Isdera Imperator 108i: Auktion
Nein, dieser Supersportwagen ist kein Mercedes

Prototyp-Look trifft auf Großserien-Technik: Der Isdera Imperator 108i gilt als inoffizieller Nachfolger des Mercedes 300 SL und soll nur 30 Mal gebaut worden sein!
Bild: Robin Adams ©2026 Courtesy of RM Sotheby's
Gegen diesen Exoten wirken selbst Supersportwagen vom Schlage eines Lamborghini Countach oder Ferrari Testarossa fast wie Großserienmodelle. Vom Isdera Imperator 108i sollen lediglich 30 Exemplare gebaut worden sein. Eines davon wird nun vom renommierten Auktionshaus RM Sotheby's versteigert.
Aufgrund seiner markanten Flügeltüren wurde der Imperator seinerzeit als indirekter Nachfolger des legendären Mercedes 300 SL gehandelt, dabei hatte Mercedes offiziell keinerlei Anteil an der Entstehung des spektakulären Imperator. Die Marke Isdera wurde 1982 von Eberhard Schulz gegründet, doch die Geschichte beginnt bereits in den 1970er-Jahren – mit dem bb CW 311, der dem Imperator zum Verwechseln ähnlich sieht.
Der CW 311 war der Vorreiter
1978 präsentierte die Firma bb den CW 311, entwickelt und gebaut von Rainer Buchmann und Eberhard Schulz. Über einen Gitterrohrrahmen spannte sich eine Karosserie aus Glasfaser, die sich optisch stark an die Versuchsfahrzeuge der Mercedes-C111-Reihe anlehnte. Passend dazu arbeitete im Heck ein großvolumiger V8, von AMG überarbeitet und mit angeblich 375 PS Leistung. Die Kraftübertragung übernahm eine Fünfgang-Handschaltung von ZF. Zudem kamen zahlreiche Porsche- und Mercedes-Teile bei dem Einzelstück zum Einsatz.
Und auch wenn Mercedes bis zur Enthüllung nichts von dem Projekt gewusst haben will, wurden keine rechtlichen Schritte gegen die nicht genehmigte Verwendung des Mercedes-Sterns an der Front eingeleitet. Trotz äußerst positiver Reaktionen blieb der CW 311 ein Prototyp – und gilt heute als verschollen.

Der bb CW 311 sieht dem sechs Jahre später gezeigten Isdera Imperator sehr ähnlich. Dass das Einzelstück seinerzeit einen Stern im Kühlergrill trug, war nicht mit Mercedes abgesprochen. Das Publikum nahm den CW 311 aber so begeistert auf, dass Mercedes von Sanktionen absah und seinen Segen gab.
Bild: Werk
Sechs Jahre später schaffte es das Konzept dann doch noch in eine Kleinserie: als Isdera Imperator 108i. Der ehemalige Porsche-Entwickler Eberhard Schulz hatte sich inzwischen mit Isdera selbstständig gemacht und präsentierte nach dem radikalen Spyder 036i die weiterentwickelte Neuauflage des CW 311 unter neuem Namen.
Sogar Giugiaro war beeindruckt
Das schnörkellose Design mit Flügeltüren und Periskop-Spiegel auf dem Dach wurde nur behutsam modifiziert. Dennoch schlug der Isdera bei seinem Debüt auf dem Genfer Autosalon 1984 ein wie eine Bombe. Der Legende nach soll sogar Design-Altmeister Giorgetto Giugiaro auf Schulz zugegangen sein und gesagt haben: "Ihr Imperator ist wie die abgesenkte Nase einer Concorde im Landeanflug!"

Kaum zu glauben, dass das Grunddesign des Imperator vor knapp 50 Jahren erstmals gezeigt wurde.
Bild: Robin Adams ©2026 Courtesy of RM Sotheby's
Über einen Zeitraum von neun Jahren sollen insgesamt 30 Imperator 108i in Handarbeit entstanden sein. Das technische Grundrezept – Gitterrohrrahmen plus Mercedes-V8 als Mittelmotor – blieb erhalten, die Fahrzeuge wurden jedoch kontinuierlich weiterentwickelt. So gleicht kein Imperator dem anderen.
RM Sotheby's versteigert am 27. Februar im Rahmen der Miami-Auktion einen Imperator – eine seltene Gelegenheit für Sammler, die (fast) schon alles besitzen.
Bei dem silbernen Exemplar handelt es sich um ein Fahrzeug aus dem Baujahr 1991. Kenner sprechen von der zweiten Serie, erkennbar unter anderem an den Klappscheinwerfern und den Doppelendrohren auf der Beifahrerseite – eine Reminiszenz an den legendären Mercedes 300 SLR. Schade aus Puristensicht: Der charakteristische Periskop-Rückspiegel wich hier konventionellen Außenspiegeln. Die markanten Flügeltüren blieben jedoch erhalten.

Bei geöffneter Motorhaube ist die Gitterrohrrahmen-Konstruktion gut zu erkennen. Der 5,0-Liter-V8 sitzt hinter Fahrer und Beifahrer und soll 300 PS leisten.
Bild: Robin Adams ©2026 Courtesy of RM Sotheby's
Mercedes-V8 mit 300 PS
Im Heck dieses 108i arbeitet ein 5,0-Liter-V8 von Mercedes. Dabei handelt es sich um den M119 genannten Achtzylinder-Saugmotor, der 300 PS leistet und seine Kraft über eine Fünfgang-Handschaltung an die extrabreiten Hinterräder (345/35 ZR15) schickt. Je nach Baujahr sollen die 108i zwischen 235 und 330 PS stark gewesen sein; später soll Schulz sogar ein Upgrade auf 410 PS angeboten haben.

Das Cockpit ist auf den Fahrer zugeschnitten, interessant ist die offene Schaltkulisse des Fünfgang-Getriebes.
Bild: Robin Adams ©2026 Courtesy of RM Sotheby's
Die Historie dieses Imperator ist lückenlos dokumentiert. Ursprünglich wurde die Flunder nach Japan ausgeliefert, gelangte später über Großbritannien zurück nach Deutschland und wurde dort teilrestauriert. 2021 ging der Isdera an einen französischen Sammler, bevor er kürzlich in die USA importiert wurde. Seit seiner Auslieferung vor rund 35 Jahren wurde der Wagen offenbar kaum bewegt – anders lässt sich der nahezu jungfräuliche Kilometerstand von lediglich 2218 Kilometern kaum erklären.
So hoch ist der Schätzpreis
Im Vorfeld der Auktion haben die US-Spezialisten von Canepa Motorsports den Imperator gecheckt und gewartet. Der Schätzpreis liegt umgerechnet bei 550.000 bis 720.000 Euro (650.000 bis 850.000 US-Dollar). Sehr viel Geld – doch angesichts des anhaltenden Hypes um 90er-Jahre-Exoten auf dem US-Markt erscheint es keineswegs unwahrscheinlich, dass der Imperator diese Marke übertreffen könnte.
Denn wo sonst gibt es die Kombination aus futuristischem Prototyp-Look und zuverlässiger Mercedes-Großserientechnik?
Und wer sich fragt, wie ein Isdera Imperator fährt – hier geht's zum Fahrbericht.
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