Achtung: subjektive Meinung! Die aber mit großer Wahrscheinlichkeit von vielen geteilt wird: Der neue Mazda6e sieht ganz schön schnittig aus. Eine elegante Limousine mit scharfen Kniffen und verwegenen Schwüngen im Blech steht da vor uns, ein stattlicher Hingucker präsentiert sich.

Zwei Elektro-Limousinen im Test

Testsieger
Externes Link IconHyundai Ioniq 6
Mazda
6e EV 68,8 kWh
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1,9
gut
1,9
gut
Typisch Mazda halt. Wobei: Ein typischer Japaner ist der elektrische 6er nicht. Mazdas (übrigens seit Langem bestehende) Kooperation mit Changan hat den neuen 6e ausgespuckt, entsprechend die Technik aufgesetzt. Nicht nur diesen chinesischen Ursprung finden wir besonders.

Zwei im klassischen Limousinen-Design

Der Japaner ist außerdem glasklarer Anti-SUV, formal eindeutig Limousine, dabei elegant, auf Reise und Ruhe getrimmt, nicht so hoch- und aufgesetzt, nebenbei dank großer Fließheck-Klappe funktional. Gut so – aber allein ist der Mazda mit seiner Limo-Attitüde nicht. Auch Hyundais Ioniq 6 fährt eine flache Schiene, tritt abseits der SUV-Hochbeiner klassisch und fließend auf, steht flach auf dem Asphalt.
Hyundai Ioniq 6 Mazda 6e
Das gibt es nur noch selten: Hyundai Ioniq 6 und Mazda6e kommen im klassischer Limousinen-Form – quasi zwei Anti-SUV.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
So wie in Form und Anspruch ähneln sich die beiden E-Mobile auch in Antrieb und Eckdaten. Der Mazda6e wird von einer Permanentmagnet-Synchronmaschine mit 258 PS Leistung angetrieben, beim Ioniq 6 sind es 229 PS aus einem Antriebspaket gleicher Bauart. Daraus ergeben sich ordentliche, wenn auch keine spektakulären Fahrleistungen. Beide Modelle schicken ihre Kräfte über ein Einganggetriebe an die Hinterräder.

Bei der Reichweite gibt es einen klaren Sieger

Was die Batteriekapazitäten angeht, unterscheiden sich Mazda und Hyundai deutlicher. Im 6e speichert ein Akkupaket mit 68,8 kWh Energieinhalt den Saft, beim Koreaner lagern 77,4 kWh Energie im Batterieblock. Mit nochmals größerem Abstand verteilen sich die Aktionsradien der Modelle.
Hyundai Ioniq 6 Mazda 6e
Korea schlägt Japan: Der Hyundai Ioniq kommt mit einer Akkuladung 492 Kilometer weit, der Mazda muss nach 324 Kilometern passen.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Nach unseren Messungen kommt der viel sparsamere Hyundai 492 Kilometer weit, bis die Akkus leer sind. Der Mazda schafft mit voller Speicherladung 324 Kilometer Fahrstrecke – ein ungemütlicher Abstand. Es wird noch krasser: Der Hyundai saugt dank 800-Volt-System (400 Volt bei Mazda) mit bis zu 220 kW Leistung Strom aus der Säule, der Mazda zieht mit nur 165 kW Strom. Für das elektrische Fazit an dieser Stelle heißt das: Ein Ioniq kommt weiter, lädt schneller, trinkt weniger.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart 
Synchron-Elektromotor 
Synchron-Elektromotor 
Einbaulage 
hinten 
hinten 
Spitzenleistung 
168 kW (229 PS) 
190 kW (258 PS) 
Dauerleistung 
56 kW (76 PS) 
60 kW (82 PS) 
maximales Drehmoment 
350 Nm 
320 Nm 
Vmax
185 km/h 
175 km/h 
Getriebe 
Einganggetriebe 
Einganggetriebe 
Antrieb 
Hinterradantrieb 
Hinterradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
225/55 R 18 W 
245/45 R 19 Y 
Reifentyp 
Hankook Ventus S1 evo3 EV 
Michelin Pilot Sport 5 
Radgröße 
7,5 x 18" 
8 x 19" 
Reichweite* 
614 km 
479 km 
Verbrauch* 
14,3 kWh/100 km 
16,6 kWh/100 km 
Batteriekapazität netto 
77,4 kWh 
68,8 kWh 
Ladeleistung AC/DC 
11/220 kW 
11/165 kW 
Ladezeit (10-80 %, DC-Laden) 
18 Minuten 
24 Minuten 
Ladeanschluss 
hinten rechts 
hinten rechts 
Fach unter Frontklappe 
S/45 l 
S/72 l 
Vorbeifahrgeräusch 
66 dB(A) 
68 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
1500/750 kg 
1500/750 kg 
Stützlast 
100 kg 
75 kg 
Kofferraumvolumen 
401 l 
466-1074 l 
Länge/Breite/Höhe 
4855/1880–k. A.**/1495 mm 
4921/1890–2003**/1491 mm 
Radstand 
2950 mm 
2895 mm 
Grundpreis
43.900 Euro
44.900 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
61.500 Euro
46.900 Euro
Außerdem ist der Hyundai schneller. Er sprintet dem Mazda einige Wagenlängen voraus, schafft auf der Autobahn mehr Tempo, setzt sich aus dem Stillstand heraus freudiger in Bewegung. Gleichzeitig hat man das Gefühl, den leichteren und handlicheren Wagen zu dirigieren. Lenkung und gefühltes Gewicht passen gut zueinander, die Federung arbeitet bis auf ein sprödes Ansprechen auf Kanten und kleine Unebenheiten ordentlich. Insgesamt verhält sich der Ioniq somit angenehm, fahrstabil und fahrsicher.

Mazda ist zu weich abgestimmt

Für den Mazda sprechen die besseren Bremsen. Unserer Prüfung nach nimmt der 6e dem Ioniq 6 aus Tempo 100 heraus zwei Meter ab – sehr gut! Zwar arbeitet die Federung des Mazda weicher als die des Hyundai, doch die sanfte Abstimmung entpuppt sich auch als Schwäche. Nach derben Bodenwellen schwingt das Auto an der Hinterachse weit und schnell aus, verliert im ungünstigsten Fall sogar den Bodenkontakt.
Mazda 6e
Nach derben Bodenwellen federt das weiche Fahrwerk des Mazda zu weit aus, die Räder könnten so den Bodenkontakt verlieren.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
In Verbindung mit der sehr spitz reagierenden Lenkung kann das zu unangenehmen Kursirritationen führen – wir werten das über Punktabzug im Fahrsicherheitskapitel ab. Weitere Schrullen des Japaners: Fährt der Heckspoiler aus, reduziert das die Sicht durch die ohnehin flache Heckscheibe auf einen nochmals schmaleren Streifen – der zudem durch die Scheibenkrümmung reichlich verzerrt wird.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,0 s 
3,1 s 
0–100 km/h 
7,0 s 
7,2 s 
0–130 km/h 
11,0 s 
11,5 s 
0–160 km/h 
16,8 s 
19,8 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
3,4 s 
3,5 s 
80–120 km/h 
4,4 s 
4,6 s 
Leergewicht/Zuladung 
1971/439 kg 
2002/385 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
47/53 % 
46/54 % 
Wendekreis links/rechts 
12,4/12,4 m 
12,2/12,3 m 
Sitzhöhe 
600 mm 
580 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
35,6 m 
33,6 m 
aus 100 km/h warm 
35,9 m 
34,6 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
54 dB(A) 
55 dB(A) 
bei 100 km/h 
62 dB(A) 
62 dB(A) 
bei 130 km/h 
66 dB(A) 
66 dB(A) 
Verbrauch
Sparverbrauch 
11,6 kWh/100 km 
15,4 kWh/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
15,7 kWh/100 km
(+10 %)
21,2 kWh/100 km
(+28 %)
Sportverbrauch 
22,3 kWh/100 km 
22,9 kWh/100 km
CO2 (lokal) 
0 g/km 
0 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
492 km 
324 km 
Zuweilen nimmt das Getriebe den Wechsel zwischen den Fahrtrichtungen nur verzögert an, die Sprachbedienung kennt keine Radiosender, und das Bedienkonzept (nahezu) ausschließlich über den Berührbildschirm ist nervtötend komplex strukturiert, merkwürdig übersetzt und mit Funktionen überfrachtet. Das System lenkt so sehr vom Fahrgeschehen ab, dass häufig der Aufmerksamkeitsassistent maßregelt und zur Beachtung des Verkehrs auffordert – paradox. Ein Lob sprechen wir dem Mazda dagegen für die Sitze und für das hochwertig gestaltete Interieur aus.

Ioniq läuft nicht sauber geradeaus

Im Hyundai gelingt die Bedienung einfacher, Funktionen wie Klimatisierung oder Spiegelverstellung sind "echt" angelegt. Gleichzeitig fühlt man sich durch eine tiefere Sitzposition inniger ins Auto integriert. Aber auch der Ioniq hat uns mit kleinen Fehlern überrascht. So konnten wir Auffälligkeiten beim Geradeauslauf feststellen.
Hyundai Ioniq 6
Beim Beschleunigen auf der Autobahn zeigt der Hyundai einen leichten Linksdrall, im Schiebebetrieb zieht er dann nach rechts.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Das Auto reagiert beim Beschleunigen auf der Autobahn mit einem leichten Linksdrall, im Schiebebetrieb steuert der Ioniq dann minimal nach rechts. Auch mit der aufwendigen Kameratechnik als Ersatz für die Außenspiegel sind wir nicht warm geworden. Zu künstlich wirkt die Perspektive, beim Spurwechsel sorgt das starre Erscheinungsbild in den kleinen Monitoren für unsichere Manöver.

Seine Spiegel machen den Hyundai teuer

Das spiegellose System wirkt sich doppelt tragisch aus. Denn: Für diese Technik rechnen wir auf den Grundpreis des Ioniq 6 (43.900 Euro) 1300 Euro plus 11.300 (!) Euro für die Videotechnik sowie für das erforderliche Ausstattungspaket Uniq hinzu. Das ergibt einerseits zwar einen nahezu perfekt ausgestatteten Ioniq, doch letztlich auch 65.100 Euro Kaufpreis für den Testwagen.
Hyundai Ioniq 6
Für den Ioniq 6 werden 65.100 Euro fällig. Teuer sind die Rückspiegel, die zusammen mit der Uniq-Ausstattung 12.600 Euro kosten.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Den Mazda gibt es in der Test-Konfiguration (Takumi Plus) für geradezu günstige 46.900 Euro. Leasing ist bei beiden kaum eine sinnvolle Option, Mazda verlangt 500 Euro im Monat (10.000 km/Jahr, 48 Monate, null Anzahlung). Hyundai lockt mit 354 Euro, allerdings bei 13.197 Euro Anzahlung (48 Monate, 15.000 km/Jahr).

Platzierung

Platzierung
Punkte*
575
571
Platz
1
2
Testnote
1,9
1,9
Fazit
Fein gestaltet, im Fahrbetrieb angenehm, trotz Sicherheits-Auffälligkeiten das bessere Angebot.
In der Summe seiner Eigenschaften das klar bessere Auto – als Testwagen und für den Sieg jedoch zu teuer.
Darüber hinaus prognostizieren Experten von Schwacke dem Mazda den geringeren Wertverlust. Im Preiskapitel macht der 6e so 20 Punkte gut und gewinnt trotz der Fehler letztlich knapp diesen Vergleichstest. Das in seinen Eigenschaften bessere Auto kommt jedoch aus Korea.

Bildergalerie

Hyundai Ioniq 6 Mazda 6e
Mazda 6e
Hyundai Ioniq 6
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Fazit

von

AUTO BILD
Wer preisbewusst tickt, wählt Mazda. Wer das in Funktion bessere und fahraktivere Auto mit mehr Reichweite und schlauerer Ladetechnik mag, sollte zum Hyundai-Händler gehen. Unser Tipp: Den Ioniq 6 mit konventionellen Spiegeln kaufen – das macht ihn über 12.000 Euro günstiger.