Jeep Gladiator 3.0 Multijet: Zugfahrzeugtest
Nostalgie zieht beim Jeep

Erst war der Jeep Gladiator nur eine Studie. Die kam aber so gut an, dass Jeep ihn in Serie baut. Und jetzt ist der urige Kleinlaster auch bei uns zu haben.
Bild: Erwin Fleischmann / AUTO BILD
- Thomas Rönnberg
So was gibt's nur einmal: Der Jeep Gladiator ist der einzige Pick-up des Marktes, mit dem man richtig offen fahren kann. Schon serienmäßig hat er als "Overland" – nur der steht in der Preisliste – ein abnehmbares Hardtop mit einfach herausnehmbaren Deckelhälften vorn. Und wie beim Wrangler kann man auch die Türen aushängen und die Frontscheibe abklappen.
Dass der Gladiator auf dem Wrangler basiert, sorgt also nicht nur für nostalgisch coolen Look – sondern hat durchaus Vorteile. Aber auch Nachteile, etwa die mäßig präzise Lenkung und den auf unebener Fahrbahn recht unruhigen Geradeauslauf.

Durch die recht schmale Kabine geben die Außenspiegel nicht sehr viel Rückblick – Zusatzspiegel passen aber.
Bild: Erwin Fleischmann / AUTO BILD
Beim Antrieb geht der Gladiator ganz andere Wege als der Wrangler, der nur noch als Plug-in-Hybrid mit lächerlichen 1508 Kilo Anhängelast nach Europa kommt. (Das erste elektrische Jeep-SUV kommt 2023)
Gladiator mit V6 MultiJet von Fiat Powertrain
Den Gladiator liefert Jeep-Mutterkonzern Stellantis hingegen hier mit Dieselmotor. Und zwar mit dem feinen V6 MultiJet von Fiat Powertrain, der schon im früheren Grand Cherokee für reichlich Zugkraft sorgte.
Das ist im Gladiator nicht anders. Die Leistung stieg gegenüber der früheren Grand-Cherokee-Ausführung noch einmal um 14 PS, das Drehmoment um 30 Nm. Und das macht richtig Schub – spontan und kernig vom Stand weg.

Der V6-Diesel ist das angenehmste aller derzeitigen Jeep-Triebwerke.
Bild: Erwin Fleischmann / AUTO BILD
Ebenfalls aus dem Grand Cherokee IV stammt der achtstufige Wandlerautomat von ZF. Der schaltet weich und schnell.
Bei der Abstimmung war offenbar eine besonders flinke Reaktion aufs Gaspedal wichtiger als niedrige Drehzahlen: Obwohl der Motor schon von unten raus viel Drehmoment aufbaut, neigt der Automat im Anhängerbetrieb übertrieben willig zum Zurückschalten, auch wenn man nur ganz leicht beschleunigen will; und vor allem auf kurvigen und bergigen Strecken lässt er oft unnötig lang den jeweils kleineren Gang drin.
FAHRZEUGDATEN | JEEP GLADIATOR 3.0 MULTIJET |
|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | V6-Zylinder, Turbodiesel, vorn längs |
Hubraum | 2987 cm3 |
Leistung bei 1/min | 194 kW (264 PS) bei 3600 |
Drehmoment bei 1/min | 600 Nm bei 1400–2800 |
Getriebe | Achtstufen- Wandlerautomatik mit Geländeuntersetzung |
Allradantrieb | semipermanent über el. geregelte Lamellenkupplung für VA; sperr- und abschaltbar |
Radaufhängung | Starrachse, Schraubenfedern v.u.h. |
Reifengröße | 255/70 R 18 |
Bremsen v/h | innenbel. Scheiben/ Scheiben |
Fahrhilfen | ABS, ESP m. Anh.- Stabilisierung |
Karosserie | Leiterrahmen; 2-tlg. off. Pick-up-Karosserie m. abnehmb. Hardtop, 4 Türen |
L/B/H | 5591/1894/1843 mm |
Radstand/Bodenfreiheit | 3488/250 mm |
Wendekreis | 13,7 m |
Ladefläche L/B | 1531/1137–1442 |
Leergewicht/Zuladung | 2385/540 kg |
Dachlast (m. Hardtop) | 45 kg |
Preis | 73.000 € |
Das wirkt unruhig und lässt den Motor scheinbar angestrengt drehen – was er auch nach innen hörbar kundtut: Offenbar fand man, dass kräftiger Motorklang zum Macho-Charakter des Gladiator passt.
Seltsam tief montierte Anhängerkupplung
Zum Glück führt das relativ hohe Drehzahlniveau nicht zu übertriebenem Verbrauch: Die 13,07 Liter Diesel auf der Gesamt-Messrunde gehen angesichts der prächtigen Kraftentfaltung völlig in Ordnung.

Die abnehmbare Anhängerkupplung ist unnötig tief angebracht; daher steht der Anhänger bergab.
Bild: Erwin Fleischmann / AUTO BILD
Erkennbar ist aber, dass das häufige Schalten im bergigen ersten Teil der Messrunde den Dieselverbrauch ansteigen lässt.
Seltsam mutet die sehr tief montierte Anhängerkupplung an. Sie schränkt nicht nur den hinteren Böschungswinkel stark ein, selbst wenn die Kugelstange abgenommen ist.
MESSWERTE SOLO | JEEP GLADIATOR 3.0 MULTIJET |
|---|---|
Beschleunigung 0–100 km/h | 8,4 s |
60–100 km/h (Kickdown) | 5,9 s |
80–120 km/h (Kickdown) | 7,1 s |
Höchstgeschwindigkeit | 178 km/h (abgeregelt) |
Normverbrauch/CO2- Ausstoß (WLTP) | 9,2–9,7 l D/100 km/ 241–254 g/km |
Testverbrauch Ø | 10,1 l D/100 km |
MESSWERTE MIT ANHÄNGER 2,0 t | |
Beschleun. 0–60 km/h | 6,3 s |
Beschleun. 0–80 km/h | 10,0 s |
60–80 km/h (Kickdown) | 3,7 s |
Testverbrauch Ø | 13,1 l D/100 km |
theoretische Steigfähigkeit mit 2,0 t Anhängelast | 55,2 %/20,7° in 4L: 150,1 %/56,3° |
theoretische Steigfähigkeit m. max. Anhängelast | 48,2 %/19,4° in 4L: 131,0 %/52,6° |
Der niedrige Kupplungspunkt lässt auch den Anhänger deutlich "bergab" stehen – und erschwert bei Tandemachsern das Erreichen einer ausreichenden Stützlast.
Schade auch, dass sich Stellantis offenbar nicht die Mühe gemacht hat, mehr als die seltsamen 2721 Kilo Anhängelast freizugeben. Ziehen würde der Gladiator auch die bei den meisten anderen Pick-ups erlaubten 3,5 Tonnen mühelos.
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