AUTO BILD REISEMOBIL: Frau Boes, bitte Ihr Urteil als Comedy-Profi und Reisemobilistin: Wie lustig sind Camper?
Mirja Boes: Nicht lustiger als andere Menschen, aber der Mensch an sich ist ja schon lustig – und beim Campen ist man hautnah dran, deshalb kann man sehr schöne Beobachtungen machen. Wer hat da diese riesige Satellitenschüssel auf dem Dach? Was ist das für ein Typ mit dem Kühlschrank vor dem Wohnmobil? Manche kommen mit einem Gefährt, das fast so groß ist wie ein Einfamilienhaus, und unten rollt noch ein kleines Auto raus.
Da denke ich mir: Dann kann ich auch gleich eine Ferienwohnung mieten. Einmal hatten wir einen Platznachbarn, der hatte seinen Vogel mitgenommen. Der Käfig hing tagsüber immer vor dem Reisemobil, und das Tier hat von morgens bis abends laut gezwitschert. Das war schon skurril. Also: Ein Campingplatz ist auf jeden Fall ein guter Nährboden für Comedy.
Gibt’s auch Camper, die nerven?
Lustigerweise – obwohl es so eine individuelle und freie Art ist, Urlaub zu machen –, lustigerweise gibt es immer noch einige, die alles ganz, ganz genau nehmen. Da muss jeder Wimpel exakt an seinem Platz hängen, die stehen immer an derselben Stelle, und niemand darf ihnen in die Quere kommen: "Ich stehe immer hier!" Ich glaube aber, die meisten Camper sind heute nicht mehr die, die den Gartenzwerg vorm Wohnmobil haben, sondern alles in allem ist das eine ziemlich coole Gruppe. Und total hilfsbereit.
Mirja Boes
Diesen Pilote P696 Evidence mieten Mirja und ihre Familie seit Jahren für den Sommerurlaub. Erlebnisse mit der Bordtoilette hat sie sogar in ihr neues Programm eingebaut.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Wir hatten uns mal in einem Matschloch festgefahren, da hat uns ein Dauercamper aus dem Ruhrgebiet herausgezogen. Der hatte so einen Jeep mit Kurbel und offenbar seit Wochen drauf gewartet, dass er sie endlich mal einsetzen konnte. Bis wir kamen. Der hatte einen Riesenspaß.
… und dann war das auch noch jemand, den er aus dem TV kannte!
Genau. Beim nächsten Mal hat er wahrscheinlich seinen Kumpels erzählt: Die Alte da im Fernsehen, die hatte sich festgefahren, und ich hab sie rausgezerrt. Aber im Ernst: Das war ein super Typ und eine spektakuläre Aktion.
Wie sind Sie zum Camping gekommen? Viele haben ja schon in der Kindheit die Ferien auf dem Zeltplatz verbracht.
Ich überhaupt nicht. Meine Eltern waren eher so die Ferienwohnung-Urlauber. Ich bin durch erst durch meinen Freund dazu gekommen. Der hatte einen T4, mit dem wir insgesamt 14 Jahre im Urlaub unterwegs waren, sogar noch als unsere beiden Söhne da waren. Die Kinder haben im Bulli übernachtet und wir im Zelt davor.
Mirja Boes im Interview
AUTO BILD REISEMOBIL traf den Comedystar an den Kölner Jahnwiesen neben dem Müngersdorfer Stadion.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Klingt romantisch, aber nicht gerade nach Glamping.
Richtig. Irgendwann haben mein älterer Sohn und ich dann auch gesagt: Es reicht mit dem Bulli, ab jetzt nur noch mit Toilette und fließend Wasser. Seitdem mieten wir jedes Jahr den teilintegrierten Pilote von einem Freund, der in Paderborn eine Wohnmobilvermietung betreibt. Glamping würde ich das aber immer noch nicht nennen. Wir haben es im Urlaub lieber einfach, das fängt schon beim Essen an. Wir grillen oft oder machen Nudeln mit Ketchup. Ich finde: Camping ist schon auch Verzicht. Du schränkst dich in vielen Sachen ein, aber das ist ja gerade das Schöne.
Haben Sie ein festes Reiseziel, oder fahren Sie einfach der Nase nach?
Wir fahren immer nach Südfrankreich, unser Stammplatz liegt auf dem Cap Ferrat. Da treffen wir auch jedes Jahr Freunde. Insgesamt sind wir so drei Wochen unterwegs. Der Vorteil dieser Art zu reisen ist aus meiner Sicht: Der Urlaub fängt sofort an. Wir reisen in aller Ruhe an, machen unterwegs zwei-, dreimal Station, letztes Jahr zum Beispiel auf dem Parkplatz vom Disneyland in Paris, weil die Kinder da unbedingt mal hinwollten. Nach der Ankunft gibt es dann immer einen Großeinkauf in einem dieser riesigen französischen Supermärkte. Das ist schon ein Ritual.
Mirja Boes
Voll normal: Für die Kölnerin gehört ein Kölsch selbstredend zum Reiseproviant.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Wer fährt?
Wir wechseln uns ab. Mir macht das viel Spaß. Ich fahre auch gern mal unseren Band-Bus, wenn wir zu Auftritten fahren. Nur das Einparken überlasse ich meinem Freund. Mein Job ist das Einwinken.
Ihre Söhne sind jetzt elf und 13. Wird es nicht langsam ein bisschen eng, zu viert drei Wochen lang im Reisemobil?
Nein, das funktioniert noch gut. Man muss sich halt arrangieren …
Inwiefern?
Na ja, unsere Jungs haben zum Beispiel unterschiedliche Hygienevorstellungen. Der ältere pickt jeden Krümel mit der Pinzette von der Matratze, und sein Bruder würde sich am liebsten vom Strand direkt ins Bett legen. Deshalb schlafen die beiden in den getrennten Betten im Heck und mein Freund und ich im Hubbett. Nicht ganz so bequem, aber andersherum würde es ein Handgemenge geben.
Und das will man ja nicht. Mal ganz grundsätzlich: Was braucht es für einen gelungenen Reisemobilurlaub?
So simpel es sich anhört, aber es kommt doch sehr aufs Wetter an. Wenn das gut ist – alles super. Wobei es auch gemütlich sein kann, wenn nachts der Regen aufs Dach prasselt. Wir hatten aber mal einen Urlaub, der ist total schiefgegangen, weil es 14 Tage lang nur geregnet hat. Das war noch mit dem T4 in der Bretagne. Was es nicht leichter machte: Mein erster Sohn war damals noch klein und wollte partout nicht, dass seine Schuhe von unten nass werden. Camping kann einen manchmal auch ganz schön fordern.
Mirja Boes
Damit die Jungs mehr Platz haben, macht Mirja das Bett im Heck für ihre Söhne fertig. Sie und ihr Freund nehmen das Hubbett.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Wild zu campen ist für Sie also eher keine Option?
Das ist tatsächlich das Einzige, wo ich ein bisschen spießig bin. Ich brauche in der Nähe einen Stromanschluss. Ich habe immer Panik, dass irgendetwas nicht funktioniert. Ich bin auch diejenige, die ständig kontrolliert, ob noch genug Wasser da ist. Okay, zwei, drei Tage ist man je nach Fahrzeugmodell ja mehr oder weniger autark. Da ist Wildcampen eine Möglichkeit. Aber irgendwie bin ich dann doch froh, wenn man wieder Anschluss an die Zivilisation hat.

Zur Person Mirja Boes

Mirja Boes (Jahrgang 1971) wurde in Viersen am Niederrhein geboren. Ab Mitte der 1990er-Jahre wurde sie zunächst mit Partyschlagern bekannt, unter anderem mit der Band Die fabulösen Thekenschlampen und unter ihrem Künstlernamen "Möhre" bei Auftritten im "Oberbayern" auf Mallorca.
Seit Anfang der 2000er-Jahre ist Mirja Boes regelmäßig im TV zu sehen, etwa zusammen mit den Comedians Ralf Schmitz und Markus Majowski in "Die Dreisten Drei". Mit ihrer Sketch-Comedy "Ich bin Boes" war sie zweimal für den Deutschen Comedypreis nominiert, den sie zwischen 2007 und 2018 fünfmal gewann. Zuletzt räumte sie 2024 bei "The Masked Singer" und bei "Last One Laughing" Staffelsiege ab. Mirja Boes lebt mit ihrem Lebensgefährten und zwei Söhnen in Köln.
Seit Februar 2024 ist Mirja Boes mit ihrer Band Honkey Donkeys und dem neuen Programm "Arschbombe Olé" auf Tournee. Darin enthalten sind einige lustige Nummern über ihre Erlebnisse unter Campern. Die Tour führt durch Städte in allen Regionen Deutschlands und läuft noch bis zum 9. November 2025.
Genaue Termine finden Sie unter: www.mirja-boes.de