Halt, So ganz stimmt das nicht  mit dem einzigen Modell bei Isuzu. Denn neben dem D-Max bietet Isuzu Deutschland auch den N an, einen 7,5-Tonnen-Lkw mit einem 5,2 Liter großen Vierzylinder-Turbodiesel und 190 PS. Richtiger Lkw-Bau, der zeigt, was Isuzu eigentlich war und ist: ein Lastwagen- und Motorenhersteller.
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Bis 2002 produzierten die Japaner zwar auch Pkw, die aber meist nur als Lizenzbau englischer Marken, später via Kooperation mit General Motors und dessen früheren Marken Opel und Vauxhall. Doch richtig groß wurde Isuzu (benannt nach einem berühmten Fluss auf der japanischen Hauptinsel Honshu) im Lkw-Bau. In Europa und Deutschland wurde Isuzu zu Beginn der 1980er-Jahre vor allem durch seinen Geländewagen Trooper bekannt. ( Gewichtsbesteuerung macht Pick-ups jetzt finanziell attraktiv)

Der kleine Turbodiesel reicht im Isuzu D-Max

Den Pick-up D-Max baut Isuzu bereits seit 2002 als Nachfolger des Isuzu Campo, der bei uns auch als Opel Campo verkauft wurde. Ganz frisch ist die dritte Generation des D-Max mit dem ungewöhnlich kleinvolumigen 1,9-Liter-Turbodiesel. Das weckt zunächst Skepsis, denn schließlich gilt es, mit diesem 163-PS-Motor einen bereits leer 2185 Kilogramm schweren Pick-up zu bewegen, der satte 915 Kilogramm zuladen und noch einmal 3,5 Tonnen anhängen darf. Doch das hat schon beim Vorgänger mit dem gleichen Motor überraschend gut geklappt. Und fühlt sich beim neuen D-Max letztlich nicht anders an.
Isuzu D-Max 1.9 D
Ehrensache, dass Isuzu seinen 163-PS-Diesel selbst baut.
Isuzu versteht es, kleine Dieselmotoren geschickt per Turboladedruck so aufzupusten, dass sie viel größer wirken. Da macht auch der neue D-Max keine Ausnahme. Nach nur kleiner Anfahrverzögerung geht es ordentlich voran, und bis Tempo 150 vermisst man kaum einen größeren Motor. Ab dann legt der D-Max nur noch zäh an Tempo zu – zäh und geräuschvoll.

Leise ist der Isuzu nie

Denn die Wandlerautomatik muss im fünften von sechs Gängen bleiben, um dem Motor via höherer Drehzahlen das Letzte an Leistung herauszukitzeln. Echte 180 Sachen sind so in der Ebene drin – untermalt von einem richtigen Spektakel, der Addition aus Windgeräuschen der Karosserie und dem harten Brummen des Motors. Fährt man dagegen gemütlich, bleibt die Geräuschkulisse erträglich. Leise ist der Isuzu-Diesel allerdings nie – erst recht nicht nach dem Kaltstart, bei dem er ungerührt die Nachbarschaft aus dem Schlaf trommelt.
Isuzu D-Max 1.9 D
Mit hochgelegten Achs- und Getriebeentlüftungen hat Isuzu für ansehnliche 700 Millimeter Wattiefe gesorgt.

Doch das hat bei Isuzus Dieselmotoren ebenso Tradition wie die Sparsamkeit. Und da erfüllt der D-Max die Erwartungen voll und ganz. Der Testverbrauch von 9,2 Litern/100 km liegt im Schnitt rund einen vollen Liter unter dem namhafter Konkurrenten aus der Pick-up-Szene. Selbst bei schneller Fahrt mit hohem Vollgasanteil steigt der Verbrauch kaum über 12 Liter/100 km. Und wer besonders zurückhaltend mit dem Gaspedal umgeht, erzielt unseren Sparverbrauchswert von 7,2 Litern/100 km. Im Verein mit dem 76 Liter fassenden Dieseltank ergeben sich ansehnliche Reichweiten von im Schnitt 800 Kilometern.

Isuzu D-Max: Rustikal Konstruktion

Langstrecken sind dennoch nicht gerade die Paradedisziplin des in Thailand gefertigten Pick-ups. Wie praktisch alle Vertreter dieses Genres ist der D-Max eigentlich ein Dritte-Welt-Auto – geschaffen, um etliche Jahre mit einem Minimum an Wartungsaufwand tagein, tagaus schwere Lasten über üble Pisten zu transportieren.
Entsprechend rustikal fällt die Konstruktion aus: stählerner Leiterrahmen mit darauf aufgeschraubter Kabine und Ladepritsche, dazu ein Fahrwerk mit hinterer Starrachse an Blattfedern. So fuhren die meisten Autos schon vor 90 Jahren herum, als die Straßen außerhalb der Städte auch bei uns noch bessere Feldwege waren. Ein tiefes Schlagloch darf da nicht das Ende der Fahrt mit abgerissener Radaufhängung bedeuten – und in dieser Tradition verharren Pick-ups noch heute.
Isuzu D-Max 1.9 D
In Verbindung mit der kürzeren Space-Cab-Kabine wächst die Pritschenlänge auf 1805 mm.

Es wirkt ungemein beruhigend, wenn man zusieht, wie sich Pkw-Lenker auf Baustellen im Schritttempo über eine Asphaltschnittkante zittern, während der D-Max über dieselbe Kante zwar derbe drüberhopst, aber mit dem zehnfachen Tempo, ohne Schaden zu nehmen. Der Nachteil einer solchen Robustkonstruktion: Auch auf frisch aufgebügeltem Asphalt herrscht ständig Bewegung in der Fuhre.

Pick-up auch komfortabel für Passagiere

Wer also 600 bis 800 Kilometer am Stück mit dem D-Max abreiten will, muss schon ein wenig Nehmerqualitäten haben. Dabei liegt es bestimmt nicht am Raumangebot. Vorne sitzt man erhaben und großzügig untergebracht im D-Max. Nur die Fahrerbeine sollten nicht zu lang sein, denn der Verstellbereich fällt eher knapp aus. 
Dafür gibt es kaum Beschwerden von den Mitfahrern. Das ist nicht selbstverständlich bei Pick-ups, nicht einmal bei viertürigen Doppelkabinern wie dem Testwagen. Doch der D-Max überzeugt hier mit dem richtigen Winkel von Sitzfläche und Lehne, sodass es die Passagiere auch mehrere Hundert Kilometer im Fond aushalten.

Zweitürige Kabine Space Cab mit hinteren Notsitzchen

Wer dagegen nur im Notfall Platz für zusätzliche Mitfahrer braucht, kann statt des Doppelkabiners die zweitürige Kabine namens Space Cab mit hinteren Notsitzchen bestellen. Die sind zwar legal, weil mit Gurten versehen, aber eine Qual für Erwachsene auf Strecken von mehr als zehn Minuten. Dafür gewinnt man rund 30 Zentimeter Platz auf der Ladefläche. Denn Pick-up-typisch bleiben Radstand und Gesamtlänge bei den verschiedenen Karosserieversionen stets gleich, nur das Verhältnis von Kabinenlänge und Pritschenlänge variiert.

Mehr Platz durch offene Pritschenklappe

Beim getesteten Doppelkabiner bleiben gut 1,50 Meter Innenlänge auf der Pritsche übrig, was für den Transport eines ausgewachsenen Motorrads oder Rollers eigentlich zu wenig ist. Lösung: Man lässt die nach unten schwenkende Pritschenklappe offen, sodass sie waagrecht nach hinten steht und die Pritsche um einen halben Meter verlängert. Es ist zulässig, so zu fahren, denn es wird weder die Sicht auf die Heckleuchten noch auf das Kennzeichen verdeckt.
Isuzu D-Max 1.9 D
Echte Tasten, Zusatzfach oben auf der Armaturentafel: Hier findet sich jeder schnell zurecht.

Empfindlichere Transportgüter würde man gegen die Witterung schützen wollen. Und dann muss man bei Pick-ups nachdenken: Soll es ein Hardtop für 2.500 Euro sein? Es schützt zwar die Ladung perfekt vor Wetter und Diebstahl, man kann aber sehr hohes Ladegut nicht mehr transportieren. Also lieber ein Pritschenrollo für 1.700 Euro? Dann bleibt der Pick-up flexibel, auch für Bike und Schrank, aber nur maximal 45 Zentimeter hohes Gepäck lässt sich geschützt transportieren. Hier muss der Pick-up-Besitzer selbst entscheiden.

Bremst schlecht, kann aber Kurven

Einen entschlossenen Fahrer verlangt auch das Fahrwerk des Isuzu. Typisch für Pick-ups ist die mäßige Bremswirkung. Aber muss der D-Max gleich derart schlecht verzögern? Andere Pick-ups können das besser. Dafür fährt der japanische Thai problemlos um Kurven, wenn man sich an die indirekte und gefühlsarme Lenkung gewöhnt hat. Das gilt sogar, falls man sich mal bei einer Kurve mit dem Tempo verschätzt. Das ESP regelt dann eifrig und versucht, die über die eingeschlagenen Vorderräder schiebende Fuhre doch noch um die Kurve zu zwingen.
Um es glasklar zu sagen: Dies ist kein Auto für Leute, die Freude an rasanter Landstraßenfahrt haben. Lieber ist man hier gemächlich unterwegs und genießt die vorbeiziehende Landschaft.

Riesig: 13 Meter Wendekreis

Gewöhnen muss man sich auch an den riesigen Wendekreis von rund 13 Metern. Der macht den D-Max zusammen mit den satten 5,27 Meter Außenlänge zur Tortur im städtischen Parkhaus. Nein, der natürliche Lebensraum eines solchen Autos ist das Land, Hier gibt es endlich genug Platz, wenngleich der Wendekreis und die Außenlänge auch in Waldpassagen hinderlich sind.
Isuzu D-Max 1.9 D
24 Grad erreicht der Isuzu beim hinteren Böschungswinkel, trotz langen Hecküberhangs – nicht schlecht.

Sonst ist der D-Max für den Geländeeinsatz richtig gut gerüstet. Auch das ist typisch für diese Art von Auto, die nicht kneift, wenn mal grobe Aufgaben anstehen. 225 Millimeter Bodenfreiheit, die von stabilen Schutzplatten begrenzt wird, wirken da ebenso beruhigend wie der hochwirksame, starre Allradantrieb samt manueller Hinterachssperre mit 100-Prozent-Wirkung.
Eine Geländeuntersetzung, die die Motorkraft um den Faktor 2,5 vergrößert, ist auch an Bord, was die Angst nimmt, dem kleinen Motor könnte am Steilhang die Luft ausgehen. Unbegründet, denn selbst in groben Steilstücken, die richtig Mut vom Fahrer verlangen, oder Kraft raubendem Tiefsandboden baggert sich der Isuzu unermüdlich weiter, solange die Reifen noch ein bisschen Traktion zusammenkratzen können.

Selbstbestimmung für den Fahrer

Nachteil eines solch simplen Zuschaltallradantriebs: Auf der Straße kann man ihn wegen der krassen Verspannungen in Kurven nicht brauchen. Dabei bräuchte man ihn wegen des leichten Hecks und der deshalb zuweilen zum Durchdrehen neigenden Hinterräder öfter – beim Beschleunigen auf einer feuchten Autobahneinfahrt beispielsweise. Doch es gibt nur Entweder-oder: entweder viel Traktion mit Allrad bei grässlicher Materialbelastung in Kurven. Oder wenig Traktion plus arg einbremsendes ESP bei alleinigem Hinterradantrieb. Der Fahrer hat es via Allrad-Drehschalter selbst in der Hand.
Doch genau das ist es, was heutige Pick-up-Fans von ihrem Auto wollen: die Selbstbestimmtheit. Denn in diesem Segment gibt es noch handfeste Allradler, die manuelle Eingriffe des Fahrers nicht behindern, sondern widerspruchslos vollziehen. Isuzu beherrscht auch richtigen Lkw-Bau und die Motoren-fertigung.

Fahrzeugdaten und Preis: Isuzu D-Max 1.9 D Doppelkabine

Motor Bauart/Zylinder: Vierzylinder Reihe, Turbodiesel
Einbaulage: vorn längs
Ventile/Nockenwellenantrieb: 4 pro Zylinder/Kette
Hubraum: 1898 cm3
Leistung: bei 1/min 120 kW (163 PS) bei 3600/min
Drehmoment: bei 1/min 360 Nm bei 2000/min
Radaufhängung: vorn Einzelrad/Schraubenfedern; hinten Starrachse/Blattfedern
Reifengröße/Reifentyp: 265/60 R 18 H/Goodyear Ultra Grip SUV
Getriebe: Sechsstufen-Wandlerautomatik
Allradantrieb/Kraftverteilung v:h: Hinterradantrieb; Vorderradantrieb starr zuschaltbar/0:100 oder 50:50
Geländeuntersetzung: 2,48:1
Traktionshilfen: elek. Bremseingriff v+h Achssperre h
Bremsen vorn/hinten: Scheiben/Trommel
Anhängelast: gebremst/ungebremst 3500/750 kg
Stützlast/Dachlast: 245/100 kg
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h bei 3710/min (5. Gang)
Drehzahl: bei 130 km/h 2285/min
Norm CO2-Ausstoß: 244 g/km
Tankinhalt/Kraftstoffsorte: 76 l/Diesel
Grundpreis: 35.200€
Testwagenpreis: 51.200 Euro

Fazit

Ein Pick-up ist kein Auto für Komfortfans. Da macht der Isuzu keine Ausnahme – erst recht nicht wegen seines rauen Motors. Dafür ist er preisgünstig und sparsam – ein verlässlicher Freund für harte Tage.

Von

Martin Braun