Reboarder

Kindersitze: Reboarder sind sicherer

Kleinkinder sitzen r√ľckw√§rts sicherer

F√ľr Kleinkinder bis zu einem Alter von vier Jahren ist der sogenannte Reboarder der sicherste Kindersitz. Wer zu fr√ľh auf vorw√§rtsgerichtete Sitze umsteigt, riskiert bei einem Unfall schwere Verletzungen.
Das r√ľckw√§rtsgerichtete Fahren im Kindersitz ist den meisten Eltern nur in Verbindung mit der Babyschale ein Begriff. Denn Babys m√ľssen entgegen der Fahrtrichtung transportiert werden ‚Äď so sieht es der Gesetzgeber vor. Ist die Babyschale zu klein, darf das Kind vorw√§rtsgerichtet sitzen. Das ist meist im Alter von 12 bis 15 Monaten der Fall. Was viele jedoch nicht wissen: In diesem Alter ist das Mitfahren in Fahrtrichtung f√ľr das Kind ein gro√ües Sicherheitsrisiko. Bei einem Crash drohen schwere Verletzungen ‚Äď auch wenn das Kind ordnungsgem√§√ü im Kindersitz mitf√§hrt. Besser ist, das Kind auch nach der Babyschale noch entgegen der Fahrtrichtung mitfahren zu lassen. Und zwar in einem sogenannten Reboarder. Dieser Sitz erlaubt es Kinder sogar bis zu einem Alter von vier Jahren r√ľckw√§rts im Auto sitzen zu lassen. Im Idealfall sollte man erst danach zu einem vorw√§rtsgerichteten Sitz greifen.

Warum Reboarder? Die Sicherheitsvorteile

Der Kopf eines Kindes ist groß, die Beanspruchung des Nackens enorm.

©Burdi et al., 1968

Bei Babys und Kleinkindern ist das Verh√§ltnis vom Kopf zum K√∂rper noch sehr unausgeglichen. Der Kopf eines Kleinkindes macht rund 20 Prozent seines gesamten K√∂rpergewichtes aus. Zum Vergleich: Im Erwachsenenalter sind es nur noch sechs bis acht Prozent. Bei kleinen Kindern ist der Kopf also verh√§ltnism√§√üig schwer. Hinzu kommt, dass Hals- und Nackenmuskulatur noch nicht vollst√§ndig ausgebildet sind. Kommt es nun zu einem Frontalaufprall in einem vorw√§rtsgerichteten Kindersitz, wird der Kopf des Kindes mit enormer Wucht nach vorne geschleudert, w√§hrend die Gurte die Schultern zur√ľckhalten. Die Muskulatur kann die starke Zugkraft nicht kompensieren, schwere bis t√∂dliche Verletzungen der Wirbels√§ule k√∂nnen die Folge sein.
Im Gegensatz dazu wird das Kind in einem Reboarder bei einem Aufprall in den Sitz gedr√ľckt. Die Energie des Aufpralls verteilt sich so gleichm√§√üig √ľber den gesamten R√ľcken und den Kopf des Kindes. Die Sitzschale wirkt wie ein Schutzschild und st√ľtzt Kopf und Hals. Welche Reboarder wirklich gut sind, lesen Sie im Reboarder-Test

Wann von der Babyschale in den Reboarder wechseln?

Die Muskulatur des Kindes kann einen Aufprall in einem  vorw√§rtsgerichteten Sitz nicht kompensieren.

Die Babyschale ist optimal auf den K√∂rper des S√§uglings abgestimmt, deswegen sollte sie solange wie m√∂glich genutzt werden. Erst wenn das Kind zu schwer bzw. zu gro√ü f√ľr die Babyschale geworden ist, empfiehlt AUTO BILD in die n√§chste Sitzklasse zu wechseln. Die Babyschale sollte solange genutzt werden, bis der Kopf des Kindes √ľber den oberen Rand des Sitzes ragt ‚Äď erst dann ist die Babyschale wirklich zu klein. Und zwar auch, wenn das Kind schon die Beine anziehen muss.
Theoretisch kann man auch auf eine Babyschale verzichten, denn viele Reboarder sind bereits f√ľr Neugeborene zugelassen. Sie werden mit speziellen Einlagen an die Gr√∂√üe des S√§uglings angepasst. AUTO BILD empfiehlt jedoch als ersten Sitz eine Babyschale zu nutzen. Sie ist besser auf den kleinen K√∂rper abgestimmt. Au√üerdem ist das Handling leichter und die Babyschale kann auch au√üerhalb des Autos als praktische Transportm√∂glichkeit genutzt werden.

Wie lange sollte das Kind r√ľckw√§rtsfahren?

Bis zum Alter von vier Jahren ist der r√ľckw√§rtsgerichtete Sitz sicherer.

©Britax R√∂mer

Das Verh√§ltnis von Kopf und K√∂rper hat sich erst in einem Alter von vier Jahren vollst√§ndig ausgeglichen. Theoretisch sollten Kinder also auch bis zu einem Alter von vier Jahren r√ľckw√§rts mitfahren. Die Reboarder sind dementsprechend auf eine Nutzungsdauer bis zu einem Alter von vier Jahren ausgelegt. In der Praxis ist es aber h√§ufig nicht umsetzbar, da viele Kinder irgendwann schlicht keine Lust mehr haben auf die Sitzposition entgegen der Fahrtrichtung. Hier gilt: Auch ein quengelndes Kind ist ein Sicherheitsrisiko (abgelenkter Fahrer), deswegen sollten Eltern darauf achten, dass sich das Kind im Sitz wohlf√ľhlt. Die AUTO BILD-Empfehlung lautet daher das Kind so lange es geht r√ľckw√§rtsgerichtet zu transportieren, mindestens jedoch bis zu einem Alter von zwei Jahren.
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Wie sind die Vorschriften zum r√ľckw√§rtsgerichteten Fahren?

ECE R 44: Die ECE R 44 ist die Europ√§ische Pr√ľfnorm f√ľr Kindersitze. Sie orientiert sich vorrangig am Gewicht des Kindes und teilt es in verschiedene Gruppen ein, f√ľr die jeweils unterschiedliche Kindersitze angeboten werden. In dieser Norm ist auch das r√ľckw√§rtsgerichtete Fahren f√ľr Neugeborene vorgeschrieben und zwar mindestens bis zu einem Gewicht von neun Kilo oder einem Alter von sechs Monaten.
I-Size (R 129): Die neue i-Size-Norm, die langfristig die Norm ECE R 44 abl√∂sen soll, richtet sich nicht mehr nach dem Gewicht, sondern nach der K√∂rpergr√∂√üe. Au√üerdem f√§llt die Einteilung in Gruppen weg, jeder Hersteller legt die Nutzungsdauer seines Kindersitzes selbst fest. Die neue Norm schreibt r√ľckw√§rtsgerichtetes Fahren unabh√§ngig von K√∂rpergewicht und -gr√∂√üe bis zu einem Alter von 15 Monaten vor. Mehr zum Thema i-Size

Reboarder: Worauf beim Kauf achten?

Mit Kind ausprobieren: Das wichtigste beim Kindersitz ist, dass sich das Kind wohlf√ľhlt und der Sitz passt. Denn ein quengelndes, unzufriedenes Kind lenkt den Fahrer ab. Deswegen ist ein Probesitzen mit dem Kind vor dem Kauf unerl√§sslich. Hier sollte auch der Gurtverlauf √ľberpr√ľft werden, der Gurt (idealerweise F√ľnfpunkt) sollte straff am K√∂rper des Kindes sitzen und nicht einschneiden.
Einbau ins Auto: Auch das Einsetzen des Sitzes sollte vor dem Kauf einmal geprobt werden, da Reboarder meist auf einer sperrigen Basis stehen. Am besten w√§hlt man einen Reboarder mit Isofix und Standfu√ü bzw. Toptether. Einen Reboarder mit dem Fahrzeuggurt zu befestigen ist meist kompliziert und birgt hohes Fehlerpotenzial, das sich letztlich auf die Sicherheit auswirkt. Wichtig: Mithilfe der Typenliste checken, ob der Sitz f√ľr das jeweilige Fahrzeug zugelassen ist.

Ein drehbarer Reboarder erleichtert das Einsetzen.

©Britax R√∂mer

Drehbarer Reboarder:
Einige Reboarder sind zu 180 oder sogar 360 Grad drehbar. Das erleichtert das Einsetzen des Kindes. Au√üerdem kann der 360-Grad-Sitz vorw√§rtsgerichtet bis zum Ende der Nutzungsdauer weiterverwendet werden, wenn das R√ľckw√§rtsfahren vorher nicht mehr klappen sollte. Daf√ľr muss man beim drehbaren Reboarder allerdings auch ein paar Euro mehr einkalkulieren.
Schutz und Komfort: Beim Kauf sollten Eltern zus√§tzlich darauf achten, dass der Sitz gut gepolstert und gut bel√ľftet (atmungsaktive Stoffe, ggf. Aussparungen im Sitz) ist. Sicherheitsfeatures wie zus√§tzlicher Seitenaufprallschutz sorgen f√ľr weiteren Schutz des Kindes.

Fotos: Britax Römer

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