Der Staub steht meterhoch in der Luft, die Büsche kratzen am Unterboden, die Kiesel in den Radkästen rappeln wie der letzte Groschen in der Spardose – und nach fünf Minuten prangt der Dreck so dick auf dem Blech wie die Panade auf Wolfgang Pucks Wiener Schnitzeln.
Willkommen in der Mojave-Wüste, willkommen im Hyundai Santa Cruz. Hier im staubigen Sandkasten der Los Angelitos bitten die Koreaner zur Testfahrt mit ihrem kleinen Pick-up, und der Pritschenwagen wird zum perfekten Spielzeug für echte Dreckskerle. Denn während die Fullsize-Trucks aus Detroit allen Lifestyle-Ambitionen zum Trotz in erste Linie noch immer Arbeitsgeräte für Farmer, Handwerker und Viehzüchter sind, ist der Santa Cruz mit seinen knapp fünf Metern eher zwei Nummern kleiner und will nur spielen. Aber das bitte recht schmutzig.

Hyundai Santa Cruz XRT: rustikaler Plastikbomber

Erst recht in der XRT-Version, die als rustikaler Plastikbomber seit zwei Jahren die Modellpalette bereichert und den Santa Cruz tatsächlich in die Pampa lockt: Dann trägt der koreanische Dreckskerl markante Planken am Blech, die sehr zum Leidwesen der Händler den Lack schützen sollen. Um die Pritsche haben sie eine Art Brüstung mit praktischen Haltegriffen gebaut, und aus dem Bug schauen für den Fall der Fälle und natürlich für den freundlichen Dienst an weniger geländegängigen Verkehrsgenossen zwei massive Abschlepphaken hervor.
Hyundai Santa Cruz XRT
Mit dem Santa Cruz beweist Hyundai in den USA, dass auch ein kleiner Pick-up bereit ist für große Abenteuer.
Bild: Hyundai
Aber der XRT will mehr sein als nur schöner Schein. Deshalb gibt es zur Achtgang-Automatik selbstredend einen Allrad. Und weil es für eine Untersetzung genauso wenig reicht wie für eine mechanische Differenzialsperre, hat Hyundai immerhin ein paar unterschiedliche Fahrprogramme für verschiedene Untergründe programmiert, lässt das Ausschalten von ESP und Co zu und spendiert dem Santa Cruz sogar eine Bergabfahrhilfe.

Als XRT leistet der Pick-up 281 PS

Vor allem aber gibt es ordentlich Power. Wo der 2,5 Liter in der Basis gemächliche 191 PS aus seinen vier Zylindern schüttelt, kommt er im XRT auf 281 PS und geht entsprechend engagierter zur Sache. Zwar sind bei den Koreanern genau wie bei ihren US-Kollegen die technischen Daten ein bisschen dürftig. Aber egal ob es jetzt sechs oder acht Sekunden bis Tempo 100 sind: Der Antritt reicht allemal, um eine dicke Staubwolke vor die kalifornische Sonne zu legen. Und wer hier in der Wüste schneller als 100 fährt, ist selber schuld.
Hyundai Santa Cruz XRT
Der XRT kommt auf 281 PS und geht entsprechend engagierter zur Sache.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Denn erstens ist das in Meilen schon ganz schon flott, wenn es über Stock und Stein geht, zweitens werden dann aus Bodenwellen schnell mal Sprungkuppen, die auch den deutlich verstärkten Tucson-Rahmen irgendwann überfordern könnten. Und drittens schlagen die trockenen Tumbleweed-Büsche dann so hart ein, dass auch die etwas tiefer ausgeschnitten Sitze nichts helfen.
Natürlich gibt es Pick-ups, die mehr draufhaben. Est recht in Amerika, der Heimat von Haudegen wie Ford F-150, Chevrolet Silverado, Ram 1500 und Tesla Cybertruck. Zumal die Ladefläche kaum groß genug ist für das, was der gemeine Amerikaner zum Barbecue unter dem Joshua Tree schleppt. Aber immerhin passt ein Surfbrett drauf, was wichtig ist, wenn man in Kalifornien bestehen will und wenn man sich nach jener Küstenstadt benennt, in der das Surfen angeblich erfunden wurde.
Hyundai Santa Cruz XRT
Los geht der Spaß bei 28.000 Dollar, und selbst der zum rustikalen Lifestyle-Laster aufgerüstete XRT steht mit nur 40.000 Dollar in der Preisliste.
Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD
Selbstredend gibt es in diesem Format auch SUV mit mehr Platz als in diesem Viertürer, in dem es für Hinterbänkler nicht erst bei flotter Fahrt durchs Gelände unbequem wird. Das fängt beim Teilespender Tucson an und ist beim Atlas, mit dem VW die Amerikaner bei der Stange halten will, noch lange nicht zu Ende.
Aber es gibt kaum ein anderes Auto, das wie Burger und Fritten, Bier und Baseball oder Freiheit und Statue die beiden beliebtesten Fahrzeuggattungen so gut kombiniert – und das zu einem fast schon lächerlichen Preis. Denn los geht der Spaß bei 28.000 Dollar, und selbst der zum rustikalen Lifestyle-Laster aufgerüstete XRT steht mit nur 40.000 Dollar in der Preisliste. Dafür gibt’s bei uns nicht mal den VW Amarok – und der ist weder so cool wie der Koreaner, noch macht er beim Fahren so viel Laune.