Jaguar XFR, BMW M5, Audi RS 6 und Mercedes E 63 AMG
Rock am Ring

Tage des Donners: V8 oder V10, Sauger, Biturbo oder Kompressor? Jaguar XFR, BMW M5, Audi RS 6 und Mercedes E 63 AMG gehen verschiedene Wege zum PS-Gipfel und begeistern mit Höhepunkten jenseits von 500 PS.
- Jörg Maltzan
So schnell ging's noch nie. Nicht auf der Tankstelle in Hamburg und auch nicht auf dem McDonald's-Parkplatz in Fulda. Vor der Südtribüne des Motodroms in Hockenheim ist die Rudelbildung um Audi RS 6, BMW M5, Jaguar XFR und Mercedes E 63 AMG am schlimmsten. Keine Tuning-Freaks wie in Fulda und auch keine hanseatischen Porsche-Fahrer umringen das Power-Quartett, sondern Fachpublikum. Hintergrund: Die "Formel Student" kürt in Hockenheim just ihren Meister, als wir mit den fantastischen vier auflaufen. Hundertschaften von künftigen Kfz-Ingenieuren sind mit ihren Rennteams vor Ort. Das sind keine Schnacker, das sind echte Experten. Klar, beim Anblick der Sport-Limos glüht Deutschlands Techniker-Nachwuchs wie ein Turbolader unter Volllast: 2122 PS aus 36 Zylindern für insgesamt mehr als 400.000 Euro – da rockt nicht nur der Ring.
So viel Power gab es lange nur bei exotischen Supersportwagen
Diese Autos sind Kraftwagen im besten Sinne des Wortes und sofort Gesprächsthema Nummer eins im Fahrerlager. "Hybrid hin, E-Autos her, diese Schlitten haben eine Faszination, die uns auch in 20 Jahren noch begeistern wird", wischt der Zwickauer Gerd Hickethier (24) jeden Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der 500-PS-Geschosse vom Tisch. Wohl wahr. Klima-Debatte und Kleinwagen-Boom sind hier kein Thema. Die magischen vier zünden an. Jeden. "So viel Power gab’s lange nur in exotischen Supersportwagen. Jetzt steckt diese Wahnsinnskraft in alltagstauglichen Limousinen", sagt Sebastian Fethke (26), der ebenfalls in Zwickau studiert. Alltagstauglich: ja, aber natürlich werden diese Power-Limousinen Exoten bleiben. Dafür sorgt allein ihr Preis. Audi und Mercedes kosten jeweils über 122.000 Euro! Dafür gibt’s auch Eigentumswohnungen in guter Lage. Immobilie? Die Studenten verdrehen die Augen: Balkon statt BMW, Keller statt Katze – nee, Bausparen ist was für BWLer.
Alle vier Limousinen erreichen Tempo 100 in unter fünf Sekunden

Bild: Toni Bader
AMG hat die jahrelange Vergötterung des Kompressors mittlerweile für blasphemisch erklärt. Nur G und SLK 55 sind noch als mechanisch aufgeladene Relikte im Programm. Heute huldigt man dem Prinzip Hubraum: Je mehr, desto besser, Upsizing statt Downsizing. Darum steht 6.3 am Frontkotflügel des neuen E-Spitzenmodells. In Wahrheit hat der V8 6,2 Liter Hubraum. Die Reminiszenz an den legendären 300 SEL 6.3 von 1968 erlaubt die kleine Übertreibung. Auf solch liebevolle Gesten will auch BMW nicht verzichten. Dass der schon fünf Jahre alte M5 ausgerechnet 507 PS produziert, ist kein Zufall, sondern soll an das Graf-Goertz-Kunstwerk 1956 erinnern. Wie Mercedes setzt BMW auf den Saugmotor, mit weniger Volumen, dafür zwei Zylindern mehr. Diese Komposition erzeugt eine Höllenmaschine, die über 8000/min dreht. Da sie ihre Urgewalt per sequenziell manuellem Getriebe (SMG) überträgt, zeigt der M5 Rennsport-Benehmen.
Audi setzt noch einen drauf. Ob die 580 PS des V10-Biturbos reichen, den RS 6 anbetungswürdig zu machen? Als Einziger tritt er mit Allrad an. Das ist Religion bei Audi und macht ihn sehr sicher. Nur: Bei extremer Kurvenfahrt muss der schwere quattro-Antrieb nicht zwingend von Vorteil sein. Der deutschen Boliden-Phalanx stellt Jaguar seinen eleganten XFR gegenüber. Er singt das Hohelied des Kompressors und bringt es damit auf 510 PS. Genug für den Kreis der PS-Priester. Aber auch genug für die Bedingungen der Rennpiste?
Die Antwort auf diese Frage gibt es in der Bildergalerie, den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen als Download im Heftarchiv.
Fazit
Gut gemacht, Mercedes! AMG hat sich M5 und RS 6 lange angucken können und bringt mit dem neuen E 63 eine Power-Limousine, die dezent dahincruisen oder das Messer rausholen kann. Ein Siegertyp? Nicht ganz. Denn dafür verlangt der Stern einfach zu viel Geld für den Überflieger. Ein M5 ist deutlich günstiger, der Audi kommt so wie getestet zwar genauso teuer, bietet dafür aber Allradantrieb und noch bessere Fahrleistungen. Erstaunlich gut ist der Jaguar. Komfortabler als der Benz, aber nicht langsamer, bietet er eine interessante Alternative zu den Edel-Limousinen aus Deutschland.
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