Killer-Kältemittel im KBA-Test
Nur lückenhaft getestet?

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Ausgerechnet der TÜV Rheinland hat im Auftrag des KBA die Sicherheit von R1234yf untersucht. Die Versuche sind möglicherweise nicht aussagekräftig.
Noch bevor das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) seinen Abschlussbericht zur Untersuchung des Kältemittels R1234yf veröffentlicht hat, bezweifeln Experten die Vollständigkeit der amtlichen Tests. Wie AUTO BILD in Heft 31/2013 (ab 2. August im Handel) aus Insiderkreisen erfuhr, wurde der Ausströmversuch, also die zweite Stufe des Tests, nur noch an drei von vier Autos durchgeführt. Offenbar war bei einem Tempo-40-Crash des KBA der Kältemittel-Kreislauf ausgerechnet bei der Mercedes B-Klasse intakt geblieben – also genau bei dem Modell, das im Mercedes-eigenen Test brannte. Anstatt den Crash mit höherer Geschwindigkeit zu wiederholen, um doch noch einen Klimaanlagenschaden zu provozieren, hat der TÜV Rheinland den Mercedes wohl nicht weiter untersucht. Damit ließe das KBA offen, ob sich R1234yf in einer beschädigten B-Klasse entzünden kann.
Kältemittelstreit mit Frankreich: "Desaströse Auswirkungen"
R1234yf-Befürworter hatten Daimlers "Real Life"-Brandversuche vom Herbst 2012 dahingehend kritisiert, weil Daimler sie nicht an Unfallwagen durchgeführt hatte. Stattdessen ließen die Stuttgarter das Kältemittel in den Motorraum von intakten Autos ausströmen. Die Strömungsverhältnisse in einem unfallverformten Motorraum seien völlig anders als bei einem unbeschädigten Auto, so die Kritik. Doch auch der R1234yf-Ausströmversuch an den drei verbliebenen Kandidaten könnte angreifbar sein. Denn sind die Crash-Schäden an den Klimaleitungen zu klein oder zu groß, entsteht nicht die erforderliche Wolke im Motorraum, die einen Brand auslöst. Das war angeblich sowohl bei Hyundai, Opel als auch bei Subaru der Fall – damit war von vornherein klar, dass es zu keinem Brand kommen könnte. Ob eine andere Crash-Situation mit veränderter Geschwindigkeit oder Überdeckung einen anderen Schaden an der Klimaanlage verursacht hätte, bleibt unklar.
Kältemittel-Streit: Frankreich blockiert weiter
Um dennoch eine Fluorwasserstoff-Messung durchführen zu können, wurde angeblich später das Kältemittel direkt auf heiße Motorteile geträufelt: ein trivialer Versuch mit vorhersagbarem Ergebnis ohne Aussagekraft. Bislang hat das KBA seine Versuchsergebnisse nicht publiziert, eine diesbezügliche AUTO BILD-Anfrage blieb unbeantwortet. Die durchgesickerten Informationen lassen jedoch befürchten, dass kein Worst-Case-Szenario ermittelt wurde. Stattdessen soll nun eine einzelne Crashsituation, bei der nichts passierte, dem Kältemittel seine Sicherheit bescheinigen.

Bild: Auto Bild
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