lichtleiste vorn (mit LED-Matrix-Licht Serie beim Style) und ein paar Falten an der Seite sind schon die auffälligsten Details. Alles zurückhaltend und mehrheitsfähig, nur nicht auffallen, bitte.
Touchflächen im Polo sind zu unsensibel
An Bord geht das so weiter, der Polo ist zweckmäßig bis nüchtern eingerichtet, die digitalen Instrumente im 10,25-Zoll-Display (Serie bei Style) sind konfigurierbar und lassen sich gut ablesen, die Menüs im 9,2-Zoll-Touchscreen sind sinnvoll organisiert. Nicht so toll sind die immerhin beleuchteten, aber unsensiblen Touchflächen und Slider für die Klimaautomatik – aber das Thema ist ja durchaus bekannt bei VW.

Nüchtern: Auch innen verzichtet der Polo auf unnötige Design-Spielereien, er ist betont zweckmäßig eingerichtet.
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Im i20 gibt es für den gleichen Zweck eine geradezu vorbildhafte Bedieneinheit und zum Beispiel ja auch noch einen echten Drehregler für die Radio-Lautstärke. Insgesamt verbaut Hyundai durchweg mehr mechanische Tasten und Schalter, das macht die Bedienung einfach.
Fahrzeugdaten
Modell | Hyundai i20 1.0 T-GDI Hybrid DCT | VW Polo 1.0 TSI DSG |
|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | Dreizylinder, Turbo, Mildhybrid | Dreizylinder, Turbo |
Einbaulage | vorn quer | vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette | Zahnriemen |
Hubraum | 998 cm³ | 999 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 88 (120)/6000 | 81 (110)/5500 |
Nm bei 1/min | 200/2000 | 200/2000 |
Vmax | 188 km/h | 195 km/h |
Getriebe | Siebengang-Doppelkupplung | Siebengang-Doppelkupplung |
Antrieb | Vorderradantrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 215/45 R 17 V | 215/45 R 17 W |
Reifentyp | Hankook Ventus Prime 3 | Nexen N’blue HD Plus |
Radgröße | 7 x 17" | 7 x 17" |
Abgas CO2 | 120 g/km | 133 g/km |
Verbrauch* | 5,1 l | 5,6 l |
Tankinhalt | 40 l | 40 l |
Kraftstoffsorte | Super | Super |
Partikelfilter | Serie | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 68 dB(A) | 69 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1110/450 kg | 1100/600 kg |
Stützlast | 75 kg | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 262-1075 l | 351–1125 l |
Länge/Breite/Höhe | 4040/1775–2045**/1450 mm | 4074/1751–1964**/1451 mm |
Radstand | 2580 mm | 2552 mm |
Grundpreis | 28.400 Euro | 29.515 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 28.400 Euro | 31.915 Euro |
Die Instrumente im ebenfalls konfigurierbaren 10,25-Zoll-Kombiinstrument sind bildschön, die Menüs im 10,25-Zoll-Navi-Touchscreen (beides Serie bei Prime) umfangreich, aber logisch sortiert.
Der VW bietet mehr Alltagsnutzen
Beim Platz nehmen sich Hyundai und VW nicht viel, beide sind vorn erstaunlich geräumig und bieten auch im Fond sehr anständig Raum. Der i20 ist hinten etwas breiter geschnitten, der Polo bietet einen Hauch mehr Kopffreiheit. In beiden Autos passen die Sitze vorn und die Rückbank ziemlich gut, im VW sind sie aber etwas stärker ausgeformt und straffer gepolstert. Geschmacksfrage.

Vergleichsweise üppig: Der Kofferraum schluckt mit 351 bis maximal 1125 Litern deutlich mehr als der des i20.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Vorteil Polo dann allerdings beim Kofferraum: Mit 351 bis 1125 Litern kann er deutlich mehr Gepäck schlucken als der i20 mit 262 bis maximal 1075 Litern. Beim Hyundai liegt unter dem Kofferraumboden die gar nicht so kleine Lithium-Ionen-Batterie.
Messwerte
Modell | Hyundai i20 1.0 T-GDI Hybrid DCT | VW Polo 1.0 TSI DSG |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 3,8 s | 3,9 s |
0–100 km/h | 10,1 s | 10,5 s |
0–130 km/h | 17,1 s | 17,8 s |
0–160 km/h | 28,6 s | 31,3 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 5,3 s | 5,6 s |
80–120 km/h | 7,2 s | 7,6 s |
Leergewicht/Zuladung | 1220/440 kg | 1195/465 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 62/38 % | 62/38 % |
Wendekreis links/rechts | 11,0/11,1 m | 10,7/10,6 m |
Sitzhöhe | 555 mm | 580 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 36,7 m | 37,2 m |
aus 100 km/h warm | 35,8 m | 35,4 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 58 dB(A) | 58 dB(A) |
bei 100 km/h | 66 dB(A) | 65 dB(A) |
bei 130 km/h | 70 dB(A) | 69 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 6,3 l S/100 km | 6,0 l S/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 7,7 l S/100 km (+51 %) | 7,1 l S/100 km (+27 %) |
Sportverbrauch | 10,0 l S/100 km | 8,9 l S/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 183 g/km | 168 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 510 km | 560 km |
Die gehört zum 48-Volt-Hybridsystem des i20. Damit springt der 1,0-Liter-Turbo betont sanft an. Der 120-PS-Dreizylinder ist ein lebensfroher, bauarttypisch knurriger Typ. Über den gesamten Drehzahlbereich läuft er etwas präsenter und lauter als das Triebwerk im VW – ist dafür aber auch einen Hauch flotter und schneller unterwegs. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe kommt grundsätzlich zackig hinterher, ruckelt nur dann und wann mal im Schiebebetrieb.
Beim Fahrwerk liegt der Hyundai hinten
Der Polo steht auf der MQB-A0-Plattform, genau wie unzählige andere Konzernautos vom Audi A1 bis zum Skoda Kamiq. Auch sein 1,0-Liter-Dreizylinder mit 110 PS dreht ganz locker, läuft kernig bis heiser, bleibt aber, wie gesagt, insgesamt etwas leiser als der i20. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe reagiert leicht verzögert aus dem Start-Stopp heraus, unter Last aber schnell und zügig. Wir erwähnen der Vollständigkeit halber, dass es die Version mit den trockenen Kupplungen ist.

Besser abgestimmt: Lenkung und Fahrwerk arbeiten beim Polo harmonischer und souveräner als beim i20.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Ganz harmonisch hat VW die Lenkung abgestimmt, genau wie die straffe, stets souveräne Federung. Das kann der Hyundai nicht ganz so gut. Er rollt etwas steifer und hölzerner ab, die Lenkung spricht leicht teigig an, wir würden uns auch mehr Rückmeldung wünschen.
Verbesserungspotenzial bieten außerdem die Bremsen, und zwar bei beiden: Der i20 stand beim Stopp aus Tempo 100 warm nach 35,8 Metern, der Polo nach 35,4 Metern. Kein Riesenproblem, das geht aber durchaus besser.
Testwagenpreise um die 30.000 Euro
VW druckt ja keine Preislisten mehr. Was nicht weiter schlimm wäre, wenn der Konfigurator gut funktionieren würde – genau das macht er aber nicht, er ist mit Struktur, Reaktionszeit und permanenten Abstürzen eigentlich nur eine Zumutung. Aber egal, den Polo mit dem 1,0-Liter-110-PS-Motor, DSG und Style-Ausstattung liefert VW ab 29.515 Euro, in der bewerteten Testwagen-Ausstattung mit Navi Discover Pro und 17-Zoll-Rädern kommt er auf 31.915 Euro.
Platzierung
Modell | VW Polo 1.0 TSI DSG | Hyundai i20 1.0 T-GDI Hybrid DCT |
|---|---|---|
Punkte* | 525 | 523 |
Platz | 1 | 2 |
Fazit | Das feinfühligere Fahrverhalten, der etwas höhere Komfort und der größere Kofferraum sprechen für den VW. Teurer. | Spannenderes Design, charmanteres Interieur, mehr Ausstattung und umfangreichere Garantie. |
Den Hyundai i20 mit 120 PS, Doppelkupplungsgetriebe (DCT) und Prime-Ausstattung gibt es ab 28.400 Euro – und das ist auch der bewertete Testwagen-Preis. Typisch Hyundai sind die sagenhaften fünf Jahre Garantie – da kann sich der VW mit seinen zwei Jahren nur verstecken. Allerdings muss der Polo nur alle zwei Jahre zur Inspektion, Hyundai möchte den i20 dagegen einmal im Jahr begrüßen. So wird es dann zum Schluss sehr, sehr knapp zwischen i20 und Polo – mit einem glücklichen Ende für den VW.
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