Hyundai Ioniq 5 N
Der Ioniq 5 N klingt nicht nur wie ein i30 N, er fährt sich auch so
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Im Hause Hyundai begegnet man selbst so trockenen Themen wie die E-Mobilität mit einem unkonventionellen Ansatz: Die Petrolheads wollen Verbrenner, sollen sie aber nicht mehr haben? Dann geben wir ihnen eben ein E-Auto, das sich wie ein Benziner anhört!
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Sie denken jetzt bestimmt: "Haben sie doch alle schon mal versucht, klang immer kacke!" Und jetzt kommt das berühmte "Richtig, aber ..."
Wie geht das? Die Antwort lautet N e-Shift. Der sportliche Ioniq hat nämlich wie die einstigen DKG-Modelle zwei Schaltpaddel am Lenkrad, mit denen sich ein achtstufiges Getriebe simulieren lässt. Komplett mit Schaltrucken, Schleppmoment und sogar hineinmodellierten DSG-Spratzlern aus dem gar nicht vorhandenen Auspuff.

Sieht nur aus wie ein Kompaktsportler: Mit 4,72 Meter Länge und 2,2 Tonnen Gewicht hat der Crossover das Format eines Porsche Macan.
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Das ganze Konstrukt greift so harmonisch ineinander und ist so natürlich abgestimmt, dass wir uns bei der ersten Testfahrt auf dem Circuit Castelloliin Spanien mehrfach ins Gedächtnis rufen mussten, dass wir hier in einem E-Auto sitzen, das weder ein Getriebe noch eine Abgasanlage hat.
Hyundai hat für den Ioniq 5 N drei Soundkompositionen im Angebot
Soundseitig bietet Hyundai neben dem klassischen Röhren auch noch zwei futuristischere Sounds an, von denen das eine ein bisschen nach Raumschiff Enterprise klingt und das andere wie die U3 Richtung Flughafen. Da bleiben wir bei der "Ignition" genannten Komposition.

Gerade das Einlenkverhalten begeistert auf der Rennstrecke.
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Und jetzt haben wir so viel über das akustische Highlight des Ioniq 5 N gesprochen, da hätten wir doch beinahe die restliche Technik vergessen – denn die fällt nicht minder beeindruckend aus: Zwei Elektromotoren treiben den Koreaner an, einer sitzt an der Vorderachse, der andere an der Hinterachse.
Kombiniert entsteht so ein Allradantrieb mit 609 PS und 740 Newtonmeter Drehmoment. Mit dem "N Grin Boost"-Schalter am Lenkrad lassen sich für zehn Sekunden weitere 41 PS auf dann halbrunde 650 PS freischalten. Gut ist das für einen 0-100-Wert von 3,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 260 km/h abgeregelt.
Mittels Boost-Taste stehen kurzzeitig 650 PS zur Verfügung
Der Akkupack im Boden fasst 84 kWh und soll mit seiner 800-Volt-Ladetechnik in nur 18 Minuten ausgehend von 10 Prozent Ladezustand wieder deren 80 erreichen. Unterm Strich soll das für 448 Kilometer Reichweite gut sein. Bewegt man sich stets in diesem Schnellladebereich, hat man in der Praxis also rechnerisch etwas über 300 Kilometer Reichweite zur Verfügung.

Für Großgewachsene stören die Kopfstützen zwischen den Schulterblättern.
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Optisch hat Hyundai den N deutlich vom konventionellen Ioniq 5 abgehoben. Die Sportversion ist acht Zentimeter länger, fünf cm breiter und kauert zwei cm näher am Asphalt. Vorn behält er seine diagonale Formensprache, ist aber deutlich aggressiver gezeichnet. Eine große Kühlöffnung mit variablen Einlassklappen lässt situationsbedingt immer so viel Luft hinein, wie gerade nötig ist. Bei ruhiger Fahrt schließen die Klappen zu Gunsten der Aerodynamik.
Kontrastelemente in Orange kennzeichnen Hyundais E-Sportler
Auch der Rest des Bodykits hat seine Funktion. Die Aircurtains vor den Radhäusern, der Dachspoiler – nichts ist Show, alles hat einen aerodynamischen Nutzen. Zudem fallen die orangefarbenen Kontrastelemente auf. An den Verbrennermodellen waren diese noch rot. Das "Soultronic Orange" gibt es übrigens auch als einzige aufpreisfreie Außenfarbe – sieht auch extrem schick aus und ist mal etwas anderes als das allgegenwärtige Performance Blue (660 Euro).

Selbst an einen "Motorraum" hat Hyundai gedacht.
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Innen fallen sofort die vier Fahrspaß-Knöpfe am Lenkrad auf. Mit den beiden runden an der Unterseite lassen zwei frei konfigurierbare N-Settings abspeichern und bei Bedarf direkt aufrufen, der Knopf links oben schaltet zwischen den Fahrmodi hin und her. Oben rechts sitzt der NGB-Knopf, mit dem sich die bereits erwähnten 41 Zusatz-PS abrufen lassen – wie früher bei K.I.T.T. der "Super Pursuit Mode", nur ohne all die ausfahrenden Flügelchen.
Halbschalensitze mit sehr gutem Seitenhalt und integrierter Kopfstütze
Dazu gesellen sich effektiv stützende Sportsitze, deren fixe Kopfstütze bei groß gewachsenen Fahrern jedoch unangenehm zwischen den Schulterblättern drückt. Das Platzangebot ist riesig, vor allem auch auf der Rückbank durch die exakt drei Meter Radstand. Das Kofferraumvolumen liegt bei 480 Litern und lässt sich durch Umlegen der Rücksitze auf 1540 Liter erweitern. Ungewöhnlich ist jedoch die hohe innere Ladekante, verursacht durch all die E-Technik im Fahrzeugboden.

21-Zoll-Schmiederäder sind serienmäßig und reduzieren das Gewicht zumindest ein bisschen.
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Und auf der Rennstrecke hätte er das Superauto der 80er sicher auch recht entspannt vernascht – trotz seiner 2,2 Tonnen. Vor allem in Kurven zeigt der Ioniq 5 N ungeahnte Talente, zoomt sich präzise in den Scheitel hinein und fängt erst gegen Kurvenmitte an, etwas stärker als von leichteren Konkurrenten gewohnt nach außen zu schieben. Allerdings dreht stets das Heck helfend mit, sodass die Fuhre nie in ein hilfloses Untersteuern abdriftet.
Zu bestellen ist der Hyundai Ioniq 5 N ab sofort für 74.900 Euro. Klingt erst mal viel – aber dafür bekommt man einen fast voll ausgestatteten Crossover mit Leistungswerten auf dem Niveau eines Porsche Macan Turbo.
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