IAA 2007, Teil 5
Was für täglich

Neben Sparmobilen und Sportskanonen zeigt die IAA 2007 jede Menge sehenswerte Neuheiten in den Brot- und Buttersegmenten: Kleinwagen, Kompakte, Komfortable. Hier die neuen Bestseller.
- Stephan Bähnisch
Es gibt sie massenhaft, die Herzensbrecher der IAA. Ein auf 4,70 gestreckter Audi A4 mit atemberaubenden Linien muss nicht lange um Aufmerksamkeit buhlen, der Fiat 500 mit Knutschkugel-Faktor schon gar nicht. Die rollende Verlockung steht im Mittelpunkt des Fiat-Stands, wenn nicht sogar im Mittelpunkt der Messe: Kaum ein Auto ist permanent so umringt. Doch auch "Nutztiere" wie der neue Renault Kangoo haben ihren Reiz und vor allem einen hohen Alltagswert. Der Urvater der lifestyligen Kastenwagen rollt jetzt auf der Plattform des Scénic, entsprechend wuchs der Franzose auf 4,20 Meter Länge und toppt den Vorgänger gleich um 18 Zentimeter. In der Breite legt er um 16 Zentimeter zu, die Insassen registrieren sofort den Raumgewinn. Die Front des Kangoo II fällt eher brav aus, Lifestyle geht anders. Wie, das zeigt die Renault-Studie Compact Concept, ein Vorgriff auf den verkürzten, dreitürigen Kangoo. Auch der neue Laguna trägt die neue grillfreie Renault-Schnauze. Mit 4,70 Meter Länge hat er ordentlich Platz. Kombi und Limousine punkten durch ihren hochwertigen Innenraum. Seit Vel-Satis-Zeiten Benchmark: die stylische Holztäfelung mit Intarsien. Freuen dürfen wir uns schon jetzt auf den Dreiliter-Diesel, der im kommenden Jahr Einzug in die Laguna-Familie mitsamt Grandtour und Coupé hält: 265 PS und 550 Newtonmeter Drehmoment versprechen Fahrspaß satt. Für die Kleinfamilie hat Renault den Clio Grandtour aus der Traufe gehoben. Als Konkurrent zu Fabia Combi und Peugeot 207 SW kommt er in wenigen Wochen. Mit drei Benzinern und drei Dieseln, die 75 bis 112 PS leisten.
Der Mazda6 lockt mit sexy Kurven, der Mini Clubman verführt Generationen

Bild: Christian Köster
Kia legt einen schnittigen Dreitürer nach, Ford macht den Focus modern

Bild: Bernd Ahrens
Manche Premiere geht so unauffällig vonstatten, dass die versammelte Presse sie kaum bemerkt. Ford hat den Focus überarbeitet, der Kölner kommt Ende 2007 mit frischem Grill in "Kinetic"-Design, LED-Rückleuchten, Mondeo-ähnlichen Scheinwerfern und hochwertiger anmutenden Materialien im Innenraum. Neu ist auch das "Ford Power Shift" genannte Doppelkupplungsgetriebe mit sechs Gängen. Weiter zu Nissan: Nach langem Zaudern haben die Japner den Almera-Nachfolger Tiida nach Europa gebracht, um die Käufer zu locken, denen ein Qashqai zu flippig ist. Der 4,20 Meter lange Kompakte bietet mit seiner um 24 Zentimeter verschiebbaren Rückbank reichlich Platz im Innenraum. Mehr als genug davon hat der VW Caddy Maxi. Gegenüber dem "normalen" Heimwerker-Touran wächst er gut einen halben Meter auf 4,88 Meter. Radstand: glatte drei Meter. Daihatsu hat still und leise den neuen Cuore enthüllt. Generation acht ist überschaubare 3,47 Meter lang und wird wie der Vorgänger von einem sparsamen Dreizylinder-Motörchen befeuert, das 70 PS mobilisiert. Auf 3,80 Meter bringt es der Mazda2, der gegen den Trend kürzer, leichter und sparsamer ist als sein Vorgänger. Auf junge Kunden setzen auch Opel und Suzuki mit Agila und Splash, die sich Plattform und Technik teilen. Reichlich Raum bei kompakten Abmessungen soll vor allem junge Frauen in die Schauräume locken. Die Motoren leisten zwischen 65 und 86 PS. Wichtig in der Kompaktklasse: Die Premiere des Peugeot 308. Die Designer haben dem 308 eine "große Klappe" mit Haifischmaul verpasst, optisch ist die Verwandschaft zum kleinen Bruder 207 unverkennbar. An dessen Erfolg soll der 308 anknüpfen.
Die Stunde der Chinesen schlägt wohl auf den Publikumstagen
Und die Chinesen? Dezent, gemessen am Vorspiel. Die Plagiatsvorwürfe stehen immer noch im Raum, trotzdem stellen zwei Unternehmen aus. China Automobile Deutschland hat den Shuanghuan CEO enthüllt, bis auf die (Honda-)Front ein BMW-X5-Klon. Brilliance stellt den Kompakten BS2 und die Mittelklasse CB3 vor. Der große Bruder BS6, berühmt für sein Crashtest-Debakel, wurde erneut vor die Wand gefahren und erreichte immerhin drei Sterne. 2008 sollen die "neuen" BS6 nach Deutschland kommen, eine Marschroute für die anderen Modelle gibt es nicht, dafür Dumpingpreise und fraglos gefälliges Design. Schließlich verneigt sich auch Brilliance offensichtlich vor BMW und hat nach asitischen Riten abgekupfert, jedoch nicht so frech wie Shuanghuan. Letztendlich bleiben die Chinesen noch liebenswerte Exoten, die keine Bedrohung für einen Messestar wie das BMW 1er Coupé bedeuten. Und ohne solchen Exoten – wie auch Lada Priora oder Kalina – wäre die größte Automesse der Welt ein gutes Stück ärmer.
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