Umdenken ist gefragt: Eine Fahrt von wenig mehr als 100 Kilometern ist mit einem herkömmlich angetriebenen Auto kein Problem – im Elektroauto wird sie zur Mutprobe. Noch acht, sieben, sechs, fünf – und Schluss. Am Ende haben AUTO BILD-Redakteur Michael Voß fünf Kilometer gefehlt. Nach 110 Kilometern rollt er mit dem Karabag 500E am Straßenrand aus. Nichts geht mehr. Den Praxistest hat das kleine Elektroauto zumindest an diesem Tag nicht bestanden. Dabei war der umgebaute Fiat 500 Anfang November ambitioniert zu dem vierwöchigen Alltagstest gestartet. Statt mit der x-ten Studie auf abgesperrter Teststrecke einige Kilometer zu fahren, wollte AUTO BILD der Zukunftstechnik täglich auf dem Weg zur Arbeit, zum Bäcker und Kindergarten auf den Zahn fühlen.
Erste Erkenntnis: Elektroautos sind teuer. Extrem teuer. Der ohne Klimaanlage oder andere Komfortausstattung angelieferte Testwagen kostet so viel wie eine Mercedes E-Klasse. Knapp 60.000 Euro werden für den elektrifizierten Kleinwagen aufgerufen. Das leisten sich vielleicht Firmen als ökologisches Feigenblatt, aber wohl nur wenige private Käufer. Hier würde auch der häufig geforderte staatliche E-Auto-Zuschuss verpuffen.
Immerhin fordert der Karabag im täglichen Umgang kein Umdenken. "Einsteigen, Zündschlüssel drehen, Gas geben – und er fährt los", schreibt Kollege Henning Rucks nach der ersten Fahrt im Karabag. Alltagstauglich ist auch das Format des E-Autos: Es bietet – anders als Mini E und Smart ed – Platz für vier Personen und Gepäck. Doch es gibt auch Probleme: Die Anfahrschwäche des 500E stört. Bereits beim Anfahren an leichten Steigungen kommt der Elektro-Fiat kaum noch vom Fleck. "Im Vergleich zu anderen Elektromobilen wirkt der Karabag lahm", so Reporter Claudius Maintz. Die Reichweite bereitet weniger Sorgen als vor dem Alltagstest gedacht. Selten kam der 500E mit weniger als 20 Prozent Akkukapazität wieder auf den Hof. "Allerdings habe ich mich bei jeder Fahrt – mit Blick auf die Akkukapazität – gefragt, ob dieser Weg tatsächlich sein muss", sagt Redakteur Hauke Schrieber. Das Problem: Der Karabag lässt sich nur an einer Drehstrom-Steckdose aufladen. Und die hat kaum jemand zu Hause.
Trotz der Kritik: Alle Nutzer waren von der technischen Reife des Karabag überzeugt. Kein einziger Ausfall, der E-Fiat hat jeden Tag brav seinen Dienst versehen. Beachtlich, schließlich ist der 500E kein mit zig Millionen Euro aufgebauter Versuchsträger eines großen Herstellers, sondern ein mit viel Idealismus produzierter Serien-Stromer eines Hamburger Mittelständlers. Idealismus braucht allerdings auch der Käufer des Karabag. Denn nach dem Kaufpreis-Schock ernüchtert der Kleinwagen mit seinen Unterhaltskosten. Unser Testverbrauch von 19,1 kWh pro 100 Kilometer geht angesichts vieler Autobahnfahrten in Ordnung. Der Strom dafür kostet 4,58 Euro. Dafür gibt es nur knapp vier Liter Diesel. Rechnet man den Wertverlust (siehe Restwert in der ersten Tabelle unten) mit ein, wird es unverschämt: Jeder Kilometer kostet 1,52 Euro. Dafür ließe sich auch Mercedes S-Klasse fahren. Umdenken ist gefragt.

Fazit

von

Stefan Voswinkel
Seinen Alltagstest hat der 500E bestanden. Die Reichweite ist ausreichend, der Verbrauch in Ordnung, technische Defekte gab es nicht. Problematisch ist nur das hohe Preisniveau. Anschaffung und Wertverlust sprengen jeden Rahmen. Ändert sich hier nichts, fährt das Auto am Geldbeutel der Käufer vorbei.

Von

Stefan Voswinkel