Fahrbericht Jeep Gladiator

Jeep Gladiator: Fahrbericht

Der Jeep Gladiator ist ein echter Krieger

Der Jeep Gladiator ist ein Doppelkabinen-Pritschenwagen-Cabrio. Braucht kein Mensch, macht aber höllisch Spaß. Ein Fahrbericht.
Die Amis und ihr Wissen um europäische Geschichte – das ist so eine Sache. Ihren neuen Streitwagen haben die Experten von Jeep jedenfalls "Gladiator" getauft. Was insofern historisch heikel ist, als dass die Gladiatoren im alten Rom meistens zu Fuß unterwegs waren. Im Jeep Gladiator gilt genau das Gegenteil: Zu Fuß musst du ab sofort nirgendwo mehr hingehen. Und kämpfen schon gar nicht. Wo der Gladiator hinwill, da ist ein Weg. Selbst wenn da keiner ist. Und so ist der schwierigste Teil der Strecke das Einsteigen: Wer bei den Gladiator-Spielen mitmachen will, muss hoch hinaus.

Abenteurer sind im Gladiator genau richtig

Total offen: Das dünne Faltdach lässt sich ebenso wie die Türen abnehmen – für die ganz große Freiheit.

So lässig wie möglich erklimme ich den breiten Schweller und wuchte mich durch die Tür auf den Fahrersitz. 28 Zentimeter Bodenfreiheit fordern ihren Tribut. Zum Glück gibt es einen stabilen Haltegriff an der A-Säule. Dann sitzt du hinter der steilen Windschutzscheibe, blickst über die lange Motorhaube in die Prärie – und strahlst mit der Sonne Kaliforniens um die Wette. Der Motor läuft noch gar nicht, und schon bist du dem Alltag entrückt. Mit wenigen Handgriffen trage ich das dünne Faltdach ab – und Sonnencreme auf. Der Stoff, der wirkt wie eine dünne Zeltplane, verschwindet hinter der zweiten Sitzreihe. Man könnte auch noch die Türen ausbauen. Entsprechende Torx-Bits zum Abschrauben gehören beim Gladiator zum Bordwerkzeug. Aber in den USA leben 16 Arten Klapperschlangen, und alle sind giftig. Daher lasse ich die Türen als Schutzschild lieber dran.

Der Jeep fährt in eine äußerst kleine Nische

Doppelkabinen-Pritschenwagen-Cabrio: Der Gladiator erobert eine Nische, die es eigentlich nicht gibt.

Einmal kurz den (wetterfesten) Startknopf drücken, schon erwachen unter der langen Haube 285 PS in Form eines 3,6-Liter-V6-Benziners zum Leben. Blubber blubberblubber. An Bord ist die Achtstufenautomatik. Wer selbst mit dem Gladiator kämpfen will, wählt das Sechsgang-Schaltgetriebe. Für 2020 hat Jeep noch einen 3-Liter-Diesel mit 260 PS angekündigt. Warum der Gladiator ein Streitwagen ist? Weil man sich trefflich darüber auseinandersetzen kann, ob die Welt ein geländegängiges Doppelkabinen-Pritschenwagen-Cabrio braucht. Sei's drum. Darin zu fahren ist jedenfalls der Circus Maximus. Die Wildnis ist deine Manege. Die Fahrt übern Acker wird zum Feldzug. Mit einem Böschungswinkel von 43,5 Grad vorn und 26 Grad hinten nimmt der Jeep nahezu jede Anhöhe. Der Unterfahrschutz aus vier Platten und diversen Rohren legt sich dabei schützend um Verteilergetriebe, Tank und Ölwanne.
Der Jeep Gladiator ist die Sandale unter den Autos: nach allen Seiten offen, luftig, bequem, im Sommer eine Wohltat. Vor der heruntergeklappten Windschutzscheibe (vier Schrauben) liegt dir die Welt zu Füßen. Hinter dir liegt alles, was du brauchst, um sie zu erobern. Die rund einsfünfzig lange Pritsche reicht bei 725 Kilogramm Zuladung für ein größeres Stromaggregat oder zwei Motocross-Maschinen. Bei Bedarf können die Sitze umgeklappt werden und so die Ladefläche erweitern.

Auch größere Transportaufgaben sind kein Problem

Da passt richtig was drauf: Die große Pritsche verpackt ganz lässig zwei Motocross-Maschinen.

Und selbst damit ist der Gladiator noch längst nicht am Ende mit seinem Latein: Surfboards und Fahrräder lassen sich auf der Ladefläche in einer speziellen Halterung arretieren. Mopar, Jeeps Tuning- und Zubehör-Abteilung, hat dafür reichlich clevere Ideen im Programm. Die abschließbare Pritsche ist beleuchtet und mit einem wettergeschützten Stromanschluss (115 Volt/ 400 Watt) ausgestattet – ideal zum Nachladen von E-Bikes. Wer bei diesem Auto mit dem Fahrrad fahren will, ist eine andere Frage. Weil die Ladefläche bis an die Rücksitze reicht und das Gestühl eventuell verrutschendes Ladegut halten muss, ist es gegenüber dem normalen Wrangler deutlich robuster. Für Wertsachen gibt es fünf abschließbare Fächer. Beim Gladiator Rubicon ist serienmäßig eine nach vorn gerichtete Offroad-Kamera an Bord, um Hindernisse leichter zu erkennen. Stichwort Rubicon: Der Fluss unten im Tal dürfte 76 Zentimeter tief sein für den Gladiator. Seine Blütezeit hat der Jeep somit dort, wo andere nicht weiterkommen. Zum Vergleich: Die G-Klasse von Mercedes hat "nur" eine Wattiefe von 70 Zentimetern.

Die Preise für Europa stehen noch nicht fest

Kein ganz billiges Vergnügen: In den USA startet der Jeep Gladiator bei umgerechnet rund 30.000 Euro.

Einmal unterwegs, fühle ich kaum Unterschiede zum normalen Wrangler. Die gleiche hohe Sitzposition, das knapp geschnittene Interieur, das Lenkrad wie ein Faustkeil – und der Armaturenträger so robust wie ein Werkzeugkasten. Der Gladiator federt etwas geschmeidiger ein, nimmt kurze Bodenwellen weniger bockig als der Wrangler. Das mag auch am 49 Zentimeter längeren Radstand liegen. Der Gladiator gilt übrigens trotz seiner stattlichen 5,54 Meter Länge in den USA nur als "Midsize"-Modell. Diese Amis! Dort drüben geht er bei knapp 34.000 Dollar los, was umgerechnet 30.000 Euro sind. So, noch einmal zurück zum Römischen Reich: Jeep gehört zwar heute zu Fiat. Aber der Gladiator wird natürlich in Toledo, Ohio, gebaut. Dort, wo seit 1941 Jeep-Fahrzeuge vom Band laufen. In den USA ist inzwischen jedes sechste Auto ein Pick-up. Bei uns bleibt das die Nische. Trotzdem soll der Gladiator Mitte 2020 zu uns kommen. Preise? "Das wird eher kein günstiger Transporter für den Landschaftsgärtner", sagt einer, der sich auskennt.
Er dürfte dennoch ein Erfolg werden. Die 4190 Exemplare der Start-Edition waren in den USA nach einem Tag ausverkauft. Anders gesagt: Er kam, wurde gesehen – und siegte.

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Autor: Jürgen Zöllter

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