Kostenbremse beim Führerschein: Reform ab 2027 geplant
Führerschein-Reform: So viel können Fahrschüler sparen

Der Führerschein wird immer teurer – jetzt will der Gesetzgeber die Kosten senken. Mit der Reform der Fahrausbildung sollen Fahrschulen digitaler werden, das Lernpensum sinken. Wie viel kann man sparen?
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Die Bundesregierung will die Fahrausbildung vereinfachen, damit der Führerschein günstiger wird. Gerade für junge Menschen ist der Fahrschulbesuch schmerzlich teuer geworden. 3400 Euro kostet die Klasse B inzwischen im Schnitt, oft sogar über 4000 Euro.
Um das zu ändern, hat das Bundesverkehrsministerium umfangreiche Änderungen erarbeitet. Der Bundestag hat jetzt ein Reformpaket für die Fahrprüfung sowie die Fahrschulausbildung in Theorie und Praxis beschlossen. Stimmt auch der Bundesrat zu, könnte es zum 1. Juli 2027 in Kraft treten. Ziel der Gesetzesänderung: Fortschritte in der Digitalisierung und eine spürbar einfachere und günstigere Ausbildung.
Das sind die einzelnen Maßnahmen – und der gewünschte Effekt:
- Der Theorieunterricht kann künftig vollständig als Online-Schulung absolviert werden. Damit sollen Fahrschüler Zeit und Wege sparen. Für Fahrschulen ergibt sich der Vorteil, dass sie keine Unterrichtsräume mehr anmieten müssen sowie Arbeitszeit und Personal sparen.
- Der Fragenkatalog für die theoretische Ausbildung wird stark gekürzt. Er soll um rund ein Drittel schrumpfen, von 1100 auf höchstens 840 Fragen. Damit sinkt der Lernaufwand für Fahrschüler, und der Unterricht kann verkürzt werden.
- Die Zahl der Sonderfahrten wird gekürzt. Bisher wird nur zur Prüfung zugelassen, wer mindestens zwölf Pflichtstunden (à 45 Minuten) absolviert hat: fünf Überland-, vier Autobahn- und drei "Beleuchtungs"-Fahrten (in Dämmerung oder Dunkelheit). In Zukunft soll der Fahrlehrer anhand der Fortschritte des Schülers entscheiden, wie viele Pflichtstunden notwendig sind. Das spart Geld.
- Die praktische Fahrprüfung wird abgekürzt: Von 55 Minuten total und 30 Minuten am Steuer soll die Prüfungszeit auf 40 bzw. 25 Minuten sinken. So können mehr Prüfungen durchgeführt werden, das spart Zeit.
- Zukünftig sollen Fahrschulen Preise transparent in einem zentralen öffentlichen Internetportal ("Mobilithek") nennen. Das soll es Fahrschülern erleichtern, günstige Fahrschulen zu finden, und den Wettbewerb der Fahrschulen untereinander intensivieren.
- Fahrschüler sollen zukünftig im Straßenverkehr mit "geeigneten Personen", insbesondere Eltern und anderen Verwandten, üben dürfen. Damit könnten Fahrschulstunden eingespart werden. Bedingung soll die bestandene Theorieprüfung sein. Geplant ist zuvor ein Modellversuch, um die Tauglichkeit dieses Szenarios zu testen.
- Fahrschulen können zukünftig auch Ausbildung im Simulator anbieten. Der Fahrsimulator soll den praktischen Unterricht aber nur ergänzen. Damit ließe sich für Fahrschulen Personal, Zeit und Hardware (z. B. Fahrschulwagen und Kraftstoff bzw. Strom) sparen, Fahrschüler müssten dann weniger teure Fahrstunden am Steuer bezahlen. Beschaffung und Betrieb eines Fahrsimulators erhöhen aber wiederum die Kosten für die Fahrschulen – die diese wohl an die Schüler weitergeben.
- Dokumentations- und Aufzeichnungspflichten für Fahrschulen werden reduziert. Gewünschter Effekt: Weniger Bürokratie soll den Verwaltungsaufwand und damit langfristig die Ausbildungskosten senken.

Der Präsenzunterricht in der Theorieausbildung soll wegfallen – dann könnten Fahrschüler sich für die theoretische Prüfung komplett online schulen lassen. Die Prüfung bleibt aber eine Präsenzveranstaltung.
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Was sagen Experten zu dem Vorhaben?
Experten kritisieren die Pläne, darunter den eigentlichen Zweck, den Führerschein günstiger zu machen. "Die vom Bundesverkehrsminister versprochenen 1000 Euro Ersparnis stehen bislang auf dem Papier", so Marc-Philipp Waschke-Deden vom Auto-Club Europa (ACE). Viele Änderungen würden Fahrschulen entlasten. Doch ob diese die Einsparungen weitergeben, bleibt offen.
Die Fahrlehrer befürchten, dass die Qualität der Ausbildung leidet: "Wir sehen die Änderungen sehr kritisch", sagte Kurt Bartels, Vizechef vom Bundesverband der Fahrlehrerverbände, den Zeitungen der Mediengruppe Bayern. Die Fahrlehrer setzen sich dafür ein, dass es weiterhin eine Pflicht zum Präsenzunterricht für die Theorie geben soll. Mit einer Kürzung der Theorie-Pflichtstunden könne man aber gut leben.
Drei Fragen an eine Fahrschule
Hier die Antwort auf drei AUTO BILD-Fragen, beantwortet von Ausbildungs-Fahrlehrer Armin Fleichaus von der gleichnamigen Fahrschule im bayrischen Gunzenhausen:
Wird der Führerschein jetzt günstiger?
Armin Fleichaus: "Ja, für den talentierten Schüler wird es geringfügig günstiger, wir schätzen um ca. 200 Euro. Das liegt an der geringeren Anzahl der Sonderfahrten benötigen wird. Auch beim Grundbetrag, den Verwaltungsgebühren und beim Theorieunterricht kann man sparen." Er gibt aber zu bedenken: "Durch fehlenden Theorieunterricht kann es sein, dass fehlende Kenntnisse in den Fahrstunden vermittelt werden müssen."
Was bedeutet die Reform für Schülerinnen und Schüler?
Armin Fleichaus: "Es entfällt die Zeit, um den Theorieunterricht zu besuchen, die Schüler können in einer von ihnen bestimmten Zeit lernen. Das hat allerdings eine Schattenseite, weil einige Schülerinnen und Schüler die Fragen auswendig lernen, ohne ihren Sinn und den Inhalt zu verstehen. Dies wird sich in den Fahrstunden widerspiegeln. Eine Reduzierung der Sonderfahrten birgt die Gefahr, dass die Prüflingen keine ausreichende Kompetenz für diese Fahrten erwerben."
Was halten Sie als Fahrschule von der Reform?
Zum Theorieunterricht: "Wir halten für bestimmte Themen den Präsenzunterricht zwingend erforderlich, da hier die Sozialkompetenz gestärkt wird. (z.B. Vorfahrtsregeln, Gefahrenlehre). Andere Themen, wie Halten & Parken kann man sich jedoch im Selbststudium aneignen."
Zur praktischen Ausbildung: "Die Ausbildungsordnung verpflichtet Fahrschulen weiterhin, erst dann die Prüfung anzusetzen, wenn die nötigen Kenntnisse erworben wurden und wir als Fahrschule überzeugt sind, dass die Schüler sicher fahren können.
Allgemein: Die Führerscheinreform reformiert nur die Ausbildung und hinterfragt nicht die einzelnen Fahrerlaubnisklassen und ihren Erwerb. Da hätten wir noch Vorschläge. Beispielsweise wird die Klasse A1 an einem Zweirad ausgebildet, der Erwerbende darf aber nach bestandene Prüfung ein dreirädriges Auto, wie den Ellenator, einen Fiat-500-Umbau, fahren. Nach zwei Jahren im Besitz des A1-Führerscheins muss aber erneut eine 300-Euro teure Prüfung abgelegt werden um A2- Motorräder zu fahren. Eine Qualifizierung durch Weiterbildung wäre hier günstiger und sinnvoller, beispielsweise durch Sicherheitstrainings oder Einzelunterricht bei einem qualifizierten Fahrlehrer. Auf die weitere Prüfung für den Aufstieg von A2 auf A kann nach unserer Meinung verzichtet werden. Insbesondere wenn Kandidaten mit 16 Jahren ein Motorrad mit 80 PS Leistung (Peak-Leistung) bei einem Gewicht von 125 kg fahren darf, erscheint das unlogisch.
Wir wären auch dafür, den Führerschein Klasse B zum begleitenden Fahren mit 16 anzubieten und darin die Europäische Fahrerlaubnisklasse B1 mit einzuschließen. Diese Klasse wird in Deutschland bisher nicht angeboten. So könnten schon 16-Jährige ohne Begleitperson vierrädrige, leichte Kfz alleine fahren. Das würde die Mobilität von 16-Jährigen verbessern – ohne Umweg über einen kostenpflichtigen A1-Führerschein," so Fleichaus gegenüber AUTO BILD.

In der praktischen Führerscheinprüfung soll die Fahrzeit von 30 auf 25 Minuten verkürzt werden.
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Was sagt der ADAC zu der Reform?
Der ADAC befürwortet die geplante Reform. "Sie bietet die Chance, den Führerscheinerwerb flexibler und günstiger zu gestalten", sagte eine Sprecherin der Mediengruppe Bayern. Mit Blick auf die Einsparungen rechnet der ADAC mit geringeren Kosten von bis zu einem Drittel. Immerhin: Digital wird in Kürze das Führerscheindokument selbst.
Fazit
Wird der Führerschein billiger? Machen wir uns klar: Die Grundkosten werden hoch bleiben. Der fetteste Kostenblock sind die "Übungsfahrten", also die "normalen" Fahrstunden. Unter zehn Einheiten kommt hier niemand durch, sagen Fahrlehrer. Die meisten brauchen viel länger. Ob die Reform im Geldbeutel ankommt, hängt an drei Teilaspekten: Werden die Sonderfahrten reduziert und können Fahrschüler mit Eltern sowie am Fahrsimulator günstig üben, ließen sich 1000 Euro einsparen. Am Ende liegt vieles am Schüler selbst.
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