So was gibt's nur einmal: Der Jeep Gladiator ist der einzige Pick-up des Marktes, mit dem man richtig offen fahren kann. Schon serienmäßig hat er als "Overland" – nur der steht in der Preisliste – ein abnehmbares Hardtop mit einfach herausnehmbaren Deckelhälften vorn. Und wie beim Wrangler kann man auch die Türen aushängen und die Frontscheibe abklappen.
Dass der Gladiator auf dem Wrangler basiert, sorgt also nicht nur für nostalgisch coolen Look – sondern hat durchaus Vorteile. Aber auch Nachteile, etwa die mäßig präzise Lenkung und den auf unebener Fahrbahn recht unruhigen Geradeauslauf.
Jeep Gladiator
Durch die recht schmale Kabine geben die Außenspiegel nicht sehr viel Rückblick – Zusatzspiegel passen aber.
Bild: Erwin Fleischmann / AUTO BILD

Beim Antrieb geht der Gladiator ganz andere Wege als der Wrangler, der nur noch als Plug-in-Hybrid mit lächerlichen 1508 Kilo Anhängelast nach Europa kommt. (Das erste elektrische Jeep-SUV kommt 2023)

Gladiator mit V6 MultiJet von Fiat Powertrain

Den Gladiator liefert Jeep-Mutterkonzern Stellantis hingegen hier mit Dieselmotor. Und zwar mit dem feinen V6 MultiJet von Fiat Powertrain, der schon im früheren Grand Cherokee für reichlich Zugkraft sorgte.
Das ist im Gladiator nicht anders. Die Leistung stieg gegenüber der früheren Grand-Cherokee-Ausführung noch einmal um 14 PS, das Drehmoment um 30 Nm.  Und das macht richtig Schub – spontan und kernig vom Stand weg.
Jeep Gladiator
Der V6-Diesel ist das angenehmste aller derzeitigen Jeep-Triebwerke.
Bild: Erwin Fleischmann / AUTO BILD

Ebenfalls aus dem Grand Cherokee IV stammt der achtstufige Wandlerautomat von ZF. Der schaltet weich und schnell.
Bei der Abstimmung war offenbar eine besonders flinke Reaktion aufs Gaspedal wichtiger als niedrige Drehzahlen: Obwohl der Motor schon von unten raus viel Drehmoment aufbaut, neigt der Automat im Anhängerbetrieb übertrieben willig zum Zurückschalten, auch wenn man nur ganz leicht beschleunigen will; und vor allem auf kurvigen und bergigen Strecken lässt er oft unnötig lang den jeweils kleineren Gang drin.
Motor Bauart/Zylinder 
V6-Zylinder, Turbodiesel, vorn längs 
Hubraum 
2987 cm3 
Leistung bei 1/min 
194 kW (264 PS) bei 3600 
Drehmoment bei 1/min 
600 Nm bei 1400–2800 
Getriebe 
Achtstufen- Wandlerautomatik mit Geländeuntersetzung 
Allradantrieb 
semipermanent über el. geregelte Lamellenkupplung für VA; sperr- und abschaltbar 
Radaufhängung 
Starrachse, Schraubenfedern v.u.h. 
Reifengröße 
255/70 R 18 
Bremsen v/h 
innenbel. Scheiben/ Scheiben 
Fahrhilfen 
ABS, ESP m. Anh.- Stabilisierung 
Karosserie 
Leiterrahmen; 2-tlg. off. Pick-up-Karosserie m. abnehmb. Hardtop, 4 Türen 
L/B/H 
5591/1894/1843 mm 
Radstand/Bodenfreiheit 
3488/250 mm 
Wendekreis 
13,7 m 
Ladefläche L/B 
1531/1137–1442 
Leergewicht/Zuladung 
2385/540 kg 
Dachlast (m. Hardtop) 
45 kg 
Preis
73.000 €

Das wirkt unruhig und lässt den Motor scheinbar angestrengt drehen – was er auch nach innen hörbar kundtut: Offenbar fand man, dass kräftiger Motorklang zum Macho-Charakter des Gladiator passt.

Seltsam tief montierte Anhängerkupplung

Zum Glück führt das relativ hohe Drehzahlniveau nicht zu übertriebenem Verbrauch: Die 13,07 Liter Diesel auf der Gesamt-Messrunde gehen angesichts der prächtigen Kraftentfaltung völlig in Ordnung.
Jeep Gladiator
Die abnehmbare Anhängerkupplung ist unnötig tief angebracht; daher steht der Anhänger bergab.
Bild: Erwin Fleischmann / AUTO BILD

Erkennbar ist aber, dass das häufige Schalten im bergigen ersten Teil der Messrunde den Dieselverbrauch ansteigen lässt.
Seltsam mutet die sehr tief montierte Anhängerkupplung an. Sie schränkt nicht nur den hinteren Böschungswinkel stark ein, selbst wenn die Kugelstange abgenommen ist.
Beschleunigung 0–100 km/h 
8,4 s 
60–100 km/h (Kickdown) 
5,9 s 
80–120 km/h (Kickdown) 
7,1 s 
Höchstgeschwindigkeit 
178 km/h (abgeregelt) 
Normverbrauch/CO2- Ausstoß (WLTP) 
9,2–9,7 l D/100 km/ 241–254 g/km 
Testverbrauch Ø 
10,1 l D/100 km 
MESSWERTE MIT ANHÄNGER 2,0 t
Beschleun. 0–60 km/h 
6,3 s 
Beschleun. 0–80 km/h 
10,0 s 
60–80 km/h (Kickdown) 
3,7 s 
Testverbrauch Ø 
13,1 l D/100 km 
theoretische Steigfähigkeit mit 2,0 t Anhängelast
55,2 %/20,7° in 4L: 150,1 %/56,3° 
theoretische Steigfähigkeit m. max. Anhängelast
48,2 %/19,4° in 4L: 131,0 %/52,6° 

Der niedrige Kupplungspunkt lässt auch den Anhänger deutlich "bergab" stehen – und erschwert bei Tandemachsern das Erreichen einer ausreichenden Stützlast.
Schade auch, dass sich Stellantis offenbar nicht die Mühe gemacht hat, mehr als die seltsamen 2721 Kilo Anhängelast freizugeben. Ziehen würde der Gladiator auch die bei den meisten anderen Pick-ups erlaubten 3,5 Tonnen mühelos.

Fazit

von

Thomas Rönnberg
Kopfschütteln – oder helle Begeisterung: Der Gladiator polarisiert. Als Zugfahrzeug kann er überzeugen; und das ist gut so. Er ist derzeit der einzige Jeep, der richtig ziehen darf.