Jeep Avenger Elektro: Test
Neuer Antrieb: Ist der Avenger Electric ein echter Jeep?
Der Avenger ist das erste Elektroauto von Jeep, und er wird nur für Europa gebaut. Doch ist er am Ende das, was der Name verspricht?
Bild: AUTO BILD
Der Name Jeep steht seit Jahrzehnten für geländetaugliche Fahrzeuge. Der Ur-Jeep Willys MB war ein für die US-Army entwickelter Militärgeländewagen, der über Stock und Stein ging. Befeuert wurde der erste Jeep von einem Vierzylinder-Reihenmotor, der das Kürzel L 134 und den Beinamen "Go Devil" trug. Eine Interpretation für den Spitznamen soll die sein, dass das Drehmoment so stark war, dass man mit dem Jeep auch beim Teufel habe vorfahren können.
So gelesen ist der heutige, mit einem E-Motor betriebene Jeep Avenger, dann vielleicht doch die elektrische Rache an dem Verbrenner des Ur-Jeep. Von einem wuchtigen Drehmoment kann jedenfalls nicht die Rede sein. Der Elektriker, der ausschließlich über die Vorderräder angetrieben wird und seinen E-Motor klassisch unter der Motorhaube trägt, ist mit 260 Newtonmeter maximalem Drehmoment weit davon entfernt, zu einem Höllenritt anzusetzen, wenn man den Pin ins Blech bügelt.

Auch in der Heckansicht lässt der Avenger keine Zweifel aufkommen, dass er ein echter Jeep ist.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
In beschaulichen 9,1 Sekunden geht es auf Landstraßentempo, maximal 150 km/h sind möglich. Nein, eine Rakete ist der Rächer nicht, aber dafür glänzt er mit ausgezeichneter Fahrsicherheit. Die Lenkung ist angenehm direkt und straff, das Fahrwerk bügelt Querfugen ebenso glatt, wie böse Aufwürfe oder Schlaglöcher. Selbst spitze Kurven kann man mit dem Avenger recht flott durchlaufen, denn noch bevor es Probleme mit der Traktion gibt, regelt das ESP zuverlässig alle Gefahren weg.
Fahrzeugdaten
Modell | Jeep Avenger Electric |
|---|---|
Motor Bauart | Elektromotor |
Einbaulage | vorn |
Spitzenleistung | 115 kW (156 PS) |
Dauerleistung | 62 kW (84 PS) |
max. Drehmoment | 260 Nm |
Vmax | 150 km/h |
Getriebe | 1-Gang-Getriebe |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | Goodyear Efficient Grip 2 |
Reifentyp | 215/55 R 18 V |
Radgröße | 7 x 18" |
Reichweite* | 390–400 km |
Verbrauch* | 15,4-15,9 kWh |
Batterieart | Lithium-Ionen |
Batteriekapazität brutto/netto | 54/51 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 11 kW/100 kW |
Ladezeit (DC-Ladung) | 24 Min. (20–80 %) |
Ladeanschluss | hinten links |
Vorbeifahrgeräusch | 66 dB(A) |
Anhängelast | – |
Kofferraumvolumen | 355 l–k. A. |
Länge/Breite/Höhe | 4084/1776/1528 mm |
Radstand | 2562 mm |
Grundpreis | 37.000 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 44.000 Euro |
Das überrascht einmal mehr, weil der Wrangler, als das Synonym für Jeep, sich so gar nicht elegant ums Eck zwingen lässt. Dafür hat der echte Kraxeltugenden, die dem Avenger gänzlich abgehen. Dennoch verfügt die Liste der Fahrmodi neben Sport, Normal und Eco auch über Schnee, Sand und Schlamm.
Für ausgedehnte Offroadtouren reicht es nicht
Hier dürfte es sich aber eher um namentliche Beigaben handeln, weil man sie bei einem Jeep einfach erwartet. In der Praxis werden lediglich das Drehmoment und der Schlumpf angepasst. Für ausgedehnte Offroadtouren reicht das nicht. Da helfen auch der Böschungswinkel von 20 Grad vorn und 32 Grad hinten oder der Rampenwinkel von 20 Grad wenig.

Bis auf die Hardplastikteile in den Türinnenverkleidungen und der Mittelkonsole wirkt der Avenger nicht billig. Und er ist gut verarbeitet.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Sicher ist aber, dass man mit dem Avenger in Tiefgaragen nicht aufsetzen wird. Und damit ist auch das eigentliche Revier des Elektrikers abgesteckt. Mit einer Länge von knapp vier Metern und einer Breite von 1,80 Meter lässt er sich ganz hervorragend durch den Stadtdschungel zirkeln.
Optisch steht der Jeep aber deutlich stämmiger auf der Straße. Mit weit ausgestellten Kotflügeln, hohen Seitenschwellern und verplankten Radhäusern haben es die Designer verstanden, dem Avenger eine echte Gravel-Optik zu geben, die durch die 18-Zoll-Räder in der von uns gefahrenen Summit+-Ausstattung noch verstärkt wird.
Nur mäßige Reichweite
Die Stadt empfiehlt sich auch wegen eines anderen Umstands: der Reichweite. Nach Herstellerangaben können hier mit einer Ladung des 51 kWh (netto) leistenden Akkus, bis zu 550 Kilometer zurückgelegt werden. Vorausgesetzt, man nutzt den Fahrmodus B, bei dem die Rekuperationskraft verdoppelt wird. Aber Achtung: Der Wagen bremst nicht bis zum Stillstand, und die 260 Newtonmeter Drehmoment werden eher zögerlich an die Antriebsräder weitergereicht.
Messwerte
Modell | Jeep Avenger Electric |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 3,8 s |
0–100 km/h | 9,1 s |
0–130 km/h | 14,7 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 4,5 s |
80–120 km/h | 6,1 s |
Leergewicht/Zuladung | 1566/449 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 55/45 % |
Wendekreis links/rechts | 11,1/11,0 m |
Sitzhöhe | 640 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 37,2 m |
aus 100 km/h warm | 36,2 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 56 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) |
bei 130 km/h | 68 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 15,1 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde | 20,32 kWh/100 km |
Sportverbrauch | 23,2 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite | 285 km |
Im alltäglichen Fahrbetrieb, der die Reisenden auch mal über die Autobahn oder Landstraßen treibt, reicht der Akku nach AUTO-BILD-Messungen für eine Distanz von 285 Kilometern. Das ist ein eher mäßiger Wert.
Geladen wird mit bis zu 100 kW. Die machen es möglich, die Batterie in 24 Minuten von 20 auf 100 Prozent zu laden. Wer an einer 11 kW leistenden AC-Dose landet, hängt hier 5 Stunden und 34 Minuten fest. An der heimischen Haushaltssteckdose sind es dann sogar knapp 27 Stunden. (So laden Sie Ihr E-Auto am besten auf.)

Die Sitze in der ersten Reihe sind bequem, bieten aber wenig Seitenhalt. In der zweiten Reihe geht es sehr eng zu.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Damit es ein Leichtes ist, die richtige Ladestation zu finden, kann sich der Fahrer durch das optionale Navi beraten lassen. Das macht zum einen eine sehr angenehme und freundliche Frauenstimme. Zum anderen wird auf dem 10,25 Zoll großen Touchscreen mit Apple CarPlay und Android Auto in einer sehr ansprechenden Grafik angezeigt, wo man mit wie viel kW laden kann und ob die Plätze gerade belegt oder frei sind.
So gesehen sollte es mit der richtigen Planung auch möglich sein, längere Strecken zu überwinden. Auf den vorderen Plätzen ist das geradezu ein Vergnügen. Die Sitze bieten zwar wenig Seitenhalt, sind aber so gepolstert, dass sie auch über die Distanz keine Probleme machen sollten. Einzig die Kopfstützen sind unerwartet weich und lassen den Kopf sehr tief einsinken.
Platz im Fond ist knapp bemessen
In der zweiten Reihe wird es richtig eng. Der Einstieg ist beengt, weil der Türausschnitt doch recht klein geraten ist. Und der Abstand zu den Rückenlehnen der ersten Reihe kann bei entsprechend großen Personen für die Knie recht knapp werden. Zudem ist der Anstellwinkel sehr spitz, was über die Zeit unangenehm wird.

Der 10,25 Zoll große Zentralmonitor ist erst in den höheren Ausstattungen Serie, über eine Tastenleiste wird die serienmäßige Klimaautomatik bedient, pfiffig ist die Faltabdeckung der Cupcolder, ein USB-C-Anschluss muss für Reisende im Fond reichen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Beim Kofferraum wünscht man sich etwas mehr als die 355 Liter. Wer die im Verhältnis 60/40 teilbare Rückbanklehne flach macht, wird keine plane Ladefläche erhalten, aber dennoch ausreichend Raum, um auch mal größeres Gut zu transportieren. Zudem reicht der Platz unter dem doppelten Ladeboden, um wichtige Utensilien – wie zum Beispiel das Ladekabel – zu verstauen, auf dass es nicht unnötig im Gepäckabteil herumrutscht.
Trotz Hartplastik wirkt der Avenger nicht billig
Was sonst noch am Avenger erfreut, ist seine Verarbeitung. Nicht nur, dass von außen die Spaltmaße recht akkurat sind, im Innenraum knarzt und raschelt es kaum. Die Materialien, die ständigen Handkontakt haben, wie zum Beispiel das Lenkrad, die dort befindlichen Bedienelemente sowie Knöpfe und Schalter in der Mittelkonsole fassen sich schön an und haben angenehme Druckpunkte.
Wertung
Modell | Jeep Avenger Electric |
|---|---|
Karosserie | Beschränktes Platzangebot, keine Anhängelast, wenig Zuladung, gute Qualitätsanmutung. |
3/5 Punkten | |
Antrieb | Durchzugsschwach, sehr guter Verbrauch, geringe Reichweite, mäßige Ladegeschwindigkeit. |
3,5/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Angenehme Lenkung, gutes Kurvenverhalten, etwas träge, sehr sicher, vermittelt wenig Fahrspaß. |
3,5/5 Punkten | |
Connected Car | Gute Sprachsteuerung, Navi zeigt Ladestationen, Apple CarPlay und Android Auto, Digitaldisplay. |
4/5 Punkten | |
Umwelt | Kleines Auto, relativ leicht, kein CO2-Ausstoß, recht leise, gute Rekuperation, kein One-Pedal-Driving. |
4/5 Punkten | |
Komfort | Gute Ausstattung, Federt gut, hohe Sitzposition, wenig Fahrgeräusche, intuitive Bedienung. |
3,5/5 Punkten | |
Kosten | Zwei Jahre Garantie, nur sieben Jahre gegen Rost, relativ teuer in der Anschaffung. |
3/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 2- |
Das gilt nicht für die Türinnenverkleidungen oder das Dashboard. Hier wurde schnödes Hartplastik verarbeitet, das aber wenigstens optisch einen guten Eindruck macht. Den macht auch das gesamte Design im Innenraum, der nicht nur von Farben belebt wird, er ist auch klar nach dem Prinzip aufgebaut, dass die Form der Funktion folgt.
Preislich geht es ab 37.000 Euro los
Insofern hat man sich schnell an die Anordnung der Schalter gewöhnt, die ihrerseits jeweils ein Hauptthema bedienen und den Fahrer beispielsweise davor bewahren, bei jeder Temperaturänderung, die Funktionen der Klimaautomatik kompliziert in einem Menü auf dem Touchscreen zu bemühen.

Bei umgeklappter Rückbanklehne entsteht im Avenger Elektro keine plane Ladefläche.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Und was kostet der elektrische Rächer? In der von uns gefahrenen Ausstattungslinie Summit+ satte 44.000 Euro. Einsteigen kann man aber auch in einen recht gut ausgestatteten Avenger bereits ab 37.000 Euro.
Es soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass es das SUV auch mit einem 1,2-Liter-Dreizylinder gibt. Der leistet 100 PS, wobei die maximale Kraft von 205 Newtonmeter über ein manuelles Sechsganggetriebe an die Vorderräder gereicht wird. Kostenpunkt für den Benziner? 27.000 Euro! Da möchte man fast sagen: Der Preis ist heiß.
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