Wir schreiben das Jahr 2015. Der erste Rekordtag am Sach­senring. 16 Tuner und drei Hersteller mit insgesamt 21 straßenzugelassenen, auf höchste Performance getrimm­ten Autos, Ziel? Die Pulverisierung möglichst vieler Stra­ßenauto-Streckenrekorde aus unserer ewigen Hitliste. Die umfasste damals schon 450 Ge­fährte (heute über 800) aller Marken und Fahrzeugklassen.
Dass jeder Teilnehmer die Sache wirklich ernst nahm, zeigte die Promi-Dichte. Ange­führt vom ehemaligen Rallye­weltmeister Walter Röhrl, fan­den sich Profis wie Ruben Zeltner, Nicki Thiim, Marc Basseng, Uwe Alzen und Daniel Keil­witz in den Boxen ein. Das Ende vom Lied? Eine neue Runden­bestzeit (Tikt Corvette 1:28,44 min) und elf Klassenrekorde in verschiedenen Kategorien lau­tete das Ergebnis beim Rennen gegen die Uhr. Mittendrin ein kleiner grauer Seat, der zwar et­was im Schatten von 918 und Co stand, aber eine der großen Überraschungen des Tages war. Denn Tuner JE Design hatte es doch tatsächlich geschafft, mit Profipilot Steve Kirsch eine 1:34,80 min in den Sachsenring-Asphalt zu brennen. Die Zeit war damals eine Sensation, denn die sportlichsten Serien-Kompakten tummelten sich zu dieser Zeit noch zwischen 1:40er-und 1:44er-Zeiten. Dieser wild verbreiterte und mit aktivem Heckflügel gestählte Frontkrat­zer war also mal eben fünf Se­kunden schneller als seine Basis und tummelte sich inmitten stär­kerer Sportwagen. Damals war klar, diese Rekordmarke wird so schnell keiner knacken.
JE Design Leon Widebody RS-R
Die 390 PS orderte man ganz frech beim Konkurrenten APR, dazu die 15 Kilo leichtere Lite-Blox-Batterie.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD

Kompakte Sportler auf Rekordjagd

Heute? Der schnellste Se­rienkompakte (RS 3) fährt in­zwischen hohe 34er-Zeiten, der flotteste Fronttriebler ist der Renault Mégane RS Trophy-R mit einer 1:37,57 min. Und dann meldet Tuner APR im Mai 2023 einen optisch schnöden Golf GTI Performance zum Test an, mit dem Ziel Rundenrekord in der 2WD-Klasse zu fahren. Man wolle es mit 421 PS, KW-Fahrwerk und frischen Bridgestone Potenza Race versuchen. Und siehe da, fast schon entspannt, im ersten Anlauf, schafft der Golf die Sensation, bügelt die 2015er Re­kordmarke des JE Design Leon Cupra. Hauchdünn, nur fünf Hundertstel, aber Re­kord ist Rekord.
JE Design Leon Widebody RS-R
Rekord-Set-up: KW V4 Clubsport, ATS GTR in 9,5 x 18 Zoll mit 265/35er Dunlop Direzza und Formentor-VZ5-Bremse.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
JE-Design-Macher Jochen Eckelt las das Heft, noch am selben Abend glühte sein Tele­fon, das konnte der Tu­ner nicht auf sich sitzen lassen. Die damaligen Mit­entwickler Heiner Manthey (TÜV Süd) und Yves Winandy (Cupra Luxemburg) waren so­fort Feuer und Flamme und un­terstützten Eckelt mit Auto und Ideen. Das Fahrwerk steuerte KW in Form eines V4 Clubsport bei, dazu leichte ATS-Rä­der und Dunlop Direzza in 18 Zoll. Und von APR orderte man ganz frech eine Leistungssteigerung von 300 auf 390 PS, also ohne Lader­umbau. In Sachen Aero zog man alle Register, wie damals 2015. Der hauseigene und auch für alle an­deren Cupra Leon verfügbare Wi­debody-Kit war gesetzt, allein um die 265er Semis unterzubekom­men. Das Heck wird von einem Flügel mit mittigem Schwanenhals dominiert. Das „Brett“ allein soll bei Tempo 200 circa 180 Kilo auf den Asphalt drücken. Damit die Aero-Balance stimmt, wurde vorn ein dreiteiliger, verstellbarer Frontspoiler entwickelt. Die Wing­lets hinter den Vorderrädern sehen dem GT3 RS ähnlich. Verzögert wird vorn mit einer Akebono-Bremse und 376-Millimeter-Schei­ben vom Formentor VZ5.
JE Design Leon Widebody RS-R
Trotz fehlender Rückbank, Klimaanlage und leichter Batterie: Dieser Leon ist nur 68 Kilo leichter als ein Test-Leon.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD

Zeit für den Rekordversuch

Die Messer waren also gewetzt, man buchte vorab den Sachsen­ring, um das Fahrwerk einzustel­len. Dann, eine Woche später, tra­fen wir uns an der Strecke, unser unbestechliches Messgerät wurde eingebaut, ein Satz frische Dunlop Direzza 03G aufgesteckt und los. Die Temperaturen waren viel­leicht nicht optimal, auf Heizde­cken verzichtete man, Pilot Steve Kirsch war sich seiner Sache und der Performance des Leon sicher.
JE Design Leon Widebody RS-R
Ohne Kennzeichen? Nur für die Fotos. Das Auto ist zugelassen, es gibt für alle Umbauten Teilegutachten/ABE.
Bild: Ronald Sassen / AUTO BILD
Die erste Runde ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Vorn schmiert er noch zu sehr, hinten zuckt er zu eifrig, die Kraft kommt vorn noch nicht vollends am As­phalt an. Hat sich Eckelt doch ver­kalkuliert und hätte lieber Heiz­decken organisiert? Nein, denn in Runde zwei verschmelzen Auto und Asphalt. Auf den Geraden ist die Show nur lau, doch in den Kurven ist der Speed einfach nur überirdisch, also für diese Fahrzeug­klasse … Einlenken, draufpinseln, durchziehen, kleine, hilfreiche Schlenzer vor dem Scheitel, keine Rutscher kurvenausgangs, einfach nur Grip. „Das fühlt sich schon sehr nach echtem Rennwagen an, und ich bin schon viele gefahren. So was hat echt Straßenzulassung?“, so ein zufriedener Kirsch nach der schnellen Runde. Wir lesen noch aus, ein paar Hundertstel schneller als der APR-Golf würden schon ge­nügen. Doch JE Design macht es wie gewohnt – glasklar, faustdick: 1,93 Sekunden ist sein Cupra schneller, neuer 2WD-Rekord!
Hohe 32er-Runde und Cupra Leon, das passt irgendwie nicht in mein Hirn. Einfach nur irrwitzig, dieser Speed für einen kompakten Frontkratzer. Ich glaube, dieser sen­sationelle Re­kord könnte etwas für die Ewigkeit sein.