Vier sportliche Mittelklassen

Kia Stinger GT/Audi S5/BMW 440i Gran Coupé/Jaguar XE S: Test

Der Kia Stinger macht Druck

Kia wagt sich erstmals ins Segment der sportiven Mittelklasse und positioniert den Stinger GT in direkter Schlagdistanz zu Audi, BMW und Jaguar.
Mit den koreanischen VorstĂ¶ĂŸen ins Dynamiksegment war das bislang so eine Sache. Wir erinnern uns an 2011, als Hyundai aus der Genesis-Linie ein Sportpendant destillieren wollte – und am Ende damit ziemlich klĂ€glich scheiterte. Seit 2013 gibt es aber ein eigenes Entwicklungscenter am NĂŒrburgring und reichlich personelle AufrĂŒstung, die so klangvolle Namen wie etwa Albert Biermann umfasst. Jawohl, das ist genau der Mann, der zuvor dreißig Jahre in BMW- und BMW M-Diensten stand – ein Fahrspaß-Botschafter vor dem Herrn! Die ersten Spuren seines Wirkens konnten wir zuletzt am i30 N erfahren, der nicht nur ein ĂŒberaus unterhaltsamer, sondern auch ein richtig guter Kompaktsportler geworden ist.

Kia macht in Sachen Sportlichkeit einen Schritt nach vorn

Herausforderer: Der Kia Stinger meint es sehr ernst mit seinem Angriff auf die europÀische Elite.

Nun kommt der zweite Spross, den die Koreaner explizit mit seinem Namen in Verbindung bringen; der Kia Stinger GT mit viel Dampf und Allradantrieb. Seine Mission? Klar, die deutsche Elite rund um Audi S5 und Co. zu vermöbeln, was vom Schwierigkeitsgrad her ĂŒbrigens die deutlich grĂ¶ĂŸere HĂŒrde sein dĂŒrfte. Warum? Weil es hier um Ausgewogenheit geht; um eine möglichst perfekte Melange aus Dynamik, Technologie, Feingeist und Flair. Doch auch das scheinen die Koreaner lĂ€ngst verstanden zu haben und positionieren ihren Stinger als GT. Okay, dass grantouristische ZĂŒge fĂŒr gewöhnlich eine gewisse ZweitĂŒrigkeit voraussetzen, erklĂ€ren wir den Koreanern bei Gelegenheit gern noch einmal. Davon abgesehen jedoch stimmt die Richtung, in die Kia hier zielt. Auch technisch: Mit 370 PS positioniert sich der 3,3-Liter-Biturbo-V6 am oberen Ende der klassenĂŒblichen Leistungsskala; mit 510 Nm drĂŒckt er sogar das meiste Drehmoment ĂŒberhaupt.
Alle News und Tests zum Kia Stinger

Der schwere Stinger hÀngt agil am Gaspedal

Geht richtig gut: In 4,9 Sekunden liegt im Stinger Tempo 100 an, bis 200 km/h dauert es 17,4 Sekunden.

Von einem wahren Sportmotor wĂŒrden wir in seinem Kontext aber dennoch nicht sprechen. Grund: Die Art seiner Kraftentfaltung, die vor allem Durchzug und Ansprechverhalten forciert. So schnell wie der Kia hat in dieser Klasse kaum einer den Ladedruck beisammen. Ab spĂ€testens 1500 Touren marschiert die Limousine richtig stramm voran, drĂŒckt lĂ€ssig durch die Drehzahlmitte, um schließlich recht manierlich in die Hochlage zu pressen. Alles fein, wĂ€re da nicht dieses achtstufige EigengewĂ€chs, das den Takt nicht immer perfekt trifft. Im Alltag funktioniert die Automatik tadellos; dort wandlert sie aufmerksam und fleißig ihre Stufen auf und ab und spielt auch die passenden Drehzahlen zur gewĂ€hlten Beschleunigung ein; fordert man jedoch Dynamik von ihr, wird's teilweise ein wenig konfus. Weshalb die Fahrstufenwechsel bei Teillast zum Beispiel hĂ€rter ausfallen als unter Volllast, erschließt sich uns ebenso wenig wie die Tatsache, dass man zwar Schaltpaddel am Lenkrad, aber keinen echten Manuellmodus hat. Schade, dabei hĂ€tten gerade die Durchzugswerte schön gezeigt, wie agil der Biturbo an seinen Ladern hĂ€ngt. Immerhin, eine Launch Control ist im Kennfeld hinterlegt. Und die wirkt in Art und AusfĂŒhrung ihrer binĂ€ren Pflichten schon sehr europĂ€isch. Das Anfahren vollzieht sich insgesamt zwar recht gemĂ€chlich – deutlich gemĂ€chlicher als es dank Allrad nötig wĂ€re –, danach pfeffern die Stufen aber mit Schmackes ins Geschehen. Ergebnis: 4,9 Sekunden auf hundert und 17,4 Sekunden auf zweihundert, womit der Stinger trotz des höchsten Leergewichts von1851 Kilogramm gleichauf mit der Konkurrenz beschleunigt.

Audi hat dem S5 den Charakter herauspoliert

Ein wenig synthetisch: Beim Fahren brennt der S5 nicht unbedingt ein großes emotionales Feuerwerk ab.

Einzig der Audi S5 luchst ihm bis 200 km/h ein paar Zehntel ab. Sein Monoturbo-V6 spricht zwar nicht ganz so frĂŒh an, vermittelt ansonsten jedoch den durchweg fahraktiveren Eindruck. Er lĂ€sst sich besser dosieren, wirkt klarer im Ansprechverhalten und vehementer im Ausdrehen. Gleiches gilt fĂŒr seinen Achtstufer, der wie in BMW und Jaguar von ZF stammt und insgesamt flinker, straffer sowie im entscheidenden Moment auch berechenbarer schaltet. An sich ein nahezu makelloser Treibsatz also, wenn der ganze Schliff nicht auch ein wenig den Charakter herauspoliert hĂ€te. Der S5 entfacht geradeaus kein Feuer, er heizt einem eher nach Induktionsplatten-Manier ein. Den wahren Gaskocher bekommt man hingegen einmal mehr in MĂŒnchen! Drei Liter in Reihe, ein Turbo, mit 326 PS und 450 Newtonmetern zwar die schmĂ€chtigsten Muckis, dafĂŒr die mit Abstand höchste Ausdauer. Und vor allem richtig Flair! Der BMW ist der einzige Turbo in dieser Runde, dem man noch echte Drehfreude und authentischen Klang attestieren kann; der einzige, dessen Leistung noch eine wahre Charakteristik aufweist; und am Ende auch derjenige, der am innigsten mit dem rechten Fuß verwĂ€chst. Zumal auch der Sportautomat seinem Namen vollauf gerecht wird. Er reagiert am schnellsten, schaltet am hĂ€rtesten und nimmt seinen Manuellmodus bis an den Begrenzer absolut wörtlich.
Alle News und Tests zum Audi S5 Sportback

Dem Jaguar geht es nicht nur um Fahrdynamik

Sonderstellung: Im Bug des Jaguar sorgt ein Kompressor fĂŒr den nötigen Druck im Dreiliter-V6.

Und dennoch gibt es hier einen, der antriebsseitig fast Ă€hnlich berĂŒhrt. Der sein Drehmoment noch zu einem echten Erlebnis verdichtet, Kraft entfaltet, anstatt sie darzureichen; und der aufgrund seiner Kompressoraufladung hier ohnehin eine gewisse Sonderstellung einnimmt. Schon klar, der Jaguar drĂŒckt nicht ganz so feist aus dem Keller wie die anderen; doch setzt seine Last dafĂŒr eben vollkommen verzugfrei ein. Im Sportmodus meint es der Brite mit seiner Gasannahme sogar fast ein wenig zu gut, schnappt derart spitz zu, dass der recht lockeren Hinterhand immer wieder ein paar Rösser durchgehen. Denn im Gegensatz zum BMW, der den heckantriebsbedingten Traktionsnachteil weitestgehend ĂŒber extrem griffige Michelin-Reifen auffĂ€ngt, steht der Jag mit seinen Dunlops nicht ganz so erdverbunden auf dem Asphalt. Kritiker werfen ihm dieses relativ legere VerhĂ€ltnis zur Haftreibung ebenso gern vor wie seine taubspitze Lenkung. Doch ĂŒbersehen die fahrdynamischen SittenwĂ€chter dabei eben ganz gern eine nicht unbedeutende Kleinigkeit: Dem Jaguar geht es gar nicht um diese letzten Prozentpunkte an Konsequent-Dynamik; ihm geht es vor allem um ein FahrgefĂŒhl, das von Unbeschwertheit geprĂ€gt ist.
Alle News und Tests zum Jaguar XE
Weitere Details zum Vergleichstest finden Sie in der Bildergalerie.

Manuel Iglisch

Fazit

Wenn man bedenkt, wie lange die anderen schon an ihren Sportmodellen herumfeilen, dann gibt Kia mit dem Stinger schon einen ziemlich gelungenen Einstand. Der Koreaner schiebt zĂŒnftig, hat einen guten Allrad und bietet unfassbar viel Ausstattung fĂŒrs Geld. Der Held dieses Segments heißt aber auch weiterhin Audi S5, wenngleich der reizvollste Charismatiker dieser Runde aus England kommt.

Stichworte:

Sportlimousine

Anzeige

Automarkt

Bei autohaus24.de Neuwagen gĂŒnstig kaufen und Geld sparen.

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.