Hyundai Palisade: erste Fahrt
Maxi-SUV zum Mini-Preis – diesen Hyundai wollen wir haben!

Bild: Hyundai Motor Company
- Tomas Hirschberger
Korea steht auf Luxus. In keinem anderen Land der Welt geben Menschen pro Kopf mehr Geld für Luxusgüter aus. Es entspricht dem Naturell der Südkoreaner, den Eindruck zu erwecken, dass man sich was leisten kann. Soziales Ansehen und Status sind die Triebfedern für vieles, wenn nicht für alles.
Das zeigt sich vor allem auf den Straßen, wo eine Oberklasse-Limousine namens Hyundai Grandeur lange die Zulassungsstatistik anführte, aktuell sind Kia Sorento und Carnival die meistverkauften Autos in Korea. Beide ebenfalls in der Fast-Fünfmeter-Klasse zu Hause.
Der Hyundai Palisade verwöhnt mit jeder Menge Luxus
Seit Kurzem bewirbt sich in Korea ein neuer Kandidat um Aufmerksamkeit und Aufstieg. Mit dem gerade eingeführten Palisade folgt Hyundai dem Wunsch nach noch mehr Luxus im noblen SUV-Stil. In zweiter Generation übernimmt das auf über fünf Meter gewachsene Edel-SUV die Rolle des Flaggschiffs in der Hyundai-Familie und gilt bereits als so etwas wie der heimische Range Rover mit Stallgeruch. Was der Palisade optisch fraglos einlöst.

Geteilte Freude: In der Stadt verwöhnt der Hyundai Palisade, auf der Autobahn stört der raue Motorklang dann doch.
Bild: Hyundai Motor Company
"Bold" nennen Amerikaner das Auftreten solcher SUV im Super-Size-Format. Also stämmig, bullig. Die breite Front mit großem Grill und horizontalem Tagfahrlicht sowie die lang gezogene Seitenlinie mit nach hinten leicht abfallendem Dach und gebürstetem Chromeinsatz an der C-Säule tragen sicher nicht ganz zufällig Design-Insignien des britischen Vorbilds zur Schau. Wer den großen Auftritt mag, findet im Palisade den passenden Anzug.
Der Palisade setzt auch auf klassische Knöpfe
Vorgestellt erst im April 2025 auf der New York Auto Show, ist der neue Palisade bereits im Straßenbild Seouls sichtbar. Die Plattform teilt sich der große Wagen mit dem Santa Fe, der bei uns ja die Hyundai-Hierarchie anführt. Der Kunde kann zwischen Heck- und Allradantrieb wählen. Da der Palisade aber noch einmal ein ganzes Stück länger ist als der Santa Fe und auch die Positionierung deutlich mehr in Richtung Luxus geht, sieht Hyundai für ihn derzeit keine Marktchancen in Europa. Deshalb wird er vorerst nur in Korea, den USA, Kanada und Australien angeboten.

So nobel war bisher kein Hyundai: volle Hütte im Palisade – und zum Glück noch echte Knöpfe für die wichtigsten Funktionen.
Bild: Hyundai Motor Company
Interessant ist er allemal, denn so viel Wohlgefühl bot bislang noch kein Hyundai. Je nach Bedarf lässt sich der üppig mit Leder ausgeschlagene Innenraum als Fünf- bis Neunsitzer (mit integriertem Babysitz in der vorderen Mittelkonsole) konfigurieren.
In der gefahrenen Topversion "Calligraphy" steckt die Hütte voller Leckereien, die das Leben auf Rädern angenehm machen. Die Sitze in Reihe eins und zwei sind elektrisch verstellbar, beheizt, belüftet und mit einer Massagefunktion versehen. Selbst die dritte Reihe lässt sich auf Knopfdruck elektrisch verschieben und einklappen. Dann entsteht ein Cargo-Laderaum, in dem gefühlt ein Kleinwagen parken könnte.
Am Fahrerplatz sind die wichtigsten Funktionen direkt über Schalter anwählbar, das Doppel-Display ist eher kompakt als aufdringlich groß und folgt gängiger Bedienung. Also so wie früher mal. Wer aus der Autowelt vieler aktueller Modelle umsteigt, findet hier den wertestabilen Gegenentwurf. Gut so.

Hier sitzt (normalerweise) der Boss: Hinten rechts ist in Korea der Chefsessel, auch im Hyundai Palisade gibt's reichlich Platz und Luxus.
Bild: Hyundai Motor Company
Natürlich nutzt auch der Palisade den digitalen Baukasten von Hyundai und bietet den Passagieren vom Wi-Fi-Hotspot über eine ganze Armada von Assistenzsystemen vieles, was auf diesem Gebiet heute als smart gilt. Insgesamt ist der Korea-Rover einer, der seine Passagiere verwöhnen und beruhigen, aber keinesfalls aufregen möchte.
An Platz mangelt es dem Palisade wahrlich nicht
Der neue 3,5-Liter-V6 mit 287 PS dürfte ein passender Partner für diese Mission sein, stand aber noch nicht zur Verfügung. Alternativ geht der Palisade erstmals mit einem Hybrid auf Strecke, der das randvoll mit Wohlstand gefüllte SUV in erster Linie von unsittlichen Trinkgelagen abhalten soll. Hier muss ein 2,5-Liter-Turbo-Vierzylinder mit 258 PS reichen, unterstützt von zwei in die Sechsstufenautomatik integrierten E-Motoren. Die Systemleistung gibt Hyundai mit 329 PS an. Sie bringt das SUV zwar nicht zum Fliegen, darf aber als "vernünftig motorisiert" gelten.
Bei gleichmäßigem Tempo benimmt sich das gemischte Doppel vorbildlich und ist auf einen möglichst hohen elektrischen Fahranteil ausgelegt. Übergänge vom Verbrenner zum E-Antrieb erfolgen leise und kaum spürbar. Die spontane Beschleunigung jedoch raubt dem Palisade eine Menge seines Zaubers. Selbst Doppelverglasung und aufwendige Dämmung können dann nicht kaschieren, dass weder Lautstärke noch Tonlage des Vierzylinders zu einem Luxus-SUV passen, das der feinen Gesellschaft von Mercedes, BMW oder Range Rover seine Visitenkarte hinterlegen möchte.

Es fehlt der Feinschliff: Ohne Luftfedern und adaptive Dämpfer passt der Komfort nicht zur noblen Erscheinung des Hyundai Palisade.
Bild: Hyundai Motor Company
Auch der Fahrkomfort erfüllt nur bedingt die hohen Erwartungen, die ein so stattliches Auto wie der Palisade nun mal weckt. Aus Kostengründen verzichtet Hyundai auf adaptive Dämpfer oder ein Luftfederfahrwerk, was in dieser Klasse eigentlich Standard ist. Die konventionellen Stahlfedern machen ihre Sache zweifellos ordentlich, bemühen sich um ein harmonisches Auskommen mit den Passagieren und lassen den Palisade nicht um Kurven taumeln. Dafür gerieten Federn und Dämpfer aber recht straff, was bei Querfugen oder Schlaglöchern zu wenig standesgemäßem Poltern führt.
Beim Komfort zeigt der Palisade Defizite
Das können andere besser – die kosten aber auch schnell das Dreifache. Auf dem hart umkämpften US-Markt startet der Palisade für umgerechnet etwa 32.000 Euro. In Korea liegt der Basispreis noch mal 4000 Euro darunter. Dafür bietet das riesige Korea-SUV ein überragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Und jede Menge Status.
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