Interview mit Günter Verheugen

Interview mit Günter Verheugen

"Wasserstoff für saubere Stadtluft"

Die Forschung bezüglich sinvoller alternativer Antriebe läuft derzeit bei den Auto-Herstellern auf Hochtouren. AUTO BILD sprach mit EU-Kommissar Günter Verheugen über Vor- und Nachteile von Wasserstoffautos.
Die EU hat beschlossen, die Forschung in Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technologien mit 470 Millionen Euro zu fördern. Ein guter Teil des Geldes geht auch in die Entwicklung von Wasserstoffautos. Die könnten in Zukunft eine willkommene Alternative zu Fahrzeugen, die mit fossilen Kraftstoffen angetrieben werden, sein. Über Vorteile und Risiken dieser Technologien sprach AUTO BILD mit EU-Industriekommissar Günter Verheugen. AUTO BILD: Die EU will die Entwicklung von Wasserstoffautos mit 470 Millionen Euro fördern, obwohl die Erzeugung von Wasserstoff zurzeit noch alles andere als CO2-neutral ist. Warum? Verheugen: Zunächst muss ich richtigstellen, dass sich die Förderung der EU in Höhe von 470 Millionen Euro nicht nur auf Autos, sondern auf Wasserstoff und Brennstoffzellen insgesamt bezieht. Wir fördern diese Technologie, weil sie in der Zukunft möglicherweise eine wichtige Alternative zu den fossilen Kraftstoffen liefert und zudem als Energieträger genutzt werden kann. Für die Luftqualität in Städten bringen wasserstoffgetriebene Fahrzeuge in jedem Fall eine deutliche Verbesserung. Aber wir müssen die gesamten Umweltbelastungen – von der Produktion des Wasserstoffs bis zu seiner Nutzung – berücksichtigen. Hier sind noch viele offene Fragen zu beantworten.

Sehen so die Zapfpistolen der Zukunft aus? Ein BMW Hydrogen 7 dockt an einer Wasserstofftankstelle in München an.

Bergen nicht Aufbereitung, Lagerung und Betankung von Wasserstoff erhebliche Risiken? Produktion und Lagerung von Wasserstoff werden in der Industrie seit langem praktiziert. Für die sichere Betankung von Wasserstoffautos existieren Standards, die gewährleisten, dass kein Wasserstoff austritt. Wasserstoffgetriebene Busse und Pkw fahren bereits auf unseren Straßen, ohne dass es zu Unfällen gekommen ist. Um eine sichere Verbreitung dieser Technologie zu ermöglichen, hat die EU vor Kurzem einen Vorschlag für die Typenzulassung wasserstoffgetriebener Fahrzeuge vorgelegt. Darüber hinaus finanziert die Kommission ein Forschungsprojekt mit, an dessen Ende ein Handbuch über alle Sicherheitsfragen bei Wasserstofftankstellen stehen wird.
Wann stehen die ersten Wasserstoffautos beim Händler? Die Technologie ist heute bereits vorhanden. Auch die Sicherheit solcher Fahrzeuge ist gewährleistet. Aber bevor das Wasserstoffauto eine echte Alternative für den privaten Käufer werden kann, stehen noch wichtige Schritte aus. Die Technologie muss weiterentwickelt werden, etwa um kleiner und leichter und vor allem erschwinglich zu werden. Und es bedarf einer verbesserten Infrastruktur mit ausreichend Wasserstofftankstellen in ganz Europa. Das kann leicht 15 bis 20 Jahre dauern.
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