Die Zeiten ändern sich: In der Lackiererei brauchen sie bald deutlich mehr Farbe. Und in der Montagehalle müssen Transportschienen unter der Decke an ein ungleich größeres und schwereres Auto angepasst werden. Ein Werk im Wandel. Wo die Uhren ein ganzes Stück zurückgedreht werden.
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Wir sind in Hambach, dem ehemaligen "Smartville", wie das Industriegebiet hinter der französischen Grenze seit 25 Jahren genannt wird. Weil dort nicht nur das einst neuartige "City-Coupé" gebaut wurde, sondern sich auch die Zulieferer um die Fabrik herum ansiedelten. Im Jahre 1997 sollte das ein neues Konzept für Stadt-Mobilität sein – und für die Art, wie Autos in Zukunft gebaut werden. Die Wagen klein und ökologisch, ihre Herstellung schlank und ökonomisch.
Ineos Werk
Smartville: die Werk-Stadt von oben.

Das war einmal. Dirk Heilmann steht zwischen den Rohkarossen eines gewaltigen Geländewagens und erklärt: "Wir wollen investieren, sanieren, besser machen." Heilmann ist der Boss von Ineos Automotive, dem britischen Hersteller des Grenadier. Eines Anti-Smart.
Heilmann ist Quereinsteiger. Zwar seit 20 Jahren bei Ineos, bislang jedoch im Bereich Petrochemie. Stolz ist er, dass sie hier in nur 13 Monaten die Transformation einer Fabrik hinbekommen haben.

Brexit und Land Rover-Fan kauft "Smartville"

Das Projekt Grenadier mutet auf den ersten Blick an wie das Spielzeug eines zu reichen Mannes. Jim Ratcliffe (69) hat seine Milliarden mit seinem Chemie-Konzern Ineos gemacht. Und weil der Brite schon immer ein großer Fan des alten Land Rover Defender ist, beschließt er, als das Kult-Modell 2016 eingestellt wird, selbst einen solchen Geländewagen zu bauen. Auf der Suche nach einer Fabrik stößt er auf Hambach. Daimler will die Smart-Herstellung nach China verlegen und verkauft Brexit-Fan Ratcliffe "Smartville".
Ineos
Drecksjob: Redakteur Schrieber in einem Vorserien-Grenadier auf kurzer Offroad-Testfahrt.

Was der daraus macht, ist nicht mehr smart, sondern eher altmodisch: Hier entstehen gerade die Vorserienautos eines groben Geländewagens, fast drei Tonnen schwer, optisch kaum vom klassischen Defender zu unterscheiden. Unter der Haube BMW-Sechszylinder. Verbrauch? Ach, reden wir lieber davon, wie viel ein Grenadier ziehen kann. Über die CO2-Grenzwerte macht man sich keine Sorgen. Geplant seien schließlich nur rund 30.000 Verkäufe jährlich in Europa. Und außerdem sei eine Brennstoffzellen-Version geplant.

Übergang von Smart zu Ineos verläuft reibungslos

Umstellen müssen sich jene Arbeiter, die statt Smart in Zukunft Grenadier bauen. In Arbeitskleidung mit "Smart"-Aufdruck werden sie geschult, wie Starrachsen montiert, Dreilitermotoren eingebaut werden. Während die andere Hälfte der gut 1000 Arbeiter keine 50 Meter neben ihnen immer noch die letzten elektrischen Smart zusammensteckt. Heilmann schaut zu und sagt: "Das war ein großer Schock für die Arbeiter, von einer globalen E-Marke zum neuen Player." Ein Mann in der Lackiererei sagt: "Der Übergang von Smart zu Ineos verlief erstaunlich reibungslos." Die Alternative für ihn wäre: Arbeitslosigkeit.
Ineos CEO
"Zulieferer sind hier in Gefahr. Das muss man klar so sagen. Aber wir gehen das Ganze wohlwollend an." Dirk Heilmann, CEO Ineos Automotive.

Derartige Sorgen sollten sich die angrenzenden Zulieferer machen. Deren Zukunft in Lothringen ist ungewiss. Ineos' Auto-Boss Heilmann macht da niemandem etwas vor: "Die Zulieferer sind in Gefahr. Muss man klar so sagen."
Was aus Smartville wird, fasst der Manager eher nüchtern zusammen: "Bisher wurden hier kleine Autos gebaut, aber immerhin so was wie Autos." Dann lächelt Heilmann und ergänzt: "Jetzt bauen wir hier halt größere Autos."

Technische Daten und Preis: Ineos Grenadier

Motor: Dreiliter-Reihensechszylinder, Benzin o. Diesel
Leistung: 285 PS (Benzin), 249 PS (Diesel)
max. Drehmoment: 450 Nm (Benzin), 550 Nm (Diesel)
Antrieb: Allradantrieb/Achtstufen-Wandlerautom.
Leergewicht: ca. 2,7 t
L/B/H: 4927/1930/2033 mm
Anhängelast: 3500 kg
Wattiefe: 800 mm
Preis: ab ca. 60.000 Euro