Wertstabilität hat einen Namen: Wohnmobil! Denn der Run auf mobile Wohnungen treibt auch auf dem Gebrauchtmarkt die Preise nach oben. Beispiel gefällig? Dieser Box Star 540 von Knaus: bald fünf Jahre alt, 80.000 Kilometer auf dem Zähler – und im Fenster eine Preisforderung von über 30.000 Euro! Wie bitte? Der geneigte Kun de reibt sich die Augen. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass der kurze Kasten für diesen Preis weggeht, ist gar nicht so gering. Warum? Weil die Hersteller allgemein mit dem Bau neuer Fahrzeuge kaum hinterherkommen und weil speziell ausgebaute Kastenwagen auch noch so schön alltagstauglich sind. Knaus liegt in dieser Klasse nach Pössl momentan auf Platz 2 in Deutschland. Klar, dass viele Interessenten genau so ein Auto suchen – was die Preise weiter treibt. Lohnt sich so ein Kauf trotzdem?

Der BoxStar bringt Freude an schlauen Detaillösungen

Knaus BoxStar 540
Genug Platz: Küchenzone mit drei Flammen, erhöhtem Spülbecken und Erweiterung.
Das ist er: Auf kurzen 541 Zentimetern Außenlänge baut der Knaus BoxStar 540 als eben noch stadttaugliches Reisemobil auf hunderttausendfach bewährter Fiat Ducato-Technik auf. Hinter der unscheinbaren, mit Polytherm gedämmten Blechfassade steckt ein vollwertiger Innenausbau mit reichlich Stau- und genügend Bewegungsraum für zwei Personen. Der BoxStar 540 ist ein Fall für Singles oder Paare, die einen kompakten Begleiter mit einem deutlichen Plus an Raum gegen über VW California oder Mercedes Marco Polo suchen und Freude an schlauen Detaillösungen haben. Der Küchenblock ragt zwar relativ weit in die Öffnung der Schiebetür, bietet zum Ausgleich aber erstaunlich viel Arbeitsfläche zum Kochen. Optisch markant und zugleich praktisch ist das deutlich erhöht eingebaute Edelstahl-Rundspülbecken, in das selbstverständlich auch ein klassisches Nudelsieb hineinpasst. Der Dreiflammenkocher liegt etwas tiefer, zusätzliche Arbeitsfläche klappt bei Bedarf an der Seite aus. Das quer eingebaute Heckbett mit Zwei-Zonen-Kaltschaummatratze ist 1,92 Meter lang und 1,40 breit, eignet sich also auch für groß gewachsene Reisende. Die praktische zweite Notkoje für Gäste oder Kinder in Form einer erweiterbaren Dinette ist jedoch nicht immer an Bord: Sie war seinerzeit nur als Mehrausstattung lieferbar.
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Der Innenraum besticht durch Kreativität

Knaus BoxStar 540
Die Schiebejalousie dient als Baderweiterung zum Duschen – nur der Durchgang ist dann zu.
Das kann er: Viel Wohnwert auf wenig Fläche unterbringen. Die Knaus-Piloten sitze sind zum Wohnbereich drehbar, an das offene Fahrerhaus schließt sich eine Halbdinette mit bequemen Polstern und zwei gurtgesicherten Sitzplätzen an. Nasszelle und Küche liegen sich vor der Hinterachse gegenüber und sind ebenfalls keinesfalls knäppliche Notlösungen. Ganz im Gegenteil, es steckt viel Kreativität in diesem Innenraum: Durch verschiedene Klapp-, Auszieh- und Schiebefunktionen können Tisch, Kochzeile und Bad mit wenigen Handgriffen bedarfsgerecht erweitert bzw. zurückgebaut werden. Das Raumbad nutzt durch eine halbkreisförmige, schienengeführte Schiebejalousie clever die allerletzten Zentimeter bis an den Küchenblock und demonstriert, wie viel Duschraum auf so geringer Grundfläche machbar ist. Okay, das geht auf Kosten der Bewegungsfreiheit und braucht etwas guten Willen: Wer duscht, versperrt den Durchgang zu Küche und Bett.Gar keine Gewöhnung fordert dagegen der Einrichtungsstil: Hell und freundlich wirkende Möbeloberflächen in Ulme, ein zeitloses Polsterdesign und das aufwendige LED-Lichtkonzept unterscheiden sich nicht groß von aktuellem und gehobenem Neuwagen-Standard. Auch am Stauraum in diversen Ablagen, Fächern und Schränken fehlt's hier nicht. Vor allem scheint der junge Gebrauchte in seinem ersten Leben gut behandelt worden zu sein: Klapperfreie Einbauten, tadelloses Furnier und sanft schließende Schub laden sprechen für die Sorgfalt des Vorbesitzers. Für angenehme Temperaturen an Bord sorgt die Kombination aus Fahrerhaus-Klimaanlage, Truma-Combi-4- Standheizung und zwei Dachluken. Damit die nächsten Besitzer immer auf Kurs bleiben, spendierte der Anbieter, die Firma AL-CAR in Ratzeburg, dem gebrauchten BoxStar nachträglich ein fest verbautes Infotainmentcenter mit Navigationssystem und Rückfahrkamera. Interessenten können theoretisch noch von der fünfjährigen Knaus-Dichtigkeitsgarantie profitieren – es spricht jedoch nichts dafür, dass dies nötig wäre.

ESP, ASR und Beifahrerairbag waren aufpreispflichtig

Knaus BoxStar 540
Zum Bäumeausreißen taugt der 130-PS-Turbodiesel nicht, dank des souveränen Drehmoments reicht er aber in allen Lebenslagen aus.
So fährt er: Nicht grundlegend anders als ein 2018er Testwagen mit vierstelligem Kilometerstand. Im Gegensatz zu vielen anderen jungen Reisemobilen verbrachte dieser BoxStar seine ersten Jahre nicht als Mietmobil, sondern lief bei einem privaten Vielfahrer. Das ist zwar nicht von innen zu sehen, aber von außen: Die Gebrauchsspuren verlangen eine gründliche Aufbereitung und Smartrepair für rund 500 Euro, technisch ist der Ducato dafür prima in Schuss. Der 130-PS-Turbodiesel reißt zwar keine Bäume aus, sein souveränes Drehmoment reicht aber selbst für Touren durch bergige Regionen vollkommen aus. Besonders überzeugend ist der moderate Verbrauch des Euro-5-Commonrail-Direkteinspritzers: Mit unter zehn Liter Diesel auf 100 Kilometer lässt sich der vollbeladen maximal 3,3 Tonnen schwere BoxStar entspannt bewegen, ohne ein Dauer-Abo für die rechte Spur zu haben. Auch Dauertempo 130 ist auf ebener Strecke drin. Weniger angenehm: ESP, ASR und Beifahrerairbag waren 2013 noch nicht automatisch mit an Bord, sondern leider aufpreispflichtig. Einige Sparfüchse verzichteten gerne auf diese Sicherheitsfeatures, als Gebrauchte sollten solche Magermodelle eindeutig zweite Wahl sein! Denn nur mit stimmiger Ausstattung kann ein junger (und entsprechend teurer) Box Star 540 ein langfristig cleverer Kauf sein.

Fazit

Kurz und knackig: Der BoxStar 540 kann Paaren mit seinem hohen Praxiswert und seinem Sinn für clevere Details gefallen. Für Familien ist der beengte Grundriss dagegen nicht geeignet. Frustrierend: das hohe Preisniveau für interessante Gebrauchte – und die unklare Zukunft für Euro-5-Fahrzeuge. Urteil: vier von fünf Punkten.