Kommentar zum Aus vom Verbrenner-Aus
Der Verbrenner bleibt, wird aber teurer

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Mehr Wahlfreiheit beim Antrieb. Aber Verbrenner werden knapper und teurer. Was die neue EU-Entscheidung für Sie bedeutet.
Bild: Matthias Balk
Die EU hat das Verbrenner-Verbot neu justiert. Ab 2035 gilt weiterhin: Der Verkehr soll deutlich klimafreundlicher werden. Neu ist aber der Weg dorthin. Statt eines faktischen Komplettverbots wird das Ziel aufgeweicht – nicht mehr 100 Prozent der Neuwagen müssen emissionsfrei sein, sondern 90 Prozent. Das öffnet den Raum für Hybride, Range Extender und andere CO₂-reduzierende Antriebe auch über 2035 hinaus.
Ich halte diese Entscheidung für richtig. Nicht, weil Klimaziele unwichtig wären. Sondern, weil sie so realistischer erreichbar werden.
Wer heute Auto fährt, weiß: Es gibt nicht den einen Antrieb, der für alle passt. Pendler mit Lademöglichkeit zu Hause fahren elektrisch sinnvoll. Langstreckenfahrer, Handwerker oder Menschen auf dem Land brauchen andere Lösungen. Genau das haben Hersteller wie BMW-Chef Oliver Zipse seit Jahren gefordert: Technologieoffenheit statt Einbahnstraße. Auch die CO₂-Bilanz der Produktion, etwa von Stahl, wird jetzt stärker berücksichtigt. Das ist überfällig.
Mehr Antriebsvielfalt bedeutet auch: mehr Fahrzeuge, die tatsächlich CO₂ einsparen können. Hybride, effiziente Verbrenner mit Range Extender oder synthetische Kraftstoffe tragen dazu bei, ohne dass alles allein über das E-Auto geregelt werden muss. In der Summe kann das schneller wirken als ein theoretisches Verbot.
Gleichzeitig darf man sich nichts vormachen. Für Autofahrerinnen und Autofahrer bleibt eine zentrale Folge unvermeidbar.
Der Markt wird weiter in Richtung Elektro reguliert. Nicht über Privatkunden, sondern über Flotten. Große Firmenflotten und Vermieter sorgen für rund zwei Drittel aller Neuwagen. Für sie gelten künftig stufenweise strengere Vorgaben. Ab einer bestimmten Größe müssen sie ihren Elektroanteil deutlich erhöhen und bis 2035 nahezu vollständig elektrisch unterwegs sein.
Das hat Konsequenzen: Benziner, Diesel und auch viele Hybride werden in Flotten kaum noch gekauft. Damit fehlen sie dort, wo heute ein Großteil des Marktes entsteht. Die Folge ist eine Verknappung. Weniger Stückzahlen bedeuten höhere Preise. Verbrenner bleiben erlaubt, werden aber teurer.
Genau das verschiebt den Wettbewerb. Elektroautos gewinnen weiter an Attraktivität, nicht nur wegen der Technik, sondern auch wegen des Preises. Davon profitieren aktuell vor allem Hersteller aus China. Sie haben ihre Wertschöpfungsketten im Griff, produzieren Batterien selbst und bringen günstige Modelle nach Europa. Teilweise sogar aus europäischen Werken, ohne Strafzölle.
Für europäische Hersteller heißt das: Marktanteile geraten unter Druck. Für Zulieferer klassischer Technik wie Motoren, Getriebe oder Kraftstoffsysteme wird die Lage weiter schwieriger. Viele stehen ohnehin schon finanziell unter Stress. Die Aufweichung des Verbrenner-Verbots rettet diese Geschäftsmodelle nicht. Der Markt verändert sich trotzdem.
Unterm Strich heißt das für Sie als Leserinnen und Leser:
Sie behalten länger die freie Wahl beim Antrieb. Das ist gut.
Aber Verbrenner werden knapper und teurer. Das ist die Kehrseite.
Sie behalten länger die freie Wahl beim Antrieb. Das ist gut.
Aber Verbrenner werden knapper und teurer. Das ist die Kehrseite.
Viele werden sich deshalb eher für ein E-Auto entscheiden. Auch, weil es preislich attraktiver wird. Leider oft mit Wertschöpfung außerhalb Europas.
Genau hier liegt jetzt die eigentliche Aufgabe. Der gewonnene Zeitaufschub darf nicht verpuffen. Deutschland und Europa müssen ihn nutzen. Für neue Arbeitsplätze rund um Elektromobilität. Für weniger Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten und Rohstoffen. Für E-Autos, die bei Preis und Leistung konkurrenzfähig sind. Und für eine Ladeinfrastruktur, die funktioniert. In Städten, auf dem Land, mit einfachen Tarifen, hoher Ladeleistung und bezahlbarem Strom. Europaweit.
Wenn das gelingt, war die Entscheidung der EU jetzt hilfreich.
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