SsangYong heißt jetzt KGM: erste Fahrt im Actyon
Sieht aus wie ein Range Rover, kostet aber die Hälfte
Der Name klingt nach Chinese, die Optik erinnert an Range Rover. Und doch: Der KGM Actyon kommt aus Südkorea. Erster Fahrbericht!
Bild: KG Mobility
Eine neue Marke mit drei Buchstaben – das muss ein Chinese sein! Weit gefehlt, KGM kommt aus Südkorea und hieß bis vor Kurzem SsangYong. Die im Heimatland hoch angesehene Marke – sie baute jahrzehntelang die Staatslimousine – ist nach einigen Turbulenzen unter das Dach des koreanischen Stahl- und Chemieriesen KG Group geschlüpft. KGM steht für KG Mobility.
Mit 4,74 Meter Länge zeigt der KGM Actyon VW-Tayron-Format
Actyon, da war doch was? Der erste von 2006 war vorne wenig mehrheitsfähig gestaltet, sein Platz in der Automobilgeschichte ist ihm dennoch sicher: das erste Schrägheck-SUV überhaupt. Selbst KGM-Angestellten fällt es nicht leicht, den neuen Actyon vom 2024 vorgestellten SUV-Modell Torres abzugrenzen. Der Torres ist etwas höher und kastiger, der Actyon minimal länger (4,74 Meter) und breiter (1,91 m), fällt aber vier Zentimeter flacher aus (1,68 m samt Dachreling).

Der KGM Actyon trägt ein durchaus ansehnliches Blechkleid, das Design mit fließenden Linien wirkt keinesfalls uninspiriert.
Bild: KG Mobility
Der Actyon wirkt sportiver und stadtfeiner, mimt weniger den Offroader wie der Torres mit seinem angetäuschten Ersatzradhalter hinten. Wobei sich auch der Actyon bereitwillig nützlich macht: Keine Version bietet weniger als 500 kg Zuladung, ziehen darf er 1,5 Tonnen. Für richtig schwere Aufgaben gibt es ja den Rexton, einen echten Geländewagen.
Auch in der zweiten Reihe des KGM Actyon sitzt man anständig
Actyon wie Torres basieren auf dem 2019 vorgestellten Korando, übernehmen dessen 1,5-Liter-Turbovierzylinder (von KGM selbst) und auch den Radstand (2,68 m). Man könnte KGM nun vorwerfen, ständig nur neue Karosserien über die immergleiche Basis zu stülpen – das aber hat für die Kunden auch Vorteile: Der Actyon besteht aus bewährten Teilen und Aggregaten, bis hin zu den Aisin-Sechsganggetrieben (wahlweise manuell oder Wandlerautomatik).

Auch im Fond des KGM Actyon finden die Mitreisenden ausreichend Platz und eine ordentliche Sitzposition.
Bild: KG Mobility
Wer hohe SUV-Sitzpositionen schätzt, der kommt hier auf seine Kosten – volle 30 Zentimeter über dem Wagenboden oder 67 Zentimeter über dem Asphalt. Besser als beim Torres: die schwebende Mittelkonsole, luftig und die Insassen nicht einmauernd. Das Cockpit ist ganz die schöne neue Autowelt – fast ohne Tasten, außer in den Lenkradspeichen. Einmal eingeprägt, ist die Bedienung aber simpel: Eine Wischbewegung von oben klappt die Assistenz-Einstellungen aus (samt Abschaltung des Tempowarner-Gebimmels), eine Wischbewegung von rechts faltet die Klima-/Heizungs-Bedienung auf. Hinten sitzt man ebenfalls hoch und bequem auf 29 Zentimetern über dem Fußboden, bei reichlich Luft über dem Scheitel.
Der Arbeitsplatz im Actyon ist im Trend der Zeit weitgehend digital gestaltet
Beim Losfahren dreht der Downsizing-Benziner mit kernig-vernehmlichem Geräusch hoch, klingt motorradartig sportiv. Die bewährte Sechsstufen-Wandlerautomatik von Aisin schaltet dabei sinnreich, hält die unteren Gänge nicht zu lange fest. Da der Actyon nur 50 kg schwerer ausfällt als der weit kürzere Tiguan-Konkurrent Korando (4,45 m), kommen subjektiv keine Leistungswünsche auf. Zumal die – auf den ersten Blick wenig spektakulären – 280 Nm Drehmoment turbotypisch schon bei 1500 Touren bereitstehen.

KGM Actyon mit eckigem Lenkrad und zwei 12,3-Zoll-Schirmen, aber ohne separates Klima-Bedienpanel. Dazu die schwebende Mittelkonsole, die nicht einmauert.
Bild: KG Mobility
Und: Der Actyon schafft um die 190 km/h, das reicht völlig für ein Auto dieser Sorte. Die Lenkung ist passend zum Gesamtcharaker auf der leichtgängig-komfortablen Seite, lässt das SUV handlich wirken (Wendekreis unter elf Meter) und zugleich richtungsstabil. Insgesamt bekömmlich gefedert, rollen die 20-Zoll-Räder auf kurzen Anregungen wie Asphaltflicken oder Kanten etwas herb ab, ohne den Komfort in störendem Maße zu mindern.
Die halbe Tonne Zuladung nimmt der KGM Actyon recht gelassen
Zentrales Verkaufsargument dieses für KGM-Verhältnisse eher hochpreisigen Modells dürfte der ungewöhnliche Ausstattungsumfang sein: Schon die Basisversion "Core" ab 35.790 Euro bietet beheizte wie belüftete Ledersitze (!), Heckkamera, 20-Zoll-Räder, Dachreling und abgedunkelte Privacy-Verglasung.

Die flott angeschrägte Heckform nimmt dem KGM Actyon rund 100 Liter Laderaum im Vergleich zum Torres. Insgesamt bleiben immer noch 668 bis 1558 Liter.
Bild: KG Mobility
Mit der Konfiguration ist der Kunde flott durch: Es gibt nur ein halbes Dutzend Extras. Die wichtigsten: Automatik (2200 Euro), Allradantrieb (2200 Euro, nur in Verbindung mit Automatik), E-Heckklappe (1100 Euro). Letztere ist Serie in der von uns gefahrenen Ausstattung "Top", die auch eine 360-Grad-Kameraüberwachung und mehr Assistenz bietet (ab 42.250 Euro). Die Garantie: fünf Jahre oder 100.000 Kilometer.
Der KGM Actyon wird auch noch als Vollhybrid vorfahren
Es wird nicht bei dieser einen Motorisierung bleiben, die Koreaner werden einen Vollhybriden nachreichen. Einen Wechsel auf die modernere Achtstufen-Automatik vom gleichen Lieferanten würden wir fürs erste Facelift erwarten.

Am Heck zeigt der KGM Actyon Range-Rover-eske Linien, die aber keineswegs abgekupfert wirken. Relativ viel Bodenfreiheit: 206 mm.
Bild: KG Mobility
Übrigens dürfte der Actyon das größte Auto sein, das noch mit manueller Schaltung zu haben ist, wenn man die Muscle-Car- und die Pick-up-Szene mal außen vor lässt. Es soll ja noch Kunden geben, die lieber selber schalten.
Fazit
Der KGM Actyon ist vielleicht das erste Modell dieses Herstellers (ehemals SsangYong), das wegen und nicht trotz seines Designs gekauft wird. Nicht das innovativste Auto, auch nicht das leiseste, aber Ausstattungs-Fülle und Preiswürdigkeit lassen den Koreaner aus dem SUV-Angebot herausragen. Der konventionelle 1,5-Liter-Turbo reicht, weil der Actyon nicht zu schwer geriet. Insgesamt solide, handfeste Anmutung und bewährte Technik.
Service-Links
