Ineos Grenadier: Fahrbericht
Hier darf der Grenadier mit Portalachsen zeigen, was er kann
Mit Portalachsen wird der Ineos Grenadier zum ultimativen Offroader – stärker als der Defender und mutiger als viele seiner Fahrer.
Bild: Dani Heyne
Der Staub steht dicht und hoch wie eine Mauer in der Luft, von den haushohen Felswänden hallt aus allen Richtungen ein lautes Knurren zurück, und der Boden scheint zu beben. Dann legt sich langsam der Staub. Und erst brennen sich sechs gleißende LED-Punkte in die Netzhaut, bevor darunter ein Auto sichtbar wird, dessen Fahrer das Grinsen breit bis zu den Ohrläppchen im Gesicht sitzt.
Denn heute ist Männerspieltag im Steinbruch Nieder-Ofleiden, und in Europas größtem Basaltabbau haben sie ausnahmsweise mal die Tore geöffnet. Dort, wo vor vielen Tausend Jahren die Vogelsberger Vulkanlava einen gigantischen Krater gefüllt hat, bauen rund 40 Mitarbeiter der Mitteldeutschen Hartstein Industrie jährlich etwa eine Million Tonnen graues Gestein ab – genug für rund 40.000 Lastwagen oder 250 Güterzüge.

Staub, Steine, Stahl – der Grenadier fühlt sich im Steinbruch wie zu Hause.
Bild: Dani Heyne
Normalerweise fahren haushohe Muldenkipper mit 60-Tonnen-Pritsche durch die riesige Grube. Doch heute darf sich hier ein Ineos Grenadier austoben – und zwar nicht irgendeiner. Damit er sich nicht ganz so klein fühlt neben den gewaltigen Gerätschaften der MHI-Mannschaft, haben die Briten den unehelichen Enkel des originalen Defender zum ersten Mal auf Portalachsen gestellt.
Vom Smart-Werk zum Offroad-Traum
Schon der normale Grenadier, gebaut im ehemaligen Smart-Werk in Hambach, fährt auf Augenhöhe mit Land Cruiser und G-Klasse. Doch nach dem Umbau bei Letech in Welzheim wird er zum ultimativen Traumwagen für Dreckskerle: Portalachsen, neue 18-Zöller mit 37-Zoll-Grobstollen von BF Goodrich – und schon reckt sich der Grenadier in den Himmel. Als Pick-up Quartermaster kostet er stolze 203.500 Euro – fast so viel wie ein gebrauchter Komatsu 605.

Portalachsen heben den Grenadier auf ein neues Level – wortwörtlich.
Bild: Dani Heyne
Das Einsteigen ist nach dem Umbau zwar beschwerlich, doch der Ausblick entschädigt: Man schaut hochnäsig auf den normalen Grenadier herab und muss beim Blick zum Caterpillar keine Genickstarre mehr fürchten. Trotzdem bleibt der Größenunterschied gewaltig – der Grenadier reicht dem Muldenkipper kaum über die Radnabe.
Von Baggern, Radladern und Silos hält man besser Abstand – zu groß, zu mächtig, zu gefährlich. Besonders der Bohrbagger, der die 24 Meter hohe Abbruchkante perforiert, bereitet dem Sprengmeister den Weg für die regelmäßigen Detonationen, die den Basaltboden beben lassen.
Grenadier auf neuen Höhen
Vor den Geröllhalden muss der Grenadier jetzt keine Angst mehr haben: Die Bodenfreiheit steigt auf 45 Zentimeter, Wasserdurchfahrten bis 1,05 Meter meistert er problemlos. Für den Rest haben wir schließlich mal das Seepferdchen gemacht.

Hochsitz-Feeling inklusive: Der Blick aus dem Grenadier ist nichts für Höhenängstliche.
Bild: Dani Heyne
Die Schwimmflügel bleiben im Handschuhfach – heute geht es trocken über haushohe Steinhaufen. Mit Untersetzung und gesperrten Differenzialen wühlt sich der BMW-Diesel mit 249 PS und 550 Nm durch den Dreck. Zwar reicht er nicht an die 27-Liter-Motoren der Muldenkipper heran, aber mit 160 km/h Spitzentempo ist er deutlich flotter unterwegs.
Spielplatz mit begrenztem Radius
Normale Geländewagen und SUV werden den Basalt erst später unter den Rädern haben – wenn er im Straßenbau verarbeitet wurde. Der Grenadier dagegen kraxelt direkt los. Und man ärgert sich fast, dass der Steinbruch nicht noch weiter in den Vogelsberg reicht.

Wo sonst Muldenkipper regieren, zeigt der Grenadier, was echter Offroad-Ehrgeiz ist.
Bild: Dani Heyne
Nach drei Stunden Sommerhitze ist der Ineos zwar staubverkrustet und die Stimmen krächzen, doch der Tank ist noch halb voll – und keiner will aufhören. Außer Betriebsleiter Schäfer, der streng auf die Uhr schaut. Denn jetzt übernehmen wieder die Bagger und Muldenkipper, um den Basalt für neue Straßen bereitzustellen. Schließlich kommt nicht jeder so gut durch dick und Sinn wie der Grenadier.
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