Bei den Vermittlungsverhandlungen zum Klimapaket haben sich Bund und Länder geeinigt. Demnach soll der CO2-Preis im Verkehr und bei Gebäuden nun zum 1. Januar 2021 mit 25 Euro pro Tonne starten und schrittweise bis 55 Euro steigen (Details gibt es hier). Der CO2-Preis soll fossile Heiz- und Kraftstoffe verteuern, damit Bürger und Industrie klimafreundliche Technologien kaufen und entwickeln. Das Paket kann nun in der letzten Sitzung des Bundesrats am 20. Dezember 2019 verabschiedet werden.

Benzin und Diesel wird teurer

Alle zusätzlichen Einnahmen sollen für die Senkung der EEG-Umlage verwendet werden, die alle Stromkunden zur Förderung von erneuerbaren Energien zahlen. Das Klimapaket sieht unter anderem vor, dass der Benzin- und Dieselpreis um mehrere Cent steigt (Einzelheiten siehe unten). Im Gegenzug wird die Pendlerpauschale für Fernpendler mehr erhöht als zunächst geplant. Zuvor hatte das Kabinett bereits eine sogenannte Mobilitätsprämie gebilligt. Damit sollen Kleinverdiener, die keine Steuern zahlen, von einer befristeten Erhöhung der Entfernungspauschale profitieren, indem sie ab dem 21. Kilometer mehr Geld ausgezahlt bekommen.

Ausrichtung der Kfz-Steuer nach CO2-Ausstoß

Zudem soll die Kfz-Steuer künftig stärker nach dem CO2-Ausstoß ausgerichtet werden. Dies war aber noch nicht Teil der beschlossenen Maßnahmen. Das Klimapaket enthält das sogenannte Klimaschutzprogramm mit konkreten Vorhaben, nach denen Deutschland seine Klimaziele erreichen will. Zum anderen bestimmt das Klimaschutzgesetz, wie die Maßnahmen im Kampf gegen die Erderwärmung umgesetzt und überwacht werden sollen. Deutschland will, um seine Klimaziele zu erreichen, seinen Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen bis 2030 um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. Bis Mitte des Jahrhunderts soll die Bundesrepublik weitgehend klimaneutral werden.

Mehr Zeit zum Umsteigen

Kanzleramtschef Helge Braun betonte im Bundestag, das Klimapaket sei sozial ausgewogen. Die Bürger sollten Zeit bekommen, um Ölheizungen umzurüsten und auf Elektroautos umzusteigen. Wer dies mitmache, habe keine Mehrbelastungen. Umweltverbände und die Opposition hatten das Paket der Regierung scharf kritisiert – vor allem als zu wenig ambitioniert. Ihrer Auffassung nach stellt es nicht sicher, dass Deutschland seine international vereinbarten Klimaschutzziele für 2030 erreicht. Auf die Eckpunkte des Pakets hatten sich die Spitzen von Union und SPD Ende September nach langem Ringen geeinigt. Derzeit reißt die Bundesrepublik die auf EU-Ebene verpflichtenden Ziele, es drohen hohe Strafzahlungen. Regierungskreisen zufolge kostet das Klimapaket bis 2023 mehr als 54 Milliarden Euro.

Verkehr produziert ein Fünftel des CO2

Klimapaket: Das steckt drin für Autofahrer
Auf der IAA 2019 protestieren Umweltschützer gegen klimaschädliche Autos.
Vor allem der Verkehrssektor ist bei der Klimaverbesserung in der Pflicht. Die CO2-Emissionen waren 2018 mit 162 Millionen Tonnen in etwa so hoch wie 1990, sie entsprechen einem Anteil von rund 19 Prozent am Gesamtausstoß. Folgende Maßnahmen von Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sind vorgesehen: Förderung eines Wechsels auf alternative Antriebe bei Autos und Nutzfahrzeugen, ein stärkerer Einsatz alternativer Kraftstoffe, dazu eine massive Verlagerung von Verkehr auf die Schiene und der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Der Minister hatte im Juni 2019 mehr als 50 Maßnahmen vorgeschlagen, um CO2-Emissionen beim Verkehr zu senken. Diese Liste beschreibt die Folgen für Autofahrer:

Das steckt für Autofahrer im Klimapaket

Spritpreis könnte 2026 um 15 bzw. 17 Cent steigen

Bis 2025 soll der CO2-Preis auf 55 Euro pro Tonne (statt 35 Euro) erhöht werden, was eine Spritpreiserhöhung zwischen 15 und 20 Cent nach sich ziehen dürfte. Bis 2026 könnte, gemessen am heutigen Preis, Benzin um 15 Cent, Diesel um 17 Cent pro Liter teurer werden
Ab 2026 sollen ein Stück weit Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. Dies soll über einen Handel mit Verschmutzungsrechten organisiert werden, an dem sich etwa Mineralölfirmen beteiligen. Beschlossen wurde nun ein Preiskorridor zwischen 55 und 65 Euro pro Tonne CO2. 2027 soll der Preis dann komplett am Markt geregelt werden.

Höhere Pendlerpauschale und Mobilitätsprämie

Die Pendlerpauschale ist ab dem 1. Januar 2021 um fünf Cent auf 35 Cent pro Kilometer gestiegen, allerdings erst ab dem 21. Entfernungskilometer. Seit 2022 gibt es für Langpendler acht Cent mehr als bisher, also dann 38 Cent pro Kilometer. Damit soll sichergestellt werden, dass diejenigen nicht benachteiligt werden, die weiter auf das Auto angewiesen sind. In gleicher Weise soll eine sogenannte Mobilitätsprämie mehr als 200.000 Menschen zugutekommen, die zu wenig verdienen, um von der Pendlerpauschale zu profitieren. Die Pendlerpauschale wird unabhängig vom genutzten Verkehrsmittel gezahlt.

Höhere Kfz-Steuer für Spritschlucker

Fahrer von Spritschluckern wie große SUV oder Limousinen stärker zur Kasse bitten, indem die Kfz-Steuer nach dem CO2-Ausstoß ausgerichtet wird. Bei Neuzulassungen von Autos über 116 g CO2 pro Kilometer greift die Steuererhöhung. Das soll Autokäufer animieren, um Spritschlucker einen Bogen zu machen. Bei Fahrzeugen mit einem Ausstoß von 95 g bis 115 g pro Kilometer stellt das Finanzamt 2 Euro pro g pro km in Rechnung, beim Ausstoß von über 195 g pro km sind es vier Euro.

Förderung von E-Autos

Der Umweltbonus zur finanziellen Förderung von neuen Elektroautos wurde bis 2025 verlängert. Außerdem wurde die Prämie erhöht - und zwischenzeitlich wieder gekürzt. Für Plug-In-Hybride werden nun gar nicht mehr gefördert. Elektroautos sind bis 2025 von der Kfz-Steuer ausgenommen. Ziel: sieben bis zehn Millionen E-Autos und Hybridfahrzeuge bis 2030 in Deutschland.

Ermäßigte Dienstwagensteuer

Die Dienstwagensteuer für die private Nutzung von rein elektrischen Pkw ist von 0,5 Prozent auf 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises gesenkt. Dauer: bis 2030. Beispiel: Der Nutzer eines Dienstwagens mit Verbrennungsmotor im Wert von 50.000 Euro zahlt pro Monat 500 Euro (ein Prozent), der eines Elektrofahrzeugs nur 125 Euro.

Ladesäulen, neue Kraftstoffe

Die Mittel für die Förderung der Ladeinfrastruktur für Elektroautos wurden verdoppelt, auch Wasserstofftankstellen sind dabei berücksichtigt. Kostenpunkt: 5,1 Milliarden Euro. Stärker gefördert werden sollen auch "fortschrittliche" Biokraftstoffe, etwa aus Abfall- und Reststoffen.

ÖPNV und Radverkehr

Der öffentliche Personennahverkehr wird massiv ausgebaut. In den Städten soll bis 2030 die Hälfte der Busse elektrisch fahren, dazu sollen die Takte enger werden. Radschnellwege an Bundesstraßen sollen ausgebaut werden.

Schienenverkehr

Die Mittel für den Aus- und Neubau von Schienenverkehr sollten auf drei Milliarden Euro pro Jahr verdoppelt werden. Zugleich steckt der Bund zusätzliche Milliarden in den Erhalt des zum Teil maroden Schienennetzes. Vorgesehen sind auch mehr längere Güterzüge. Die geplante Mehrwertsteuersenkung für Ferntickets bei der Bahn von 19 auf sieben Prozent soll laut Papier bis 2023 rund 2,2 Milliarden Euro kosten, bis 2030 rund 6,4 Milliarden Euro. Engpässe an Bahn-Knotenpunkten sollen beseitigt werden.

Mit Material von dpa und reuters