Normalerweise ergibt sich das Starterfeld eines Vergleichs aus rein logischen Überlegungen. Newcomer treffen ihre direkten Wettbewerber, haushohe Favoriten auf Underdogs, Einzelkämpfer die entferntere Konkurrenz, und jene, die kein echtes Umfeld zu fürchten haben, auf solche, die ihnen zumindest im Kampfgewicht oder preislich ähneln. Am Ende liegt jedenfalls jedem Vergleich ein gemeinsamer Nenner zugrunde, auf dem wir den Kampf um Messwerte und Fahreindrücke aufbauen – normalerweise. Doch manchmal ergeben sich Konstellationen, deren Probanden augenscheinlich so gar nicht zueinanderpassen wollen, irgendwie aber zu reizvoll sind, um sie unverglichen zu lassen. Konstellationen wie diese hier: Caterham Seven 485R, Bentley Continental GT Speed, Jaguar XFR-S. Drei Charaktere aus britischem Hoheitsgebiet, jeder auf seine Weise einzigartig und zusammen doch eine perfekte Trilogie der automobilen Schrulligkeiten.
Jaguar XFR-S
Jaguar XFR-S: Das Bodykit mit atmungsaktiver Front und starrem Heckflügel trägt mächtig auf.
Bild: Ronald Sassen
Jaguar Nehmen wir etwa den Jaguar: dem Anschein nach vielleicht der "Normalste" in dieser Runde und doch irgendwie ein rollender Stilbruch. Faktisch versteht er sich als geschärftes Performance-Modell, optisch als Rocker im Edelzwirn, emotional als kultivierte Überdosis. Dabei unterscheidet sich seine Rezeptur im Prinzip kaum von der Machart des XKR-S. Der Kompressor-V8 wirft dank überarbeiteter Kraftstoffzufuhr, begradigter Abgaswege und neuer Software 550 PS sowie 680 Nm ab. Ein straffer abgestimmtes Fahrwerk leitet die Querkraft in extrabreite 20-Zöller, während eine in ihrer Übersetzung an den F-Type angelehnte Lenkung die Radien umsetzt. So weit alles recht schmackhaft, hätte man es dabei nicht mit dem Karosseriedesign etwas übertrieben.
Caterham Seven 485
Der Seven 485 markiert die letzte vierrädrige Vorstufe zum Motorrad.
Bild: Ronald Sassen
Seven Eine gefestigte Grundhaltung setzt der zweite Proband dieser Runde voraus. Gestatten: Caterham Seven 485R. 40-jähriger Evergreen mit formaler Immunität, Repräsentant der reinen Leere und Botschafter einer Überzeugung, die in Zeiten, da selbst ein KTM X-Bow Clubsport 875 Kilogramm zusammenwuchtet, von vielen schon tot geglaubt scheint. Warum man ausgerechnet im Mekka des Dauernieselregens auf die Idee kommt, eine motorisierte Blechwanne ohne Türen, Scheibe oder Heizung zu verehren? Fahren Sie mal einen, und Sie werden es vielleicht verstehen …

Alles dient der Erhabenheit

Bentley Continental GT Speed
Die Paradedisziplin des Continental ist und bleibt der monumentale Geradeauslauf.
Bild: Ronald Sassen
Bentley Aber auch im Continental kommt man sich zuweilen etwas unterdimensioniert vor, was allerdings eher daran liegt, dass er sich als eigenes Universum genug ist. Und auch wenn es oberflächlich anmutet, immer wieder aufs Neue das von Hand verlegte Vollleder-Arrangement, das Hochflor-Areal im Fußraum oder die barocke Aufmachung des Instrumentariums zu preisen, so wäre er ohne seine Einrichtung schlicht nicht hinreichend beschrieben. Zumal das Ambiente auch entscheidend zum Fahrerlebnis beiträgt, indem es nur durchklingen lässt, was der Erhabenheit dient. Mit anderen Worten: Wind und Wetter bleiben draußen, die akustische Darbietung gebührt einzig dem wummernden W12, der je nach Getriebestufe wattiert oder in bester Riva-Boot-Manier durchs Cockpit wabert.

Fazit

von

Manuel Iglisch
Bentley und Caterham stecken den Rahmen für einen Vergleich, der streng genommen eigentlich keinen echten Sieger, sondern nur echte Charaktere küren kann. Den extremsten davon markiert der Seven 485R, der sich aufgrund seiner minimalistischen Konzeption noch nicht einmal mehr in gängige Automobilraster pressen lässt. Einen halben  Stern im Alltag erntet er nur, weil er hierzulande voll zulassungsfähig ist. Egal, schließlich steht er für Fahrspaß ohne Filter: hautnah, ehrlich, direkt und vom Gefühl her in etwa so, als würde man auf dem blanken Hosenboden hinter dem völlig abgedrehten Vierzylinder herwedeln. Der Bentley kultiviert das andere Extrem, schmiedet Flair, wo andere nur dekorieren, mobilisiert erhaben statt einfach nur gelassen, um auf Wunsch urplötzlich einen Sportler herauszuhängen, den eigentlich niemand in ihm vermuten würde. Teuer ist er, seinen Preis aber auch wert, wenn man bedenkt, dass ein vergleichsweise eindimensionaler CL 65 AMG mal eben einen Golf teurer kommt. Ähnlich gilt es auch, den Jaguar in seinem Konkurrenzumfeld zu differenzieren. Objektiv ist er der schlechtere M5, subjektiv aber ein umso besserer Jaguar. Konsequent stilbrüchig, dennoch stimmig und trotz aller Gewalt im Ansatz noch sanftmütig.